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Jan Schürnbrand

Professor für Bank- und Gesellschaftsrecht

Tübingen. Jura gilt als typische Wahl von Abiturienten, die keine ausgeprägte Fachneigung haben. Für Jan Schürnbrand trifft das nicht zu. Der Sohn eines Chemikers, 1972 in Berlin geboren, in Göttingen aufgewachsen, wusste „immer schon“, dass er Jura studieren würde, und fühlte sich in seinem Fach „vom ersten Tag an pudelwohl“.

12.06.2012

In Konstanz, Poitiers und München hat er nach dem Zivildienst in Freiburg („möglichst weit weg von zu Hause“) studiert und wurde dann Assistent bei dem Mathias Habersack in Mainz, einem Experten für Gesellschaftsrecht. Seinem Lehrer, der 2007 nach Tübingen kam und 2011 nach München weiterzog, folgt Schürnbrand nun in der Tübinger Professur nach. Ein erster Ruf führte ihn 2008 nach Erlangen.

Das Bank- und das Gesellschaftsrecht sind Schürnbrands Schwerpunkte – brandaktuell durch die Finanzmarktkrise. Er berät den Bundestag und das EU-Parlament, unter anderem bei neuer Gesetzgebung, die Verbraucherkredite sicherer machen – für den Kunden, der bei einer Bank einen Kredit nimmt, und für die Bank, die vor Kreditausfällen geschützt wird. „Man ging ja früher davon aus, dass es keine Haftung der Bank gegenüber Kunden gibt“, sagt Schürnbrand. Heute wird die Bank in die Mitverantwortung genommen, wenn ein Kunde in die Überschuldung gerät. Auch bei Immobilienkrediten soll diese Bankhaftung noch verschärft werden: „Durch die Finanzkrise ist ganz neuer Druck auf dem Thema.“

Dabei stellt Schürnbrand klar: „Verschuldung ist per se nichts Schlechtes.“ Doch wer Schulden hat, ist gefährdet durch Unvorhergesehenes. In Kreditverhältnissen gelten Arbeitslosigkeit und Scheidung als die „großen Unglücksfälle“. Während Erben nicht für Schulden von Verstorbenen geradestehen müssen, was übrigens ein Grund ist, warum Banken ungern Kredite an ältere Menschen vergeben. Ein Fall von Altersdiskriminierung? Das war „noch nie ein Thema vor Gericht“, sagt Schürnbrand, und man merkt: Der Juraprofessor hielte es für eine spannende Frage.

Als Spezialist im Gesellschaftsrecht kennt Schürnbrand sich aus mit Regeln und Konflikten in Aufsichtsräten, Vorständen und Unternehmen. Nach Tübingen ist er auch deshalb gern gekommen, weil er sich durch die Nähe zum Groß- und Wirtschaftsraum Stuttgart Kontakte in die Praxis verspricht, an deren Bedürfnissen er seine Grundlagenforschung ausrichten möchte.

Mit seiner Familie, zu der zwei Kinder im Alter von fünf und zwei Jahren gehören, ist er in Tübingen angekommen; seine Frau ist Anwältin in Elternzeit. Es gefällt ihm, auch an der Uni. An der Juristenfakultät ist er Teil eines Generationenwechsels. Er schätzt die Kollegen und hatte auch bereits erste Gespräche mit Wirtschaftswissenschaftlern.

upf / Bild: Sommer

Professor für Bank- und Gesellschaftsrecht

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12.06.2012, 12:00 Uhr
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