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Das Handy in der Hose

Rebekka Buck erforschte schon vor der Uni, wie Strahlung auf Hoden wirkt

Wirken Handystrahlen auf männliche Hoden? Diese Frage beschäftigte Rebekka Buck und ihre Schwester Tamara alsSchülerinnen für „Jugend forscht“. Das Hodengewebe besorgten sie sich amTübinger Uniklinikum. Heute studiert Rebekka Buck inTübingen selbst Medizin.

05.11.2010

Von ANTONIA KURZ

Ein Jahr lang fuhren Rebekka und Tamara Buck regelmäßig von Bad Saulgau mit dem Zug nach Tübingen, zum Uniklinikum auf dem Schnarrenberg. Sie hatten ein ungewöhnliches Gesuch: Die Schwestern hofften, Hodengewebe zu bekommen. Die Hartnäckigkeit zahlte sich aus. Erstens: Sie bekamen das Gewebe. Zweitens: Ihr Forschungsprojekt, wie sich Handystrahlen auf menschliche Hoden auswirken, gewann beim Landeswettbewerb von „Jugend forscht“ den ersten Platz.

Die Anfänge ihrer Forschungen liegen in einem Schülerforschungszentrum in Bad Saulgau. Dort steht jungen Menschen mit naturwissenschaftlichen Ambitionen ein Labor zur Verfügung. Die unendliche Diskussion darüber, ob Handystrahlen schädlich sind, hatten Rebekka und Tamara Buck in der Zeitung verfolgt. Bis heute kommen Studien zu widersprüchlichen Ergebnissen.

Die Zwillinge überlegten sich: Handys werden meist in der Hosentasche getragen. Die männlichen Geschlechtsorgane sind exponiert – es liegt also nahe, dass Hodenzellen Schaden nehmen, wenn Handystrahlen gefährlich sind.

Die Suche nach Hodengewebe sollte den Willen der Schwestern auf die Probe stellen. Immer wieder sprachen sie in der Urologie des Tübinger Uniklinikums vor, bis ihnen ein Wissenschaftler zwei Brutkästen und 14 Gewebeproben zur Verfügung stellte. Zurück im Labor in Bad Saulgau lagerten Rebekka und Tamara Buck die Proben in den Kästen – und legten in einen zudem vier Handys.

Nach drei Wochen konnten die Schwestern feststellen, dass mehr Zellen aus dem Handy-Brutkasten abgestorben waren als bei den anderen Proben. Repräsentativ ist die Studie aber nicht – dafür war die Menge der Gewebeproben zu klein. Da sie mit ihrem Projekt bei „Jugend forscht“ in Bayern (der baden-württembergische Wettbewerb lag terminlich ungünstig) einen ersten Preis erhielten, wurden die Zwillinge auch zum Bundeswettbewerb eingeladen und gewannen dort einen Sonderpreis: ein Reisestipendium nach Dresden und jeweils 500 Euro.

„Mich haben Naturwissenschaften schon immer fasziniert“, sagt Rebekka Buck. Das liegt in der Familie, die Mutter ist Zahnärztin, der Vater Urologe. In der Oberstufe absolvierte Rebekka ein Praktikum bei einem Physikalischen Institut, weil sie mit dem Gedanken spielte, Physik zu studieren. Die Wissenschaftler dort waren alle ganz begeistert, eine junge Frau bei sich zu haben. „Ich wurde fast ein bisschen überfordert.“

Letztlich entschied sie sich doch für Medizin. „Dann kann ich immer noch entscheiden, ob ich forschen oder in einer Klinik praktizieren möchte“, sagt sie. Allerdings zieht sie für sich klare ethische Grenzen. Als Christin ist Rebekka Buck etwa gegen Abtreibung. „Da geht es um den Schutz von ungeborenem Leben.“

Das einst unzertrennliche Schwestern-Duo studiert heute in unterschiedlichen Städten, aber dasselbe Fach. Tamara Buck studiert in München Medizin. Aber sie telefonieren ständig. Und besuchen sich häufig. „Dann gibt sich die eine schon mal als die andere aus“, sagt Rebekka Buck. „Es ist immer lustig, wenn die Kommilitonen plötzlich begreifen, dass eigentlich eine Fremde vor ihnen steht.“ Ein Männer-Scherz nervt sie: „Ich habe zu viel getrunken, ich glaube ich sehe doppelt.“ Der Witzbold halte sich dann für originell. Rebekka Buck: hat den Gag unzählige Male gehört.

Wenige Stunden nach dem Interview schreibt mir Rebekka Buck eine Nachricht über Facebook. „Haben Sie vor, meine Punktezahl im Abitur in Ihrem Artikel zu erwähnen? Bitte nicht!“ Buck redet nicht gerne darüber, dass sie die Schule mit 0,8 abgeschlossen hat. Prahlen ist so gar nicht ihre Art. Ihre Zwillingsschwester Tamara hat dieselbe Note. „Schon in der Schule ging das Gerücht um, dass wir den ganzen Tag nur lernen“, sagt Rebekka Buck, „aber das stimmt nicht. Wir haben auch allerlei Hobbys, wir singen im Chor oder gehen tanzen.“

Doch so bescheiden sich Rebekka Buck gibt: Ohne ein besonders hohes Maß an Ehrgeiz und Disziplin hätten sie und ihre Schwester das Projekt nicht gestartet, mit dem sie als junge Forscherinnen schon ein bisschen Furore machten.

Schon immer von Naturwissenschaften fasziniert: Rebekka Buck, heute Medizinstudentin in Tübingen, untersuchte als Schülerin zusammen mit ihrer Zwillingsschwester, ob Handystrahlen auf Hodengewebe einwirken.Bild: Kurz

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Erstellt:
5. November 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
5. November 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. November 2010, 12:00 Uhr

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