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Musikprojekt der Hoffnung

Rapper organisierte die „Ópera Reggaetón“

Der Tübinger Frieder Hammer alias Fage MC lernte nach dem Zivildienst Nicaragua kennen und lieben. Mit einem deutschen Geiger und einem US-amerikanischen Musiker organisierte er im Sommer das Projekt Ópera Reggaetón.

06.03.2012

Von Edith Keller, 17

Rapper, HipHop-Tänzer und der Geiger Johannes Kranz: Die Ópera Reggaetón verbindet europäische und lateinamerikanische Musikstile. Bilder: Ópera Reggaetón

„Ich habe Herausforderungen gesucht, wollte Erfahrungen sammeln und andere Kulturen kennenlernen“, beschreibt der 22-jährige Frieder Hammer die Gründe für seine Reise nach Nicaragua. Das Land in Mittelamerika ist eins der ärmsten der Welt. Und der schönsten. Durch seinen Vater bestand schon erster Kontakt in das Land. So zog es ihn als 20-Jährigen nach dem Zivildienst zum ersten Mal nach Nicaragua. Die Liebe zum Land blieb, immer wieder reiste er in den Karibikstaat. Er arbeitete mit Kindern, die auf der Müllkippe leben. Und begründete in Granada ein Opernprojekt.

Aus der Industrienation Deutschland in ein Entwicklungsland – das ist Kulturschock pur: „In Deutschland bezahlt man bis zu vier Euro für einen Kaffee. Davon kann man dort dreimal gut Mittagessen gehen oder mit dem Bus weit durchs Land fahren“, erklärt Hammer. Das Geld reiche sogar, um eine ganze Familie sattzubekommen – mit dem Nationalgericht „Gallo Pinto“, also „Bunter Hahn“ mit Reis und rote Bohnen. Die Gesellschaft dort sei mit der in Deutschland kaum zu vergleichen. In Nicaragua falle die Kindheit oft kurz aus. Es sei nicht ungewöhnlich, so Hammer, dass Kinder mit neun Jahren erste Sexualkontakte haben. Oder gar mit zwölf Jahren Eltern werden. „Es ist eine Gesellschaft, die im Hier und Jetzt lebt“, sagt Hammer: Sie verfüge über eine positive Fähigkeit zum Auskosten des Moments – aber leider oft gepaart mit Verantwortungslosigkeit.

Mittlerweile studiert Hammer Jura in Tübingen – und ist begeisterter Rapper. In wenigen Wochen erscheint sein erstes Album „Gedeih und Verderb“ unter seinem Künstlernamen Fage MC. Es erzählt Geschichten in lyrischen Texten. Seine Erfahrungen aus Nicaragua verarbeitet er im Song „Schwerelos“, in dem er über Kinder in der Dritten Welt rappt. Die Liebe zur Musik war für ihn eine treibende Kraft beim Projekt Ópera Reggaetón.

Ein Projekt zwischen Oper, Pop und HipHop

Fage MC (Frieder Hammer) beim Ópera Reggaetón-Konzert in Granada

Vor zwei Jahren begann er mit dem Violinisten Johannes Kranz diese spezielle „Oper“ in Granada zu entwickeln. Sie ist ein Mix klassischer und moderner Musik, ein Spektakel mit Einflüssen aus Klassik und Rap. Und Reggaetón, einem Stil, der Reggae, Dancehall, HipHop und lateinamerikanischen Einflüsse verbindet. „Das ist eine Show an der Schnittstelle zwischen Oper, Musical und Pop-Konzert“, beschreibt Frieder Hammer das Projekt.

Es brauchte Monate, um die Teilnehmer musikalisch zu schulen. Vergangenen August war es soweit: In Granada bauten sie auf dem Unabhängigkeitsplatz eine Bühne auf. Zwei Stunden musizierten und tanzten dort rund hundert Künstler. „Sie alle waren Teil eines kollektiven Werkes“, erklärt Hammer. Die Ópera Reggaetón gewann Aufmerksamkeit: Sie wurde von rund tausend Zuschauern live verfolgt – und von rund Zehntausenden im Fernsehen.

Der Erfolg kam nicht von ungefähr: Mitgeholfen hat etwa der Reggaetonero Jay Smooth, eine US-Amerikaner mit nicaraguanischen Wurzeln. Es gab Auftritte im Fernsehen und Radio, Werbung mit Bannern, Flyern und Postern. „Rapper sind an die Schulen gegangen und haben zum Konzert eingeladen“, sagt Hammer. Zwei große nicaraguanische Zeitungen sowie Regionalblätter berichten. Finanziert wurde das Projekt von der deutschen Kulturstiftung „Pan y Arte“ („Brot und Kunst“), dem österreichischen Land Steiermark, Canal 14 (Vos TV) und Privatleuten. Die Künstler überlegen nun, eine Akademie für Popmusik in Granada einzurichten.

Natürlich lief nicht alles nur nach Plan. Viele Hürden bei der Umsetzung gab es wegen Geld- und Zeitmangel, wegen fehlender Professionalität bei der Eventmanagementfirma und den Fotografen. „Die ganze Koordination der Künstler, Organisatoren und anderer Beteiligter war schwierig“, sagt Hammer.

So hofft das Projekt nun auf Unterstützung für weitere Auftritte – etwa durch Spenden an „Pan y Arte“ (kontakt@fagemc.de). Auch Teile des Erlöses von Hammers neuem Album „Gedeih und Verderb“ fließen in das Projekt – zudem kommt es dem Bau eines Waisenhauses für Straßenkinder in Granada zugute (zu kaufen auf www.fagemc.de). Die Ópera Reggaetón wird voraussichtlich 2014 bei den Opernfestspielen in Wien zu sehen sein.

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Erstellt:
6. März 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
6. März 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. März 2012, 12:00 Uhr

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