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Propagandaschlacht um Anschlag von Salisbury
Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja weist Londons Anschuldigungen zurück. Foto: Li Muzi/dpa
Giftattacke

Propagandaschlacht um Anschlag von Salisbury

Was weiß Großbritannien wirklich über die Herkunft von Nowitschock? Die Informationspolitik von Außenminister Johnson wird von der Opposition heftig angegriffen.

07.04.2018
  • HENDRIK BEBBER

London. In den Depeschen von der Propagandafront zwischen Kreml und Downing Street werden hauptsächlich Boris Johnson und Julia Skripal hervorgehoben. Der eine ist britischer Außenminister, die andere die genesende Tochter des Doppelagenten Sergei Skripal, die beide durch den Anschlag in Salisbury durch Nervengift lebensgefährlich geschädigt wurden.

Für Johnson war sofort klar, woher die Mordwaffe kam. Befragt in einem Interview mit der „Deutschen Welle“ hatte der Außenminister „absolut und kategorisch“ bekräftigt, dass der chemische Kampfstoff „Nowitschok“ aus Russland stammt. Dies hätten ihm Experten des militärischen Forschungslabors Porton Down persönlich versichert. Diese Behauptung verbreitete das Außenministerium sofort weltweit. Ziemlich schnell stellte sich jedoch heraus, dass Johnson wieder einmal den Mund zu voll genommen hatte. Gary Aitkenhead, Direktor des Forschungszentrums, erklärte zu der Analyse der in Salisbury eingesetzten Substanz: „Es war uns möglich, diese als militärisches Nervengift zu identifizieren“. Doch dann relativierte er: „Wir haben keine präzise Herkunft genannt.“ Pikiert ergänzte der Wissenschaftler: „Es ist nicht unser Job festzustellen, wo es fabriziert wurde.“ Das sei die Aufgabe der Regierung. Diese habe die Informationen in den Kontext mit „einer ganzen Anzahl anderer Quellen gestellt und daraus ihre Schlüsse gezogen.“

Oppositionschef Jeremy Corbyn zog aus dem Patzer des Außenministers erst einmal den Schluss, dass „Boris Johnson die ihm gegebenen Informationen völlig überschritten hat“. Labours innenpolitische Sprecherin Diane Abbot warf Johnson sogar vor, dass er die Öffentlichkeit in die Irre geführt habe. Die Opposition forderte eine Prüfung darüber, ob der Außenminister die Regeln seines Amtes verletzt hat.

Johnson schlug zurück und beschuldigte Jeremy Corbyn, das schmutzige „Spiel Moskaus mitzuspielen“. Er wies stolz darauf hin, dass schließlich eine weltweite Allianz sich der britischen Auffassung angeschlossen habe.

Inzwischen wird mit Bezug auf den britischen Chemiewaffen-Experten Hamish de Bretton-Gordon berichtet, das Nervengift stamme aus der russischen Militärforschungsanlage in Schichany, 800 Kilometer südöstlich von Moskau. Dort befindet sich eine Niederlassung des Forschungsinstituts Gosniiocht, die sich mit Technologien zur Vernichtung von C-Waffen befasst.

Großbritannien und Russland drehen unterdessen die Propagandaschraube weiter an. Die gute Nachricht von Julia Skipals Gesundung versuchten beide Seiten für ihre Zwecke auszuschlachten. Auch der Zustand Sergej Skripals soll sich deutlich verbessert haben. Hendrik Bebber

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07.04.2018, 06:00 Uhr
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