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Unternehmen

Produktionsromantiker

Das Tübinger Start-Up Kreatize verändert mit dem Einsatz von neuen technologischen Möglichkeiten die Art und Weise, wie technische Bauteile bestellt und produziert werden: nämlich einfach, schnell und sicher.

23.06.2017

Von TEXT: Elena Eble|FOTO: Unternehmen

Im Industriegebiet Rittweg in Tübingen-Hirschau, idyllisch mit Blick auf die Wurmlinger Kapelle, hat das Unternehmen Tübinger Stahlfeinguss GmbH & Co. KG seinen Sitz. Wer vor dem Gebäude steht, rechnet wohl mit einem klassischen schwäbischen Mittelstandunternehmen. Und das ist das Unternehmen auch – seit über 40 Jahren. Doch nicht nur das Familienunternehmen hat seinen Sitz in Hirschau. Kreatize steht am zweiten Klingelschild. Das moderne Start-Up scheint zunächst nicht wirklich ins Bild zu passen. Sich selbst beschreibt das Team von Kreatize mit Wörtern wie 3D-Druck-Enthusiasten, Produktionsromantiker, Effizienzliebhaber, Shared-Economy-Jünger, Produktionsauslaster oder Digitale-Transformierer – das klingt so gar nicht schwäbisch.

Simon Tüchelmann ist Gründer und Chef der Digitalplattform Kreatize. Und scheinbar liegt ihm die Fertigungsbranche im Blut: Schon sein Urgroßvater und sein Großvater bauten Unternehmen im Fertigungsbereich auf und halfen Kunden, innovative Ideen zu verwirklichen. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre entschied sich der sympathische Jungunternehmer, der Stahlgießerei seines Großvaters zu helfen. „Ich konnte es mir anfangs nicht erklären, dass Menschen und Unternehmen, die alles für die Kunden geben, nicht genug Geld verdienen, um sich nachhaltig für die Zukunft aufzustellen“, sagt er. Es galt, für die verschiedenen Probleme eine Lösung zu finden. Auf eigene Faust begann Tüchelmann seine Recherche. Der gelernte Betriebswirtschaftler besuchte viele Fertigungsunternehmen in Deutschland, vor allem im Schwabenländle, das er selbst als „Zentrum der Metallverarbeitung“ bezeichnet. „Es gab immer ähnliche Probleme. Zum Beispiel die Bearbeitung von Kundenanfragen oder das Erstellen von Angeboten“, so Tüchelmann. Abläufe wie diese wurden manuell bewältigt, das kosteten den Unternehmen viel Zeit und Geld. Durch diese Erkenntnis verfestigte sich dann der Entschluss: Der Jungunternehmer wollte helfen. Das Ziel? Die Zukunft neu erfinden. Wie? Mit einer Plattform, die den Unternehmen die Abwicklung von Aufträgen erleichtert. Die Idee war geboren. „Ich rief damals sofort einen alten Studienkollegen an, der noch in einem Softwareunternehmen arbeitete. Er sagte sofort zu“, erzählt Tüchelmann. Gemeinsam mit Daniel Garcia entwickelte er die Idee weiter, die zu der Gründung von Kreatize führte.

Heute hilft das Start-Up mit intelligenten Lösungen Fertigungsunternehmen in Deutschland und Europa. „Wir glauben an die deutsche und europäische Fertigungswelt und wollen Unternehmen zu mehr Erfolg verhelfen“ – so beschreiben die Gründer ihre Vision. Heute pendelt Simon Tüchelmann zwischen Tübingen und Berlin. Denn dort hat das Unternehmen seinen zweiten Firmensitz mit einem internationalen Team, das die Plattform entwickelt und programmiert. „Für uns ist die Verbindung Tübingen-Berlin ideal“, sagt Tüchelmann. „Es gibt kaum eine andere Region, in der so viele Kunden sitzen wie im Ländle, zum Beispiel aus dem Bereich der Automobilindustrie“, so der Start-Up-Gründer. Gerade mittlere und kleine Unternehmen seien digital kaum auf Industrie 4.0 eingestellt. Oft werden noch Zeichnungen und Bestellungen per Fax ausgetauscht. Dabei kann es doch so viel einfacher sein, wie Kreatize beweist. Geeignet ist die Plattform eigentlich für jedes Fertigungsnternehmen. Denn effizienteres und schnelleres Arbeiten ist für jeden Betrieb von Vorteil. Von der Anfrage, über die Angebotserstellung bis hin zur Bezahlung erfolgen alle Schritte digital und vernetzt. Ob das Konzept bei Unternehmen ankommt? „Gerade kleinere Unternehmen sind digitale Nachzügler und dennoch für neue Lösungen offen. Es kommt darauf an, wie wir unser Produkt verkaufen“, so der Geschäftsführer. Und das Konzept scheint zu funktionieren. Erst vor einigen Wochen wurde Kreatize Landessieger des Innovationspreis-IT 2017 aus Baden-Württemberg.

Übrigens: Simon Tüchelmann hat bereits vor Kreatize ein Start-Up gegründet, allerdings in einer ganz anderen Branche. Bei seiner Online-Plattform Knusperreich drehte sich alles um handgefertigte, ofenfrische Kekse. Gar kein so großer Unterschied, findet der junge Visionär: „Ob Spezialteile oder Kekse – es kommt schlichtweg darauf an, wie man sein Produkt präsentiert.“

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Erstellt:
23. Juni 2017, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
23. Juni 2017, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. Juni 2017, 01:00 Uhr

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