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Die zwei neuen Rennwagen von Porsche fahren in Daytona auf die Podestplätze

Premiere mit versöhnlicher Pointe

Bei dem 24-Stunden-Klassiker auf dem legendären Rundkurs an der Ostküste Floridas wurden der 911 RSR und der 911 GT3 R zum ersten Mal eingesetzt - die Sportwagen aus Weissach trotzten allen Tücken.

03.02.2016
  • ARMIN GRASMUCK

Daytona Beach. Selbst als sich die härtesten Konkurrenten mit höchst fragwürdigen Mitteln den Vorteil verschaffen, bleibt es in der Box von Porsche ruhig. Mit gebanntem Blick verfolgen die gut 30 Männer in den grauen und schwarzen Overalls mit dem unverkennbaren Firmenlogo in ihrem Revier am Streckenrand die Zeitlupen auf knapp zwanzig kleinen Bildschirmen: Gut eine halbe Stunde vor dem Ende des Rennens hat Oliver Gavin am Steuer der Corvette den Porsche 911 RSR mit Earl Bamber hinten links gerammt und aus der Bahn geschoben. Gavin zieht in der Kurve innen vorbei - und unaufhaltsam zum Sieg. "No action!" Mit schmalen Worten kommentiert das Renngericht via Boxenfunk den Zwischenfall. Kein Foul, keine Zeitstrafe. Gavin darf weiterfahren, und Bamber hinterher.

Die Proteste der Crew von Porsche bleiben auch deshalb aus, weil der Druck der amerikanischen Gegner einfach zu stark geworden ist. "Ich habe bis kurz vor dem Ziel alles versucht, aber die Corvette war nicht hinter uns zu halten", sagt Bamber nach dem Rennen. "Wir hatten einen tollen Kampf aber heute waren sie einfach schneller."

Daytona International Speedway. 24 Stunden. 722 Runden. Mit Fahrerwechsel. Ohne Pause. Von Nachmittag bis Nachmittag, einmal rund um die Uhr. Am Ende des Klassikers auf dem einzigartigen Rundkurs liegt Porsches Werksfahrer Bamber, der abwechselnd mit Frédéric Makowiecki und Michael Christensen den RSR mit der Startnummer 912 lenkt, nur zwölf Sekunden hinter Gavin und Kollegen sowie der zweiten Corvette, die fast zeitgleich wie der Sieger ins Ziel fährt, auf Platz drei - mit einer Runde Vorsprung auf die Rivalen von Ferrari und BMW. "Das war ein guter Start in die neue Saison", sagt Frank-Steffen Walliser, der Motorsportchef von Porsche. "Nach 24 Stunden zwölf Sekunden Rückstand zu haben, das ist nicht wirklich verloren."

Insgeheim haben die Sportwagenbauer aus Weissach wahrscheinlich etwas mehr erhofft. Nach der Qualifikation lagen die beiden neuen RSR, die in Daytona zum ersten Mal bei einem Rennen eingesetzt werden, klar vorne. Bei dem ultimativen Härtetest dominieren sie lange Zeit. Doch in den Morgenstunden erwischt es den in Führung liegen RSR mit der Startnummer 911 und Le-Mans-Sieger Nick Tandy sowie Patrick Pilet und Kévin Estre am Lenkrad: Antriebswelle defekt. Raus an die Box und direkt in die Garage. Es dauert fast eine Stunde, bis der Wagen wieder startklar ist, auch weil die Mechaniker den Unterboden des Wagens abschrauben müssen. Der 911er mit der Nummer 911 landet am Ende abgeschlagen auf Platz acht und kassiert zumindest Meisterschaftspunkte, die im weiteren Verlauf der US-Rennserie Imsa noch wichtig werden können.

Vielversprechend verläuft auch die Premiere des zweiten Neustarters aus Weissach. Der Porsche 911 GT3 R des Teams Black Swan Racing mit dem erfahrenen Werksfahrer Patrick Long, Timothy Pappas, Andy Pilgrim und Nicky Catsburg am Steuer, fährt in seiner Klasse direkt auf Platz zwei - drei Sekunden hinter dem Audi R8 des Teams Magnus Racing mit dem Fahrerquartett um Routinier René Rast und vor den Konkurrenten von Dodge, Aston Martin, Lamborghini, BMW und Ferrari. "Ich war schon nach den Tests sicher, dass wir bei diesem schwierigen Rennen gut aussehen werden", sagt Long. "Ich hätte aber nicht gedacht, dass das neue Auto gleich so schnell und so gut zu fahren sein würde. Unser Team hat auch unter Druck fehlerfrei gearbeitet. Glückwunsch an die Sieger, aber in Sebring werden wir alles geben, um den Spieß umzudrehen." In Sebring, auf der höchst anspruchsvollen Strecke, knapp 200 Kilometer südlich von Daytona, wird Mitte März das zweite von zwölf Rennen der Imsa-Serie in diesem Jahr ausgetragen. "In Daytona waren wir vorne dabei, am Ende hat es leider nicht zum Sieg gereicht", so erklärt Motorsportchef Walliser. "Doch in Sebring können wir es besser machen."

Dem moralischen Beistand der neuen Tenniskönigin dürfen sich die Spitzenpiloten von Porsche in jedem Fall sicher sein. Angelique Kerber, die frischgebackene Siegerin der Australian Open und Markenbotschafterin des Autobauers, schickte vor dem Rennen motivierende Botschaften via Internet von Melbourne nach Florida. Die Rennfahrer revanchierten sich mit einer adäquaten Geste. Sie verzierten die Kotflügel der beiden RSR-Modelle mit dem dezenten Aufdruck "A. KERBER" samt Deutschlandfahne - und hatten die Tennisspielerin somit das ganze Rennen über an ihrer Seite. Was diese prompt erwiderte: "Wie cool ist das denn?", schrieb Kerber, bevor sie in Australien den Flieger gen Heimat betrat.

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03.02.2016, 08:30 Uhr
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