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Archäologie

Preziosen in unscheinbarer Lagerhalle

In Israels zentralem Antikenschatz in Bet Schemesch lagern auf 5000 Quadratmetern eine Million Artefakte.

22.03.2017
  • KNA

Bet Schemesch. Unterschiedslos passt sich das Gebäude in die Trostlosigkeit des Industriegebiets südlich von Bet Schemesch ein. Nichts an seinem unscheinbaren Äußeren lässt den kostbaren Kern erahnen: Mit einer Millionen Funde aus mehreren Jahrtausenden birgt der Bau auf 5000 Quadratmetern das Allerheiligste der israelischen Archäologie. Rund ein Drittel von ihnen bezeugen die uralte christliche Präsenz im Heiligen Land und die reiche kulturelle Blüte, die mit den frühchristlichen Pilgern aufkeimte. Die Sammlung wächst beständig: Mit jährlich 300 Ausgrabungen gehört Israel zu den archäologisch besterschlossenen Plätzen. Von Gesetz wegen werden alle dem Staat Israel gehörenden Artefakte im zentralen Antikenlager, dem „Nationalschatz“, gelagert, erklärt Gideon Avni, Chef der archäologischen Abteilung der israelischen Antikenbehörde.

Ausnahmen bilden „B-Funde“, die in einem riesigen Lager unter einer Schnellstraßen-Kreuzung aufbewahrt werden, und besonders sensible Münz- und Textfunde, für deren klimatisierte Aufbewahrung das Israelmuseum die besseren Bedingungen bietet. Funde aus der Zeit vor der Staatsgründung von 1948 bilden eine weitere Ausnahme. Alles andere aber liegt in der unscheinbaren Lagerhalle in Bet Schemesch, rund 30 Kilometer westlich von Jerusalem. Seine Hüter sagen: Einen zweiten Ort wie diesen gibt es nicht – und er platzt bald aus allen Nähten.

Ein Neubau in Jerusalem

Eigentlich, sagt Kuratorin Deborah Ben-Ami, pflegt man im archäologischen Nationalschatz eine liberale Politik: Die Sammlung steht Forschern, Studenten und im Rahmen der begrenzten Möglichkeiten auch interessierten Laien offen. Die Grenze dieser Möglichkeiten ist schlicht der fehlende Platz.

Mit dem doppelt so großen Neubau, der gegenwärtig in Jerusalem entsteht, soll die israelische Öffentlichkeit leichteren Zugang zu den gesammelten Altertümern ihres Landes haben. Noch fehlen die nötigen Gelder, um das künftige Heim der Funde fertigzustellen.

Der Vorteil eines Zentrallagers liegt für die Kuratorin auf der Hand: Während in einem Museum einzelne Stücke ausgestellt werden, kann der zentral verwaltete Antikenschatz mit seinen Funden umfassend Einblick in eine bestimmte Epoche oder zu einer konkreten Stätte bieten. Für die Zeit Jesu heißt das laut Gideon Avni: „Wir können sehr akkurat die täglichen Aspekte im Leben Jesu rekonstruieren“, sagt sie. Allerdings gebe es bislang keinen einzigen Fund, „den wir physisch der Person Jesu zuordnen können.“ kna

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22.03.2017, 06:00 Uhr
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