Ellwangen

Anklage fordert lebenslange Haft wegen Mordes in Rot am See

Eine Rächer, der das Böse aus der Welt beseitigen will - der Herr über Leben und Tod: So schätzt die Staatsanwaltschaft einen jungen Mann ein, der einen Großteil seiner Familie in Rot am See ausgelöscht haben soll. Die geforderte Strafe fällt entsprechend aus.

08.07.2020

Von dpa/lsw

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa/Symbolbild

Ellwangen. Eine lebenslange Haftstrafe wegen sechsfachen Mordes hat die Staatsanwaltschaft im Prozess gegen einen 27-Jährigen gefordert, der seine Verwandten in Rot am See heimtückisch erschossen haben soll. Die Anklagebehörde beantragte zudem am Donnerstag vor dem Landgericht Ellwangen, die Unterbringung in einer Psychiatrie sowie die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Damit ist eine vorzeitige Haftentlassung so gut wie ausgeschlossen. Der angeklagte Deutsche habe innerhalb weniger Minuten sechs Menschenleben ausgelöscht und damit unendliches Leid über die restliche Familie gebracht, sagte der Staatsanwalt.

Der junge Mann hatte zu Prozessbeginn gestanden, seine Eltern, Geschwister und zwei weitere Verwandte bei einem Familientreffen Ende Januar in der Gemeinde bei Schwäbisch Hall erschossen zu haben. Er hatte Misshandlungen seiner Mutter als Motiv angegeben. Sie soll unter anderem versucht haben, ihn mit weiblichen Hormonen zu vergiften. Der Staatsanwalt bezeichnete die Behauptungen als nebulös. „Er hat Menschen umgebracht, die ihm nichts getan haben.“

Ein Gutachter hatte Wahnvorstellungen und eine krankhafte seelische Störung bei dem 27-Jährigen diagnostiziert. Eine zum Teil eingeschränkte Steuerungsfähigkeit sah die Staatsanwaltschaft bei den Schüssen auf die Mutter, den Vater und die Halbschwester. Auch das umfassende Geständnis des Mannes wirkte sich zu seinen zu Gunsten aus. Dagegen stand für die Anklage eine Gefühlskälte und der Mangel an Empathie. Er habe sich aufgespielt, wie der Herr über Leben und Tod. Der Angeklagte habe sich der Polizei gestellt, mit den Worten: Er habe „die blutrünstigen Monster erschossen“, so der Staatsanwalt.

Die Plädoyers der Nebenklage sowie der Verteidigung werden für Freitag erwartet. Das Urteil soll nicht vor 14.30 Uhr fallen.

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Erstellt:
8. Juli 2020, 06:44 Uhr
Aktualisiert:
9. Juli 2020, 17:10 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2020, 17:10 Uhr

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