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Radautobahn

Radeln zwischen Kuckuck und Rehen

Das Land und der Kreis Böblingen haben den ersten Velo-Schnellweg Baden-Württembergs in Betrieb genommen. Er führt durch einen Wald und endet in Stuttgart-Rohr.

24.06.2019

Von RAIMUND WEIBLE

Auf dem Radschnellweg lässt sich ein flottes Tempo erreichen. Er ist breit genug, der Gegenverkehr kann gut passieren. Foto: Helmut Ulrich

Die Inline-Skaterin hebt den Daumen, lacht und ruft: „Super“. Sie hat ein neues Terrain erobert – den Radschnellweg durch den Wald zwischen Böblingen und Stuttgart-Rohr. Die Römerstraße genannte Strecke, auch als Panzerstraße bekannt, war bisher gepflastert. Die Holperstrecke war zuvor ungeeignet fürs Skaten, auch Radfahrer schüttelte der Belag heftig durch. Er war auch tückisch bei Nässe und Eis. Selbstverständlich gefällt der neue Asphaltauftrag auch den Radlern. „40 Jahre lang bin ich die Holperstrecke gefahren, jetzt ist sie komfortabel“, freut sich ein Rentner aus Leinfelden.

Lediglich ein 80 Meter langer Abschnitt vor der Fußgängerbrücke über die A 8 blieb aus Gründen des Denkmalschutzes im alten Zustand. Ansonsten ist die gut acht Kilometer lange Passage jetzt, wie alle befragten Nutzer und Vertreter des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) bekunden, optimal beschaffen. Ein Teil davon erhielt einen wassergebundenen Seitenstreifen für Fußgänger. So können sich Radfahrer und Wanderer aus dem Weg gehen.

Nachts erhellen Lampen mit LED-Leuchten (Kosten: 820 000 Euro) den Weg. „Dann trauen sich auch Ängstliche, abends durch den Wald zu fahren“, sagte eine Radlerin. Zur Reduktion der Lichtemissionen und des Strombedarfs schaltet sich die Beleuchtung nach Bedarf ein und aus, gesteuert von Bewegungssensoren.

Die neue Strecke ist die erste, die aus Städten der Umgebung in die Landeskapitale führen sollen. Land und Kreis Böblingen bringen für den Ausbau 3,2 Millionen Euro auf. Die Route führt durch einen urigen, naturnahen Wald. Hier ist auch der selten gewordene Kuckuck beheimatet. Immer wieder queren scheue Eichelhäher die Passage, wer Glück hat, sichtet auch Rehe.

Allerdings ist es Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) wichtig, dass die Radautobahn von den Berufspendlern gut angenommen wird. Er erhofft sich eine spürbare Verkehrsverlagerung weg vom Auto. „Das ist ein aktiver Beitrag zur Verringerung der täglichen Staus und zur Luftreinhaltung“, betont der Politiker.

Allerdings ist der erste Radschnellweg im Land nicht optimal angebunden. Der Abschnitt aus Böblingen heraus erfüllt keineswegs die Kriterien, die für Schnellwege gelten. Offen ist, wie der Weg durch oder an Sindelfingen und Böblingen vorbei geführt wird. Dazu hat der Landkreis eine Machbarkeitsstudie vorgelegt. Bis die Pläne umgesetzt werden, gehen noch Jahre ins Land.

Und wer Stuttgart ansteuert, muss die Verbindung zwischen Sindelfingen und Schönaich überqueren. Immerhin ist dort jetzt eine Furt angebracht worden. Sie entschärft die Gefahrenstelle, aber Vorsicht ist immer noch geboten, weil sich die Autos schnell nähern und gerade zu den Hauptverkehrszeiten selten Lücken in den Kolonnen entstehen. Deswegen ist das amtliche Versprechen „Stau- und stressfrei nach Stuttgart“ nicht eingelöst, es gilt nur für die Waldstrecke bis zur Rohrer Höhe.

Hermann hat die Hoffnung ausgesprochen, dass der Kreis und die Städte am schnellen Weiterbau arbeiten. Er wies auf die attraktiven Fördermöglichkeiten des Landes und des Bundes hin. Derzeit erhielten die Kommunalen für den Radschnellwegbau 80 Prozent und mehr ersetzt, sagte der Minister.

Eine Serie unserer Zeitung über Radzubringer nach Stuttgart hatte 2017 mit einer negativen Bilanz geendet. Für eine flotte Fahrt erwies sich nur die jetzt noch einmal verbesserte Strecke Böblingen – Stuttgart als geeignet. Die Routen, die von Plochingen, Ludwigsburg, Leinfelden-Echterdingen und aus dem Remstal in die City führen, sind nicht zügig zu fahren und haben Sicherheitsdefizit. Die Strecke Plochingen – Esslingen – Stuttgart gehört zu drei Pilotstrecken des Landes, die sich in Planung befinden.

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Erstellt:
24. Juni 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
24. Juni 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. Juni 2019, 06:00 Uhr

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