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Prozess in Ulm gab den Anstoß für die Gründung

Nach einem Prozess in Ulm begannen Spezialisten mit der Suche nach NS-Verbrechern. In Ludwigsburg waren sie nicht nur willkommen.

26.08.2016
  • HANS GEORG FRANK

Ludwigsburg. Über einen „bestimmten Geruch“ rümpfte Anton Saur, Oberbürgermeister von Ludwigsburg, noch 1968 die Nase. In der Stadt, die lieber durch das „Blühende Barock“ bekannt werden sollte, hatte sich 1958 eine offenbar rufschädigende Institution mit einem Bandwurmnamen und einer noch immer nicht allgemein anerkannten Aufgabe niedergelassen: Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen.

Die Bundesländer hatten sich darauf geeinigt, die NS-Straftäter von einer gemeinsamen Spezialeinrichtung aufspüren zu lassen. Bei einem Prozess in Ulm gegen zehn Angehörige einer Einsatzgruppe, die im Baltikum 5502 Juden und Kommunisten ermordet hatte, war 1958 festgestellt worden, dass die Aufklärung solcher Verbrechen nur schleppend erfolgte und durch Kompetenzen behindert wurde. In einer Ära der Schlussstrich-Mentalität einigten sich die Justizminister auf die Zentralstelle. Weil Baden-Württemberg dabei den Ton angab, sollten die Ermittler im Südwesten unterkommen. In Ludwigsburg gab es Platz im früheren Frauengefängnis. Dort werden die Vorermittlungen geführt, für die Anklagen sind die Staatsanwaltschaften der Länder mit dem Wohnsitz des Tatverdächtigen zuständig.

Die Ministerrunde wollte mit der „Zentralen Stelle“ auch ein Übel der Nachkriegszeit beseitigen. Die Justiz jener Zeit war noch stark mit Ex-Nazis durchsetzt. Dass selbst der erste Leiter in Ludwigsburg, Erwin Schüle, einst Mitglied der NSDAP und SA gewesen ist, änderte offenbar nichts an seiner Wertschätzung.

Seit der Gründung hat „Ludwigsburg“ mehr als 7500 Verfahren eingeleitet gegen große und kleine Rädchen der Tötungsmaschinerie. Zeitweise beschäftigten sich 121 Mitarbeiter mit 600 Fällen zugleich. Heute ist Jens Rommel Chef von sechs Dezernenten und zwölf Angestellten. Erst kürzlich haben sie acht mutmaßliche NS-Verbrecher ausfindig gemacht. Die vier Männer und vier Frauen sind zwischen 1918 und 1927 geboren und sollen im KZ Stutthof bei Danzig gearbeitet haben.

Wie lange die Zentralstelle noch betagte Helfershelfer des Nazi-Regimes jagt, ist ungewiss. Der frühere Justizminister Rainer Stickelberger hat einmal erklärt, mit 100 Jahren werde niemand mehr vor Gericht gestellt. Demnach könnte ein 1931 geborener Hitler-Junge, der 1945 als Strafmündiger an einem Verbrechen beteiligt war, längstens bis 2030 angeklagt werden.

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26.08.2016, 06:00 Uhr
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