Bildung

Probelauf für den Fernunterricht

Musikstunde in der Sporthalle und Lernen mit Masken im Unterricht: Der Schulalltag stellt Lehrer und Rektoren vor Herausforderungen. Auch in der Buchenbergschule in Ellwangen.

24.10.2020

Von HANNAH MÖLLER

„Herr Mezger, in fünf Minuten haben wir Pause“, schreibt ein Schüler. Fernunterricht muss gar nicht so trocken sein. Foto: Hannah Möller

Ellwangen. Hallo, liebe 8b! Könnt ihr mir kurz Rückmeldung geben, wer da ist?“ Normalerweise müsste Steffen Mezger, Mathelehrer an der Buchenbergschule in Ellwangen, diese Frage nicht stellen. Doch der Unterricht findet an diesem Nachmittag nicht wie gewohnt im Klassenzimmer statt, sondern per Fernunterricht über eine digitale Plattform. Die Schüler sitzen zu Hause, Mezger an einem Schulrechner.

„Wir testen gerade unsere neue Schulcloud“, erklärt Mezger. Darüber können Schüler und Lehrer miteinander chatten, außerdem gibt es eine Dateiablage. Darauf sind Elternbriefe, Übungen und ein Kalender mit Klassenarbeiten einsehbar. „Das hat auch den Vorteil, dass Schüler nicht mehr sagen können, ,Ich weiß nicht, wann die nächste Klausur ansteht'“, sagt der 44-Jährige. Eltern können dies einfach im Kalender der Schulcloud nachschauen. Noch sind alle 400 Schüler der Buchenbergschule im Präsenzunterricht. Sie wollen aber gewappnet sein, falls Quarantäne oder ein zweiter Lockdown droht.

Präsenzunterricht ist besser

Die Gemeinschaftsschule mit Primar- und Sekundarstufe ist digital gut aufgestellt. Seit fünf Jahren haben sie eine digitale Plattform, die kürzlich in einer neuen Version erschienen ist. Dementsprechend müssen sich Lehrkräfte wie Schüler jetzt umstellen. Der erste Testlauf vor ein paar Tagen sei nicht so gut verlaufen: „Da stand ich 45 Minuten unter Strom“, erzählt Mezger. Alle 30 Schüler hatten ihn mit Fragen bombardiert, wussten nicht, wo die Dokumente zu finden sind oder wie sie Dateien in die Cloud hochladen können.

Heute läuft es schon besser, die Jugendlichen sind hoch motiviert: Selbst ein Mädchen, das krankgeschrieben ist, macht mit. Auch Mezger macht der Fernunterricht sichtlich Spaß. Konzentriert sitzt er vor dem Bildschirm und korrigiert die ersten hochgeladenen Ergebnisse. Dennoch steht er lieber im Klassenzimmer: „Digital ist viel anstrengender“, macht er klar. Das liege vor allem daran, dass er kleinschrittiger planen müsse, die Vorbereitungszeit sei viel länger.

Corona hat den Alltag auch in der Buchenbergschule auf den Kopf gestellt: Der Unterricht der Grundschüler beginnt zur ersten Stunde, für die Sekundarstufe geht's zur Zweiten los. Es gibt keinen jahrgangsübergreifenden Unterricht, wie zum Beispiel in Religion. Im Sport sind Kontaktsportarten verboten, auf Fußball müssen die Schüler zunächst verzichten. Der Musikunterricht findet in der Sporthalle statt, mit zwei Metern Abstand.

Statt „Ruhe, bitte“ heißt es jetzt im Unterricht öfter „Maske auf!“. Immer wieder müsse man die Schüler ermahnen, die Maske richtig aufzusetzen. Seit Montag gilt in ganz Baden-Württemberg die Maskenpflicht ab Klasse 5 im Unterricht. Da die Buchenbergschule eine Ganztagsschule ist, heißt das für die Schüler bis zu acht Stunden Maske tragen. Auch in Ellwangen wachsen die Infektionszahlen stetig an: Momentan liegt die 7-Tage-Inzidenz im Ostalbkreis bei 62 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern. „Mit dieser neuen Verordnung steigt die Belastung bei allen Beteiligten spürbar an“, sagt der Rektor. Die Schüler klagen über Müdigkeit, Sauerstoffmangel, Konzentrationsschwierigkeiten. Einer Schülerin ist sogar wegen der Maske schlecht geworden, sodass sie sich übergeben musste. „Je früher die Maßnahme ausgesetzt wird, desto besser“, betont Schulleiter Joseph Ott. Einige Schüler seien weniger motiviert zu sprechen und hätten weniger Lust sich am Unterricht zu beteiligen. Aber: Die Kinder kommen nach der Erfahrung des Lockdowns mit einem anderen Bewusstsein in den Unterricht: „Sie wissen jetzt, sie müssen ihre Zeit nutzen.“

Von Coronafällen ist die Schule bisher weitestgehend verschont geblieben. Im März hatten sich zwei Lehrkräfte mit dem Virus infiziert. Momentan fallen Schüler wie Lehrer öfter durch das Lüften aus, berichtet Ott. Zwei Kolleginnen hätten sich deshalb erkältet und einen Ausfall von 50 Stunden in der Woche verursacht. Auch die Unterbrechung des Unterrichts durch die Lüfterei sei problematisch: Wenn die Lehrerin der Primarstufe die Fenster öffnet, holen sich alle Grundschüler ihre Extra-Jacken aus dem Fach. Dafür müssen sie kurz aufstehen, um sich die Jacke zu holen. Das störe kurzzeitig den Unterricht, sagt Grundschullehrerin Iris Kuhn.

Dennoch sei das gesamte Kollegium überzeugt, dass der Präsenzunterricht weiterhin die beste Form sei. „Wir dürfen nicht zumachen“, betont Mezger. Für viele Kinder seien sie, die Lehrer, wichtige Bezugspersonen. Gerade wenn Eltern keine Zeit für ihre Sprösslinge haben. Auch wenn sich die Verordnungen immer wieder ändern und die Meldungen teilweise überschlagen, Rektor Ott gibt sich entspannt: „Es geht auch darum, sich nicht zu ängstlich zu geben.“ So weit es eben möglich ist, sollen sich seine Schüler weiterhin an der Buchenbergschule wohlfühlen und im Rahmen des Erlaubten frei bewegen können. Apropos Bewegung: Seit Eintritt der Pandemiestufe Drei entfällt auch der Lehrersport. Was schade ist, sonst hätten Mezger und Ott an diesem Nachmittag Fußball gespielt.

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Erstellt:
24. Oktober 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
24. Oktober 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2020, 06:00 Uhr

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