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50+1-Regel

Pro und Contra zur umstrittenen Klausel der DFB-Satzung

Die Satzung des Deutschen Fußball-Bundes schreibt vor, dass Investoren nicht die Stimmenmehrheit an einem Fußballklub erlangen dürfen.

18.04.2018
  • Thomas Gotthardt & Helmut Schneider

Daher muss der Verein immer mindestens 50 Prozent plus einen weiteren Stimmanteil besitzen, auch wenn die Profiabteilung in eine AG ausgegliedert ist. Damit soll verhindert werden, dass ein Investor das alleinige Sagen in einem Fußballklub hat.

Pro: Keine Enteignung der Fans

Das letzte Stoppschild auf der Kommerzstraße darf nicht fallen. Alleine die 50+1-Regel steht noch zwischen dem neoliberalen Wahn, den Fußball komplett den Regeln des Kapitalismus zu unterwerfen, und dem Versuch, diesen Sport als Bestandteil einer „milieuübergreifenden Unterhaltungs- und Freizeitwirtschaft“ (Stefan Goch, Das Spiel mit dem Fußball) am Leben zu erhalten.

Seit es die 50+1-Regel gibt, erheben Kritiker das Wort und beklagen den mangelnden Geldfluss in den deutschen Fußball und dass der irgendwann (in der nächsten Woche) nicht mehr konkurrenzfähig sein wird – im internationalen Vergleich, aber auch auf nationaler Ebene. Dass der FC Bayern zum sechsten Mal in Folge Deutscher Meister geworden ist, soll Beweis genug sein, dass andere Teams nicht mehr mithalten können und alleine mehr Geld Mannschaften wie den SC Freiburg oder den 1. FC Heidenheim nach oben spülen würde.

In der Vorsaison haben die Klubs der ersten und zweiten Liga mit einem Gesamtumsatz von 4,01 Milliarden Euro erstmals die Schallmauer von vier Milliarden geknackt. Das Oberhaus weist einen Gewinn von 150 Millionen Euro aus. Die Bundesliga hat den zweithöchsten Liga-Umsatz in der Welt. Wo also bitte fehlt Geld? Wird es vielleicht nur ungeschickt eingesetzt (HSV)?

Investoren würden diese Umsatz- und Gewinnzahlen zweifelsohne noch einmal nach oben treiben. Aber auf wessen Kosten? Darüber muss niemand groß spekulieren, sondern einfach nur nach England schauen. Die Ticketpreise sind schon lange in die Höhe geschossen. Weil Investoren alleine auf Gewinnmaximierung aus sind, haben junge englische Talente in der Premier League kaum Einsatzzeiten bekommen. Schließlich geht es um Erfolg (Gewinn).

Wem gehört der Fußball? Scheichs, Ölmagnaten? Oder den Fans, die die Kommerzialisierung zum Kotzen finden, aber auch nicht konsequent zu Hause bleiben können? Ohne die ein Spiel in letzter Konsequenz nichts wert wäre.

Der bayerische Regionalligist TSV 1860 München lieferte ein schönes Beispiel dafür, wie ein Investor selbst bei einem Viertligisten wüten kann, Trainer und Manager nach Belieben feuert und demokratische Spielregeln (Pressefreiheit) ignoriert. Und nun ein Hoch auf Investoren.

Thomas Gotthardt, Sportredakteur mit einer pragmatischen Sicht auf den Fußball

Contra: Geld schießt Tore, natürlich!

Fußballfans sind wunderbare Romantiker. Sie leiden, sie triumphieren. Und sie überhöhen ihre ehrlichen Gefühle mit der Forderung, ihr Verein sei zu schützen vor dem Zugriff derer, denen es nur ums Geld geht. Dass der Fußball ein großes Geschäft ist, passt nicht in dieses verklärte Bild – aber es ist die Realität.

Jeder Fußballfan würde seinen Klub am liebsten auf der ganz großen Bühne sehen. Einmal an der Anfield Road in Liverpool oder in Barcelonas Camp Nou – Generationen lang würden sie sich das zuraunen in Köln, Stuttgart oder Frankfurt.

Darum geht es. Dass zumindest möglich wird, was ohne Geld eben nicht geht. Wer das nicht will und lieber vor 834 Zuschauern im Regen „ehrlichen“ und „authentischen“ Fußball sehen möchte – bitte schön. Kein Verein ist gezwungen, seine Seele zu verkaufen, wie es pathetisch heißt, wenn der Erfolg ausbleibt. Oder das Geld.

Auffallend ist, dass über die raffgierigen Investoren immer nur lamentiert wird, wenn es nicht läuft. Jetzt wieder der HSV, vorher 1860 München. Hoffenheim nicht mehr, weil dort guter Fußball geboten wird. Und Leipzig, die Brausebullen? Ohne Investor wärt ihr gar nicht hier!

Jenseits der Bundesliga hat man ein entspannteres Verhältnis zu privaten Geldgebern. In der englischen Premier League wimmelt es davon nur so. Geschadet hat es den Chelseas und ManUs ebensowenig wie anderen europäischen Spitzenvereinen in Spanien, Italien oder Frankreich, die potente Geldgeber haben. Die Behauptung, dass die besonders traditionsbewussten englischen Fans deshalb die Stadien meiden, ist gelinde gesagt etwas skurril. Man kommt nicht mehr rein, so voll ist die Hütte nicht nur in Manchester, sondern auch in Huddersfield.

Spitzenfußball ist großes Entertainment. Wer mit den besten Akteuren mitmischen und seine Fans glücklich machen will, wird das nicht mehr ohne Investoren schaffen. Außer Bayern München spielt seit Jahren kein deutscher Klub mehr international eine bedeutende Rolle. Das sagt alles.

Geld schießt Tore, natürlich! Die 50+1-Regel ist ein romantisches Relikt. Investoren können übrigens nur einen Verein ruinieren, dessen Management nichts taugt. Eine gute Klubführung plus ein potenter Geldgeber – das ist die Erfolgsformel.

Helmut Schneider, Wirtschaftsredakteur mit Leidenschaft für den Fußball

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18.04.2018, 06:00 Uhr
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