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Rainer Tempel und das Zurich Jazz Orchestra mit eigenen Stücken

Mainstream Jazz mit anregenden Neuerungen: Rainer Tempel stellte am Samstag im ausverkauften Sudhaus mit dem Zurich Jazz Orchestra Eigenkompositionen der CD „New Plans“ vor.

04.01.2009
  • Thomas Ziegner

Tübingen. Eine Erkennungsmelodie mit einem Minimum an Wiedererkennungswert hat der in Tübingen lebende, in Luzern und neuerdings in Stuttgart als Professor für Jazz-Komposition lehrende Rainer Tempel für die seit 2006 von ihm geleitete Big Band Zurich Jazz Orchestra (ZJO) geschrieben. Typisch Tempel; wie das der CD den Titel gebende Stück „New Plans“ erzielt die Erkennungsmelodie „Hello ZJO“ aus der ingeniösen Montage konventionellen Materials originelle Wirkungen.

Da überraschte in „New Plans“ ein Abschnitt, in dem die Bläser-Register ohne Begleitung der Rhythmusgruppe ein die metrische Struktur verbiegendes Fugato anstimmten. Leichte Strudel über der Mainstream-Oberfläche schäumten immer wieder im schlicht „Anyway“ genannten Stück auf.

Tempel experimentierte mit metrisch-rhythmischer Dichte, baute reichlich „krumme Takte“ ein – anfangs hätten die Musiker sie für „unspielbar“ gehalten, sagte er dem Publikum im Sudhaus – und führte vor Ohren, wie man einen gemeinhin als handwerklicher Schnitzer geltendes Verfahren als Kunstgriff einsetzt, indem er Bläser-Tutti und Rhythmusgruppe zwischendurch monorhythmisch, streng parallel führte.

Spektakulär emphatische, gar pathetische Töne meidet Tempel musikalisch ebenso wie in seiner sich durch sanfte Komik auszeichnenden Moderation. Beiläufig plauderte er vor „Anyway“, durchs Meistern der krummen, für unspielbaren gehaltenen Takte „hat sich das Leben doch schon gelohnt“, und irgendwie kriegte er die Kurve zum kürzlich von Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer erwogenen Silvester-Feuerwerksverbot in der Altstadt. „Ich bin dafür“, bekannte Tempel. Stärkstes Argument: „Ich hab' mir Silvester die Hand verbrannt, als ich eine Rakete zündete.“

Sämtliche Soli des Abends ließen spüren, wie sehr die Musiker darauf verpflichtet sind, den Finessenreichtum der Tempel-Kompositionen zu reflektieren. Mühelos schaffte dies auch der eigentlich als Überraschungsgast vorgesehene, wegen Erkrankung eines ZJO-Mitglieds aber das Trompeten-Register komplettierende Claus Stötter. Mit Abstand am meisten aggressive Sounds durfte Reto Suhner solistisch am Sopransaxophon für „The Striker“ produzieren (zu viel Hall wurde zugemischt). Den solistischen Erregungspegel bremste das plötzlich einsetzende Bläser-Kollektiv behutsam aus.

Aparte Bläsermixturen erfreuten anfangs der zweiten, stärkeren Konzerthälfte. Claus Stötter, Flügelhorn und Carlo Schöb, Baritonsaxophon, bliesen ein spannendes Duett im Stück „X YZ“. In der Tradition der Jazz-Grotesken stand Tempels schon ältere, nun für Big Band bearbeitete Komposition „Der Professor“. Schnarren, knarzen und überblasen durfte der Solo-Posaunist Andreas Schopp, dem mit einer noch größeren Portion schwadronierender, selbstgefälliger Gewichtigkeit die Basstuba (Carlo Schöb) assistierte.

Einige Titel des „New Plans“-Programms wirkten wie vielversprechende Vorstudien: Auf der Suche nach Formen, die ohne eingeschliffene symmetrische Schemata auskommen. Starken, anhaltenden und am Ende rhythmischen Applaus klatschte das bestens unterhaltene Publikum.

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04.01.2009, 12:00 Uhr
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