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Atomkraft

Problem mit Müll verdirbt die Freude

Umweltminister Untersteller erteilt die letzte Genehmigung für den Abbruch des Meilers in Obrigheim.

19.04.2018
  • HANS GEORG FRANK

Obrigheim. Alleine Gebäude 39.52 verdirbt die Feierlaune. Der Bau dient als Depot für 2800 Tonnen schwach- und mittelradioaktiven Abfall des Kernkraftwerks Obrigheim (KWO), das bis 2025 demontiert sein soll. Eigentlich sollte dieses Material ins Endlager Schacht Konrad bei Salzgitter gebracht werden. Dessen Fertigstellung verzögert sich ständig, jetzt wird 2027 angepeilt. Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) verlangt deshalb, die strahlenden Überbleibsel in ein anderes Zwischenlager zu schaffen. Welches, das sagt er nicht.

Dass es auch Neckarwestheim sein könnte, will er nicht kommentieren: „Das Orakel ist in Delphi, nicht in Baden-Württemberg.“ Immerhin wurden 2017 schon 342 hochradioaktive Brennelemente nach Neckarwestheim geschafft, damit sie in Obrigheim den Rückbau nicht behindern.

Trotz des Problems strahlten der Umweltminister und ENBW-Manager Jörg Michels gestern mit der Sonne um die Wette. Der Rückbau des 2005 stillgelegten Kernkraftwerks zwischen Heilbronn und Heidelberg gelingt derart gut, dass die beiden Herren trotz unterschiedlicher Positionen von „großen Fortschritten“ und „Vorbildcharakter“ schwärmten.

Grünen-Politiker Untersteller war eigens aus Stuttgart angereist, um Michels die letzte von vier Abbaugenehmigungen eigenhändig zu überreichen. „Ein weiterer Meilenstein für den Ausstieg aus der Atomkraft in Baden-Württemberg ist erreicht“, erklärte der Minister zufrieden.

Für Untersteller ist dieses Etappenziel mit einer persönlichen Befriedigung verbunden. Er war es, der einst als Berater der Grünen dafür sorgte, dass der 1968 gestartete Meiler 1990 eine einjährige Zwangspause einlegen musste. Für den Reaktor hatte es 22 Jahre lang gar keine Dauerbetriebserlaubnis gegeben, nur der Probelauf war genehmigt. Ehe später genau festgestellt werden konnte, ob die Wände des Reaktorgebäudes die vorgeschriebene Dicke aufweisen können, ging das KWO vom Netz.

Seit 2008 wird das älteste kommerzielle Atomkraftwerk des Landes Stück für Stück demontiert. Die Veränderung ist für Laien nicht sichtbar, weil zunächst nur im Innern der Gebäude alles entfernt wird, womit früher nuklear Strom erzeugt wurde. „Der Blick von außen täuscht“, erklärte der Minister, „der Ausstieg ist in vollem Gange.“

Ziel ist eine „grüne Wiese“ bis 2025, auch wenn einige Gebäude später industriell genutzt werden könnten. Die Kantine ist gut in Schuss, das Maschinenhaus mit Krananlage ließe sich auch weiterverwenden. Entschieden sei noch nichts, sagte Jörg Michels. Hans Georg Frank

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19.04.2018, 06:00 Uhr
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