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Provokation zwischen Traumwelt und Wirklichkeit
Seine Augen tranken "alles, was in seinen Sehkreis kommt": der Surrealist Max Ernst. Foto: Arslan
Der Künstler Max Ernst wurde vor 125 Jahren geboren - Er lehnte Kirche, Staat und bürgerliche Konventionen ab

Provokation zwischen Traumwelt und Wirklichkeit

Seine Erfahrungen im Ersten Weltkrieg machten ihn zum Gegner des Krieges. Mit seinen Bildern provozierte Max Ernst - auch die Kirche.

30.03.2016
  • KNA

Brühl. Der Skandal konnte nicht ausbleiben: Die Hand der Gottesmutter, die ihren Sohn übers Knie gelegt hat, geht auf den schon geröteten Allerwertesten nieder. Mit seinem 1926 gefertigten Ölgemälde "Die Jungfrau züchtigt das Jesuskind vor drei Zeugen" zog der Maler Max Ernst heftigen Protest auf sich.

Das Bild passte zu dem Expressionisten, der provokant die bürgerliche Logik und in diesem Fall auch die christliche Ikonographie aufs Korn nahm. Der Künstler selbst lieferte indes eine wenig ideologische und vielmehr biografisch geprägte Deutung. Sein Vater Philipp nämlich, der selbst malte und die Leidenschaft an Max weitergab, hatte seinen Sohn gerne als Jesuskind porträtiert. Diese Verklärung bewahrte das Kind aber mitnichten vor der Strenge der Mutter, die sich gelegentlich auf den Po erstreckte, was das heute vom Kölner Museum Ludwig bewahrte Bild ausdrückt.

Max Ernst wird vor 125 Jahren, am 2. April 1891, in Brühl unweit des "heiligen Köln" geboren. Er stirbt am 1. April 1976 in Paris in der Nacht zu seinem 85. Geburtstag. Der Maler, Grafiker und Bildhauer gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des Expressionismus und Surrealismus.

Max ist das dritte Kind des Taubstummenlehrers Philipp Ernst und seiner Frau Luise. Den Vater beschreibt er in seinen biografischen Notizen als "wohl gewachsen, streng katholisch, stets gut gelaunt", die Mutter trotz gelegentlicher Prügel als "liebevoll" mit "Sinn für Humor und Märchen". Die soziale Situation der Familie notiert er knapp: "mäßiges Einkommen".

Schon als Schüler muckt Max gegen die strenge wilhelminische und katholische Erziehung, gegen Klerikalismus und bürgerliche Konventionen auf. Als Student in Bonn wählt er Altphilologie, Psychologie und Kunstgeschichte und "vermeidet sorgfältig alle Studien, die zum Broterwerb ausarten könnten". Er liebt Literatur und die Malerei; "seine Augen trinken alles, was in den Sehkreis kommt" (Ernst über Ernst und seine Liebe zu van Gogh, Matisse, Macke und Kandinsky).

Seine Kunst verbindet sich mit dem Streben, Surrealem, Fantasie und Unbewusstem Ausdruck zu verleihen. Ein Gefühl für Naturphänomene wie Wald oder Vögel spielt ebenso hinein wie die Fähigkeit, in Flecken und Muster auf der Tapete Bilder zu projizieren. Die Grenzen zwischen Traumwelt und Wirklichkeit verschwimmen. Es entstehen absurde bis ironische Bilder, in denen auch Mischwesen auftauchen.

Viele Werke von Max Ernst spiegeln seine politischen und gesellschaftskritischen Ansichten wider, so die Ablehnung des Krieges. Seine Werke gelten den Nazis als "degenerierte Kunst", weshalb Max Ernst vor ihnen erst nach Frankreich und dann in die USA flieht. Erst 1953 kehrt er nach Frankreich zurück.

Das Bild mit der Gottesmutter erlebt in jüngster Zeit ein Revival. Der Kabarettist Jürgen Becker spießt mit einer großformatigen Kopie des Bildes auf der Bühne das Thema "Misshandlung und Missbrauch in der katholischen Kirche" auf. Ernst hätte das wohl gefallen.

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30.03.2016, 06:00 Uhr
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