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Die Stiftung Kinderland zeichnete die Gomaringer Sechstklässler aus

Preis für die Schloss-Schule

Gomaringer Schloss-Schüler haben in einem Film dokumentiert, wie vorbildlich ihre Hauptschule ist: Für das Filmprojekt bekommen sie nun einen mit 20000 Euro dotierten Schülerpreis.

25.07.2009
  • Gabi Schweizer

<strong>Gomaringen.</strong> Schauplatz Schloss-Schule. Vier Schüler, ein Lehrer, eine Kamera auf dem Pausenhof. Klappe auf: Matthias Ludwig hält eine Mappe vor das Aufnahmegerät. Ordentlich dick ist sie, und das ist gut so. Denn in diesem Buch hat der Neuntklässler alles gesammelt, was ihn fürs Berufsleben qualifiziert. Eine Praktikumsbescheinigung zum Beispiel, in der ein Schreinermeister schreibt, dass er ihn als Lehrling einstellen würde – wenn er dies denn wolle. Oder eine Streitschlichter-Urkunde. Diverse Belobigungen. Die Bescheinigung, dass er eine Schülermentoren-Ausbildung gemacht hat.

Seite um Seite wendet der 15-Jährige und erklärt, was er da in den Händen hält. An der Kamera steht der Sechstklässler Manuel Stöhr und beobachtet das Display. Stimmen der Bildausschnitt, die Helligkeit und der Ton? Derweil stellt Philipp Ludwig Fragen: Was hat es mit dem „Qualipass“ auf sich? Wofür ist er nützlich?

Eine andere Szene, gestern in Stuttgart: 15 Gomaringer Sechstklässler sitzen im Porsche-Museum und freuen sich über einen riesigen Pappe-Scheck, überreicht von Ministerpräsident Günther Oettinger. Der Scheck ist zwar symbolisch, aber reale 20 000 Euro werden bei der Schule eintreffen. Insgesamt zehn so dotierte Preise vergab die Stiftung Kinderland Baden-Württemberg dieses Jahr für außerschulische soziale oder kreative Projekte. Bewerben konnten sich Hauptschüler der Klassen fünf und sechs.

Das Filmprojekt hatte die Jury überzeugt – den Preis gab’s für die Idee und das Konzept, nicht für das fertige Werk. Das nämlich haben die Schüler und Referendar Tobias Brenner erst vor zwei Tagen abgeschlossen. Mit der Dokumentation wollten die Jugendlichen zeigen: „An unserer Schule geht etwas, hier werdet ihr für die Zukunft fit gemacht“, erklärt Brenner.

Fünf Themen haben die Jungen und Mädchen bearbeitet und diese jeweils in einer Klassenstufe verankert: Die fünfte Klasse taucht beim erlebnispädagogischen Schullandheim auf, die sechste stellt eine Klassenrat-Szene nach: In dem Gremium besprechen die Jungen und Mädchen eigenständig ihre Anliegen und suchen gemeinsam nach Lösungen. Um Selbstständigkeit und Eigenverantwortung geht es auch bei den Streitschlichtern, die vermitteln sollen, wenn es mal Probleme gibt – wer sich dafür meldet, bekommt eine entsprechende Ausbildung. Darum – und um Betriebspraktika – dreht sich viel in der siebten und achten Klasse. Der „Qualipass“, wie auch Matthias Ludwig einen hat, ist wichtig für die Neuntklässler, die sich um einen Ausbildungsplatz bemühen oder um eine weiterführende Schule.

Für den Filmdreh zuständig waren die 15 Sechstklässler. Die nämlich hatten sich beschwert, dass sie bei einem Minifilm-Kurs nicht mitmachen durften, den Brenner für die Stufen sieben bis neun anbot. Dies war ein Grund für das Filmprojekt.

Der andere Grund war ein weiterer Preis, den die Schlossschule im Frühjahr gewann – demnach steht die Gomaringer Bildungsstätte auf Rang sechs der „starken Schulen“ im Land. „Deutschlands beste Schulen, die zur Ausbildungsreife führen“ hatte das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg damals gesucht. Die vielen sozialen, erlebnispädagogischen und berufsvorbereitenden Angebote hatten die Jury überzeugt. Und an der Schule den Wunsch wachsen lassen, diese zu dokumentieren. „Starke Schule – Starke SchülerInnen. Unsere Hauptschule stellt sich vor“ heißt das Werk, das Fünftklässlern und deren Eltern Mut machen soll und das Bild revidieren, das die Öffentlichkeit hat. „Damit man sieht, dass Hauptschüler nicht dumm sind. Dass wir genauso sind wie alle anderen“, fasst der Sechstklässler Benjamin Huber es zusammen. Öffentlichkeitsarbeit von Schülern für Schüler also.

Rektor Joachim Allgaier hatte die Idee, die Sechstklässler einen Dokumentarfilm drehen zu lassen und diesen bei dem Wettbewerb einzureichen. Tobias Brenner hat passenderweise ein Aufbaustudium Medienwissenschaft und Medienpraxis gemacht und hinterher auch eine Weile an der Uni gelehrt: „Für mich ist es sehr schön, dass ich das Beste beider Welten miteinander verbinden kann.“

Beim Gomaringer Doku-Film war er allerdings nur für den Schnitt zuständig. Alles andere machten die Jugendlichen selbst, inklusive Drehbuch, und investierten dafür viele Freizeitstunden. Es sollte schließlich alles exakt passen. Der Preis hatte ihren Ehrgeiz noch einmal richtig geweckt. Was mit dem Preisgeld passiert, ist zwar noch nicht klar – aber eine Klassenfahrt für die Sechser ist auf jeden Fall drin.

Preis für die Schloss-Schule
Benjamin Huber, Manuel Stöhr und Philipp Ludwig (Erster, Dritter und Vierter von links) wissen nun, was eine Totale ist und wie die Beleuchtung eingestellt wird: Referendar Tobias Brenner (Zweiter von links) brachte ihnen für einen Wettbewerb der Stiftung Kinderland das Filmen bei. Bild: Rippmann

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25.07.2009, 12:00 Uhr
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