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Nordkorea

Rätseln über die Strategie von Kim Jong Un

Südkoreas Präsident Moon Jae In spricht von „Friedensspielen“. Sie würden einen historischen Wendepunkt auf der koreanischen Halbinsel darstellen. Thomas Bach, Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), von einem „großen Tag“. Was vor wenigen Wochen noch undenkbar erschien, soll am Freitag wahr werden: Zur Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang werden Nord- und Südkorea unter gemeinsamer Flagge ins Stadion laufen.

06.02.2018

Von FELIX LEE

Seoul. Seit seiner Neujahrsansprache hat Nordkoreas Diktator Kim Jong Un im zuletzt festgefahrenen Konflikt um sein Atomwaffen- und Raketenprogramm überraschend eine Kehrtwende eingeleitet. Die beiden Koreas haben sich nicht nur auf Nordkoreas Olympia-Teilnahme geeinigt, sondern werden auch ein gemeinsames Frauen-Eishockeyteam ins Turnier schicken. Selbst der Auftritt eines nordkoreanischen Orchesters und eine Taekwondo-Showeinlage beider Länder ist bei der Eröffnungsfeier vorgesehen.

Doch gelöst ist der Konflikt auf der koreanischen Halbinsel trotz dieser überraschenden Annäherung noch lange nicht. Vor allem die USA sind misstrauisch und wollen die harten Sanktionen gegen Nordkorea unbedingt aufrechterhalten, die sie im vergangenen Jahr gegen Nordkorea durchsetzen konnte, trotz eines zum Teil erheblichen Widerstandes der Regierungen in China und Russland.

Manöverpläne sorgen für Ärger

Nordkorea wiederum hat mit „Konsequenzen“ gedroht, sollten die USA und Südkorea an ihrem gemeinsamen Militärmanöver festhalten, das nach derzeitigen Informationen direkt im Anschluss an die Spiele im März stattfinden soll. Wann immer es solche Übungen gegeben habe, seien Frieden und Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel gefährdet gewesen und das Misstrauen habe einen Höhepunkt erreicht, dozierte unlängst der nordkoreanische Außenminister Ri Yong Ho. Sein Land werde sich dieses Gebaren der Südkoreaner und Amerikaner nicht gefallen lassen, kündigte er an.

Doch viele Südkoreaner betrachten die jüngste Annäherungspolitik ohnehin sehr skeptisch. Vor allem die konservativen Kräfte fragen sich, ob es Kim mit der Annäherung wirklich ernst meint oder ob er nur taktiere. Sie vermuten, der nordkoreanische Machthaber wolle bloß einen Keil zwischen Südkorea und seine Schutzmacht USA treiben.

Trotz Nordkoreas Teilnahme an den Spielen habe sich an der Bedrohung durch Nordkorea nichts geändert. Sie werfen Südkoreas Präsidenten Moon Jae In vor, er habe sich von Kim einwickeln lassen. Auch wenn aktuellen Umfragen zufolge eine knappe Mehrheit die Teilnahme Nordkoreas an den Spielen grundsätzlich begrüßt – Moons Umfragewerte sind seit Jahresbeginn deutlich gefallen.

Moon und sein Regierungsstab sind dennoch fest davon überzeugt, dass ihre Politik der offenen Arme die richtige ist. Sport als Mittel der Diplomatie habe auch schon andere Länder näher gebracht. Hier lasse sich am einfachsten Friedenswille und Versöhnungswunsch demonstrieren, sagt der südkoreanische Vizepräsident Chun Hae Sung.

Und sollte sich der Konflikt nach den Spielen doch wieder zuspitzen – die Spiele selbst dürften immerhin störungsfrei bleiben. Das sei doch auch schon viel wert. Felix Lee

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Erstellt:
6. Februar 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
6. Februar 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. Februar 2018, 06:00 Uhr

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