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Eine Frau, die es nicht gibt

Rätsel um nicht existierende Nebenklägerin NSU-Prozess

"Meral Keskin" war Nebenklägerin im NSU-Prozess. Offiziell. Doch die Frau existiert gar nicht. Das wirbelt den Prozess gegen Beate Zschäpe durcheinander. Deren Anwälte streiten offen vor Gericht.

08.10.2015
  • DPA

München Die Affäre um eine erfundene Nebenklägerin hat ein Nachspiel im Münchner NSU-Prozess gehabt. Drei der vier Verteidiger von Beate Zschäpe forderten das Gericht zu einer Erklärung auf, wie es möglich war, dass das vermeintliche Kölner NSU-Anschlagsopfer "Meral Keskin" zur Nebenklage zugelassen werden konnte. Am Wochenende hatte sich herausgestellt, dass "Keskin" gar nicht existiert.

Zudem gab es gestern erstmals offen ausgetragenen Streit zwischen den Verteidigern Zschäpes. Ihr im Juli neu berufener vierter Anwalt Mathias Grasel beschwerte sich, weder er noch Zschäpe seien von den Anwälten Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm informiert worden, dass sie in der Nebenklage-Affäre einen Vorstoß planen.

Rechtsanwalt Heer sagte, die Bundesanwaltschaft habe bereits im März 2013 und damit vor Beginn des Prozesses im Mai 2013 den Verdacht geäußert, "es hätten sich keine Hinweise darauf ergeben", dass eine "Frau Keskin Verletzte" des Kölner Anschlags gewesen sei. Darum habe die Anklagebehörde "angeregt", die "Nebenklageberechtigung von Frau Keskin" zu überprüfen. Dem sei das Gericht aber nicht nachgekommen. Heer forderte "dienstliche Erklärungen" der Richter, die mit der Zulassung der Nebenklägerin befasst waren.

Zschäpe-Mitverteidiger Grasel warf ein, Zschäpe und er hätten "bisher keine Kenntnis" von dem Vorstoß der drei anderen Verteidiger gehabt. Nach einer Unterbrechung wandte sich der Vorsitzende Richter Manfred Götzl an Heer mit der Frage, ob das stimme. Heer antwortete, das sei "nicht möglich" gewesen. Mit Blick auf Grasel sagte Heer zudem, es habe während der zweiwöchigen Prozesspause nach Grasels Berufung "nie" eine interne Beratung unter den Verteidigern gegeben, "und das lag nicht an uns".

Dies bestritt Grasel und erklärte, er und die drei anderen Anwälte hätten sich einmal zu einem zweistündigen Gespräch in seiner Kanzlei getroffen. Unwidersprochen blieb jedoch Heers Einwand, es "liegen keine Bedingungen für eine optimale Verteidigung vor".

Erst mit Verspätung setzte das Gericht die Vernehmung eines Mitgründers der "Kameradschaft Jena" fort, der in den 1990er Jahren Sänger in einer Neonazi-Band war. Der Zeuge berichtete, er sei Mitte der 1990er Jahre einmal mit Zschäpe und Uwe Mundlos zu einer Silvesterfeier nach Rostock gereist.

Zentraler Anlaufpunkt der Jenaer Szene war ein Laden, der von zwei mutmaßlichen Beschaffern der Mordwaffe vom Typ "Ceska" betrieben worden sei. Nicht bestätigen wollte der Zeuge die Rolle des wegen Beihilfe zum Mord mitangeklagten Ralf Wohlleben, der die Beschaffung der Pistole in Auftrag gegeben habe und nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft eine "steuernde Zentralfigur" gewesen sein soll. "Ich habe den da nie gesehen", sagte er. Zschäpe muss sich in dem Prozess für die Verbrechensserie des "Nationalsozialistischen Untergrunds" verantworten, darunter zehn Morde und der Nagelbombenanschlag 2004 in der Kölner Keupstraße.

Rätsel um nicht existierende Nebenklägerin NSU-Prozess
"Nebenkläger - Nebenklägervertreter" - ein Platz blieb im Gerichtssaal des Oberlandesgericht in München zeitweise leer. Foto: dpa

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08.10.2015, 12:00 Uhr
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