Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Dumping mit Diplom: Widerstand am Uniklinikum

Protest der Psychotherapeuten in Ausbildung

Sie haben ein abgeschlossenes Hochschulstudium und arbeiten am Uniklinikum für einen Stundenlohn zwischen 1,60 und 6,30 Euro. Dagegen demonstrierten die Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) gestern.

26.02.2014

Tübingen. „Diplom, Promotion, Psychotherapeut 3,50 Euro Stundenlohn“ steht auf dem großen Schild, das um Raphael Nieblers Hals hängt. Er ist einer von rund 40 (angehenden) Psychotherapeuten, die gestern Mittag auf dem Schnarrenberg demonstrierten.

Drei bis vier Jahre dauert die Ausbildung zum Psychotherapeuten. Die Kosten zwischen 20 000 und 70 000 Euro müssen die Auszubildenden selbst übernehmen. Während des vorgeschriebenen Praktikums von 1800 Stunden werden sie in den drei Tübinger Kliniken für (Kinder- und Jugend-) Psychiatrie und Psychosomatik als fast vollwertige Arbeitskraft eingesetzt. Je nach Klinik erhalten die zur Zeit rund 20 angehenden Psychotherapeuten zwischen 200 und 750 Euro im Monat – bei 30-Stunden-Wochen.

Dabei haben die meisten von ihnen bereits einen Hochschulabschluss in Psychologie, manche haben sogar – wie Raphael Niebler – promoviert. Ihre Ausbildung müssen sie oft über Nebenjobs oder Kredite finanzieren.

„Das ist Lohndumping“, sagt Niebler, „im Moment können wir von unserer Arbeit nicht leben.“ Niebler ist Mitglied der „Arbeitsgemeinschaft PiA am UKT“. Die AG fordert, dass die Psychotherapeuten in Ausbildung in den Tarifvertrag für Praktikanten aufgenommen werden. Der Vertrag schreibt eine Bezahlung von 1561 Euro monatlich für beispielsweise Sozialarbeiter und Sozialpädagogen im Praktikumsjahr vor.

„Wir werden uns der Problematik stellen“, versprach Michael Bamberg, leitender Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums. Bamberg will „gemeinsam eine Lösung finden“ für eine – in der Ausbildung – angemessene Bezahlung. „Ganz klar, wir brauchen euch“, sagte Bamberg. Die Bezahlung der Psychotherapeuten in Ausbildung am UKT solle möglichst tariflich geregelt werden. Unter Umständen müsse man derweil auch nach Lösungen für die Übergangsphase suchen. Er kündigte Gespräche auf Ebene der Personalchefs für die kommenden Wochen an. del

Häufig müssen Psychotherapeuten Ausbildung und Lebensunterhalt über Nebenjobs finanzieren, weil ihre Arbeit am Klinikum gering vergütet wird.Bild: Metz

Zum Artikel

Erstellt:
26. Februar 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
26. Februar 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. Februar 2014, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+