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Schwarzwald

Wölfe fangen: Ranger üben mit Schlingfallen

Die FDP ist empört über die Schulungen zum Fangen von Wölfen im Schwarzwald. Das Umweltministerium reagiert gelassen.

20.02.2019

Von FABIAN ZIEHE

Mit solchen Schlingfallen trainierten auch die Ranger im Nationalpark Schwarzwald. In Thüringen wurden die Fallen bereits im vergangenen Jahr eingesetzt, um Wolfshybride, eine Mischung aus Hund und Wolf, zu fangen. Foto: Sebastian Willnowb/dpa-Zentralbild

Stuttgart. In Zweiergruppen hantieren die Gefilmten auf dem Waldboden, amüsiert schauen sie auf, als der Kameraführende vorüber geht und aus dem Off die Szenerie kommentiert: „Hallo Leute, hier ist der Hollywood-Trapper“, witzelt er und erklärt dann, dass er gerade in Deutschland sei, um Naturparkranger in das Stellen von Fallen einzuführen, – „um den Wolf zu fangen“.

Das Video ist auf der Facebook-Seite von Albert Roura, einem nordspanischen Fachmann für Tierfallen, zu finden – einem Dienstleister, der nach eigener Darstellung im Auftrag von Behörden und Organisationen seit 20 Jahren das Stellen von Lebendfallen trainiert. In diesem Fall, das Video wurde Ende September gepostet, lernen Mitarbeiter des Nationalparks Schwarzwald die Techniken, um größere Tiere zu fangen, um sie beispielsweise zu besendern.

Die FDP-Landtagsfraktion nimmt an dem Streifen Anstoß: Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke hatte folglich das zuständige Umweltministerium mit einer kleinen Anfrage zu einer Stellungnahme aufgefordert. Mittlerweile liegt die Antwort vor – und die Liberalen zeigen sich weiter empört: „Das Ganze ist sehr undurchsichtig und fragwürdig“, sagt Lukas Braun, der als Parlamentarischer Berater das Thema bearbeitet hat. Auf der Facebook-Seite der Fraktion steht in großen Lettern „Nationalpark lässt Ranger im Umgang mit illegalen Fallen schulen.“ Der Nationalpark, das „Prestigeprojekt der Grünen“ sorge somit weiter für „unrühmliche Schlagzeilen“.

In der Antwort auf die Kleine Anfrage der Liberalen bestätigt das Ministerium die Fallen-Schulung: Zehn Mitarbeiter des Nationalparks sowie der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg hätten an der einwöchigen Schulung teilgenommen. Dabei wurde auch die „Belisle Footsnare“ vorgestellt, die je nach Ausführung auch für den Fang von Wölfen geeignet ist.

Grund für größere Aufregung, so lesen sich die Antworten, gebe es nicht: „Es handelte sich ausschließlich um einen Trainings-Workshop, der keinen praktischen Fang umfasste.“ Das Ministerium versichert, dass die „fachgerechte Entnahme eines Tiers“ lediglich „rein theoretisch angesprochen“ wurde.

Und ja, laut der Jagdgesetze von Bund und Land sei der Einsatz von Schlingfallen vom Prinzip her verboten. „Ausnahmen von diesem Verbot sind aber sowohl nach Jagd- als auch nach Naturschutzrecht möglich, etwa für Fänge, die der Besenderung eines Tieres zu Monitoringzwecken dienen.“ Warum das Stellen der Lebendfallen trainiert wurde, beantwortet die Anfrage nicht. Auf Nachfrage der SÜDWEST PRESSE erklärte Ministeriumssprecher Ralf Heineken, es habe sich um einen „rein präventive Fortbildung“ gehandelt – für den Fall, dass Wölfe oder auch Luchse besendert werden müssen.

Die Schulung stünde nicht in Verbindung mit dem Aufbau eines „Entnahme-Teams“. Dies hatte Andre Baumann, grüner Staatssekretär im Umweltministerium, kürzlich bei den Naturschutztagen in Radolfzell angekündigt. Demnach will der Südwesten zusammen mit Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland ein professionelles Team aufbauen, das Wölfe mit auffälligem Verhalten „entnehmen“ – in letzter Konsequenz also töten soll.

Den Zungenschlag der FDP-Fraktion kann Heineken nicht nachvollziehen – und hält den Liberalen seinerseits Unwissenheit vor: Das Bundesjagdgesetz, das explizit „Schlingen jeder Art“ verbietet, sei bis auf wenige Ausnahmen nicht gültig für Baden-Württemberg. Denn hier, so Heineken, gelte stattdessen bis auf wenige Ausnahmen das Jagd- und Wildtiermanagementgesetz des Landes – und das verbietet in Paragraph 32 explizit nur Todfang-Fallen.

Zudem, so Heineken weiter, unterliege der Wolf (anders als der Luchs) nicht dem Jagdrecht, sondern dem Naturschutzrecht. Das erlaubt den Fang von streng geschützten Arten mit einer Ausnahmegenehmigung, die die Behörden etwa zu Monitoring-Zwecken erteilen können.

Die FDP wirft dem Ministerium dennoch vor, nicht mit offenen Karten zu spielen. „Es ist wieder einmal ein Beispiel für Zwei-Klassen-Naturschutz“, klagt FDP-Fraktionschef Rülke gegenüber dieser Zeitung. „Bei der Jägerschaft kann es den Grünen mit sachlichen Verboten und Einschränkungen der Fallenjagd gar nicht weit genug gehen.“ Nationalpark-Mitarbeiter hingegen lasse man „auf breiter Front den Umgang mit Schlingfallen trainieren“. Der Vorgang sei zwar nicht illegal, „aber höchst undurchsichtig“, so Rülke. Minister Franz Untersteller (Grüne) halte sich in der Sache „auffällig bedeckt“.

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Erstellt:
20. Februar 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
20. Februar 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2019, 06:00 Uhr

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