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Das Öl ist noch da

"Prestige": Prozess um Tankerunglück beginnt nach zehn Jahren

Die Ölpest nach dem "Prestige"-Untergang 2002 war die größte Umweltkatastrophe in Spaniens Geschichte. Erst jetzt kommt der Fall vor Gericht. Angeklagt ist nicht die Regierung, sondern die Besatzung.

16.10.2012
  • DPA

Madrid Die Bilder sind unvergessen: Sterbende Vögel und ölverschmierte Helfer mit Atemmasken, die zähen, schwarzen Schlamm wegschaufeln. Strände und Felsküsten von Nordportugal bis nach Südwestfrankreich waren mit giftigem Ölschlamm verseucht. Der Untergang des Tankers "Prestige" im November 2002 vor der Nordwestküste Spaniens löste die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte des Landes aus.

Im größten Vogelsterben in Europa verendeten 250 000 Seevögel. Erst jetzt, fast zehn Jahre später kommt die Ölpest vor Gericht. In der galicischen Hafenstadt La Coru·a wird heute vor dem Landgericht der Prozess um den Untergang des mit 77 000 Tonnen Schweröl beladenen Tankers eröffnet.

Auf der Anklagebank werden keine Eigentümer des Schiffes, keine Verantwortlichen der Reederei und keine Mitglieder der damaligen spanischen Regierung sitzen. Angeklagt sind vielmehr der griechische Kapitän, der Erste Offizier und der Maschinist des Tankers sowie der damalige Chef der spanischen Hafenbehörde.

Für den 77 Jahre alten Kapitän, den Hauptangeklagten, fordert die Staatsanwaltschaft zwölf Jahre Haft wegen eines Umweltvergehens und wegen Missachtung von Anweisungen der spanischen Behörden.

Die "Prestige" war am 13. November 2002 in einem Sturm im Atlantik leckgeschlagen. Giftiges Schweröl strömte ins Meer. Die Madrider Regierung ließ das Schiff auf das offene Meer hinausschleppen. Dort bäumte sich der riesige Tanker sechs Tage später wie ein tödlich verletztes Ungeheuer auf, zerbrach in zwei Teile und sank mit seiner giftigen Fracht auf den Grund des Meeres. Ein großer Teil des für die Umwelt katastrophal schädlichen Schweröls strömte in den Atlantik. Etwa 13 000 Tonnen wurden später in einer aufwendigen Operation aus dem in 4000 Meter Tiefe liegenden Wrack abgepumpt.

Der damaligen Regierung von Ministerpräsident José María Aznar wurde im Europaparlament vorgeworfen, das Ausmaß der Katastrophe noch vergrößert zu haben, weil sie den Tanker nicht in einen Hafen, sondern aufs offene Meer schleppen ließ. Dennoch wurde nie gegen Mitglieder der Regierung ermittelt - der heutige Regierungschef Mariano Rajoy leitete damals als Vizepremier den Krisenstab.

Die Ermittlungen führte ein Gericht im Küstenstädtchen Corcubión. Die Richter in dem 2000-Seelen-Ort, die sich normalerweise mit Erbstreitigkeiten oder Scheidungsfällen befassten, schienen dem Geflecht von Reedern, Ölfirmen und Subunternehmen machtlos gegenüberzustehen. Die 26 Jahre alte "Prestige" gehörte einer Firma in Liberia, fuhr für eine griechische Reederei unter der Flagge der Bahamas, hatte einen griechischen Kapitän sowie eine rumänisch-philippinische Besatzung. Und sie transportierte Öl für einen russischen Konzern mit Sitz in der Schweiz.

Für den Prozess in La Coru·a wurde eine Kongresshalle auf dem Messegelände zu einem Gerichtssaal umgebaut. Bis Mai 2013 sollen dort 133 Zeugen und 98 Gutachter angehört werden. Das Urteil wird für September 2013 erwartet.

Die Justiz geht davon aus, dass der Hauptangeklagte, der sich in den vergangenen Jahren in Griechenland regelmäßig bei der Polizei melden musste, vor Gericht erscheinen wird. Einer der Angeklagten, der von den Philippinen stammende Erste Offizier, ist flüchtig und konnte bisher nicht ausfindig gemacht werden.

Das Gericht muss auch darüber entscheiden, wer für die Schäden aufkommen soll, die das Tankerunglück verursacht hatte. Die Staatsanwaltschaft beziffert die Summe auf über zwei Milliarden Euro.

An den verseuchten Küsten waren nach der Katastrophe über 100 000 Tonnen Ölreste - vermischt mit Wasser, Sand und Algen - eingesammelt worden. Heute locken die Strände in Nordspanien mit ihrem weißen Sand im Sommer wieder Urlauber an. Allerdings lagern auf dem Meeresgrund noch zahllose Tonnen von Schweröl, oft von einer Sandschicht bedeckt.

Die Auswirkungen auf das Ökosystem sind selbst Experten ein Rätsel. Einige Fischer, die im Kampf gegen die Ölpest mitgeholfen hatten, leiden noch immer an Atembeschwerden.

"Prestige": Prozess um Tankerunglück beginnt nach zehn Jahren
November 2002: Der havarierte Öltanker "Prestige" bricht auseinander und versinkt im Meer. Monatelang kämpfen die Helfer an den Küsten Galiciens gegen das Öl - es ist die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte des Landes. Fotos: dpa

"Prestige": Prozess um Tankerunglück beginnt nach zehn Jahren

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16.10.2012, 12:00 Uhr
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