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TV-Show

Raus aus der Kleidung und rein in die Selbstliebe

Sandra Wurster trägt keine Größe 38 und ist zufrieden. „Du bist mehr als dein Körper“, sagt sie. Dieses Motto gibt sie jetzt im Fernsehen an andere weiter.

20.01.2020

Von MELISSA SEITZ

Die Stuttgarterin Sandra Wurster ist fast nackt in dem TV-Format „No Body is Perfect“ zu sehen. Foto: Sat1

Stuttgart. Du bist Tanzlehrerin?“ Sandra Wurster hat diese Frage viel zu oft schon gehört. Und das nur, weil der Körper der 29-Jährigen nicht so aussieht, wie es wohl viele in der Gesellschaft bei einer Tanzpädagogin erwarten würden. Die Stuttgarterin ist kräftig gebaut, hat eine breite Hüfte und keine spindeldürren Beine. „Ich war eben noch nie eine Größe 38“, sagt sie. Auch wenn Sandra Wurster keinen durchtrainierten Body hat, sie hat das, was nur wenige Menschen haben: Ganz viel Selbstliebe und eine Message, die sie in die Welt hinaustragen möchte: „Du bist mehr als dein Körper“, ist sie fest überzeugt.

Mit ihrer Lebenseinstellung möchte sie andere Frauen anstecken, egal wo, wie und wann. Auch auf der Zugfahrt zwischen zwei Terminen. „Hörst du mich? Ich sitze gerade in der Bahn auf dem Weg zu einem Vortrag. Es kann sein, dass die Verbindung immer wieder abbricht“, sagt eine Frauenstimme am anderen Ende der Leitung. Seit voriger Woche Dienstag ist Sandra Wurster dauernd unterwegs, von einem zum anderen Termin. Aber wieso? Vergangenen Montag war sie zum ersten Mal in der Sat1-Produktion „No Body is Perfect“ zu sehen. Seither flattern die Interviewanfragen nur so bei ihr ein.

Nur ein hübsches Gesicht

Doch von vorne: Sandra Wurster und ihr Körper – die beiden waren nicht immer Freunde. Mit 16 Jahren hatte sie, wie wohl viele junge Frauen in diesem Alter auch, mit ihrer Optik zu kämpfen. Es folgten nächtliche Jogging-Runden um den Block, Diäten und Kettenrauchen, um den Hunger zu unterdrücken. „Ich hatte damals keinen Frieden mit meinem Körper“, erzählt sie. Kommentare von Menschen in ihrem Umfeld ließen sie in dem Glauben: „Hübsches Gesicht, aber alles andere scheiße.“

Irgendwann merkte sie: „Was ich mache, ist Selbstbetrug. Ich habe mich nur abgemagert, um anderen zu gefallen.“ Mit dieser Erkenntnis folgte ein Lebenswandel – hin zu mehr Selbstliebe. Auch bei ihren Tanzschülern sah sie, dass das vermeintliche Schönheitsideal seine Spuren hinterlässt. „Sie hatten die Choreografie drauf, aber haben auf der Bühne keine Attitude gezeigt“, erinnert sich die Stuttgarterin. „Sie erzählten mir, dass sie sich nicht schön fanden.“ Sandra Wurster begann mit ihnen anders zu arbeiten: Neben Choreografie standen Motivationsvorträge, Yoga-Einheiten und Meditationen auf dem Programm.

2016 nahm sie bei „Shopping Queen“ teil. In der Show auf Vox gehen die Teilnehmerinnen ein Outfit einkaufen, das zu einem Motto passt, das Modedesigner Guido Maria Kretschmer vorgibt. Sandra Wurster gab sich in der Sendung selbstbewusst, plädierte dafür, sich so zu zeigen, wie man ist. In der Sendung fiel ihr Lieblingsspruch: Das Leben ist zu kurz, um den Bauch einzuziehen. „Guido hat das abgefeiert.“

Geboren war die Idee, diesen Slogan auf T-Shirts zu drucken und sie zu verkaufen. Gesagt, getan. „Die Shirts sind so gut angekommen.“ Schnell entstand die Firma „Bauchfrauen“, die neben den Oberteilen auch Workshops anbietet. Sandra Wurster und ihr Team nennen die Kurse „Love and Shake Your Belly“ (siehe Info). „Wir legen nur den Grundstein für mehr Selbstbewusstsein, die Teilnehmer müssen danach weiter an sich selbst arbeiten.“

Seit vergangener Woche will Sandra Wurster auch im Fernsehen versuchen, anderen beizubringen, sich selbst zu lieben. Sie ist einer der Coaches in dem neuen TV-Format „No Body is Perfect“ auf Sat1. Das besondere an der Sendung: Die Coaches tragen fast nichts. Ihre Körper sind nur mit Bodypaintings verziert. „Ich war selbst verwundert: Es hat mich anfangs erst einmal Überwindung gekostet, mich so zu zeigen“, erzählt die 29-Jährige. In vier Tagen versuchen Sandra Wursten und ihre drei Kollegen im Coaching-Team, die Teilnehmer zu überzeugen, sich so wohl in ihrer Haut zu fühlen, dass sie sich freiwillig ausziehen.

1,77 Millionen Menschen sahen sich die erste Ausstrahlung von „No Body is Perfect“ an. Bei den 14- bis 49-Jährigen lag die Einschaltquote bei 9,5 Prozent und damit über dem Senderschnitt. An diesem Montag geht es weiter.

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Erstellt:
20. Januar 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
20. Januar 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 20. Januar 2020, 06:00 Uhr

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