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Nach Attentaten und Amoklauf

Psychiater warnen vor Stigmatisierung

Nach den Gewalttaten von Nizza, Würzburg und Ansbach sowie dem Amoklauf von München warnen Psychiater aus dem Südwesten vor einer Stigmatisierung psychisch kranker Menschen.

27.08.2016
  • ROLAND MÜLLER

Ulm. Durch die Berichterstattung könne der falsche Eindruck entstehen, dass psychisch Kranke oft gewalttätig würden und die Erkrankung die Ursache dafür sei. Das wäre ein „Rückschritt“ für die Akzeptanz in der Gesellschaft, heißt es in einer Mitteilung des Ärztlichen Verbands Krankenhauspsychiatrie Baden-Württemberg (ÄVK).

„In einzelnen Fällen mag diese Schlussfolgerung berechtigt sein, aber psychische Erkrankungen können nicht als Erklärung für alle Gewalttaten herhalten. Das ist falsch und noch dazu gefährlich“, sagt Gerhard Längle, Vorsitzender des ÄVK und Ärztlicher Direktor des Zentrums für Psychiatrie Südwürttemberg. Durch die ständige Verknüpfung von Gewalt und psychischen Erkrankungen werde ein falscher Eindruck erweckt, ein kausaler Zusammenhang zwischen Erkrankung und Tat sei selten. „Psychisch kranke Menschen fühlen sich unter Generalverdacht gestellt“, sagt Längle. So bestehe die Gefahr der Stigmatisierung etwa von Menschen mit Depressionen. Dadurch könnte die Hemmschwelle für Betroffene, sich Hilfe zu suchen, steigen. Besonders gefährlich sei in dem Zusammenhang die Debatte über die Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht mit dem Ziel der Gefahrenabwehr.

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27.08.2016, 06:00 Uhr
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