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Hintergrund

Pulverfass Naher Osten

Die verheerenden Luftangriffe auf das Herzstück der saudischen Ölproduktion werfen ein Schlaglicht auf die beiden großen Krisenherde der Arabischen Halbinsel – den Krieg im Jemen und die Konfrontation mit dem Iran am Persischen Golf.

17.09.2019

Von MARTIN GEHLEN

Die jemenitischen Huthi-Rebellen reklamieren die Angriffe für sich und erklären, man habe die Operation mit zehn Drohnen ausgeführt. In ihrem TV-Sender Al-Masirah kündigten die Rebellen an, man werde die Angriffe immer schmerzlicher machen, „so lange die Aggressionen und die Belagerung Saudi-Arabiens andauern“. Mehr als 100 Ziele haben die Huthi bisher beschossen, darunter mehrere Flughäfen sowie die Meerwasserentsalzungsanlage in Al-Shukaik. Einen ähnlichen Massenangriff mit Drohnen gab es bereits Mitte August auf die Gasverflüssigungsanlage in Shajbah nahe der Grenze zu den Vereinigten Arabischen Emiraten. Auch dort brach Feuer aus, die Produktion jedoch musste nicht unterbrochen werden.

Die US-Regierung ist überzeugt, dass irantreue Milizen im Irak dahinter stecken, weil nur sie eine so komplexe Operation meistern könnten.

In einem für saudische Ohren brisanten Nebensatz behaupteten die Huthi, die Operation sei von „ehrenhaften Leuten“ innerhalb Saudi-Arabiens unterstützt worden. Sämtliche Ölanlagen liegen im Osten des Königreiches, wo drei Millionen saudische Schiiten leben. Diese hegen wenig Sympathien für den Iran, fühlen sich aber von der sunnitischen Mehrheit diskriminiert. Schiitische Saudis haben keinen Zugang zu hohen politischen Ämtern, wenig gut bezahlte Jobs und kaum Aufstiegschancen. Im April 2019 ließ das Königshaus 37 Schiiten nach einem Massenprozess hinrichten, was tiefe Verbitterung auslöste. Auch die Exekution des prominenten Predigers Nimr al-Nimr im Januar 2016, den die saudischen Schiiten als Vorkämpfer für ihre Rechte ansahen, ist im Osten des Landes unvergessen.

Der Iran mischt seit Jahren im Jemen mit, auch wenn „die Unterstützung Teherans für die Huthi nach wie vor begrenzt und der politische Einfluss minimal ist“, wie der kanadische Jemen-Spezialist Thomas Juneau schreibt. Zu Beginn des Krieges unterhielt die Islamische Republik nur lockere Beziehungen zu den Rebellen. Inzwischen helfen Irans Spezialisten dabei, alte Mittelstreckenraketen aus Beständen der jemenitischen Armee aufzurüsten. Längst werden auch Huthi-Techniker in Teheran geschult, Drohnen zusammenzubauen, zu reparieren, zu warten und zu steuern.

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Erstellt:
17. September 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
17. September 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. September 2019, 06:00 Uhr

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