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VW-Dachgesellschaft

Porsche SE bleibt in Familie

Bei der Holding ändert sich mit dem geplanten Anteilsverkauf durch den Firmenpatriarchen Ferdinand Piëch die Struktur der Eigentümer. Sie haben im vergangenen Jahr mit ihrem Engagement gut verdient.

22.03.2017

Von ANDREAS BÖHME

Hans Dieter Poetsch (links), Vorstandschef der Porsche Automobil Holding SE, und Vorstandsmitglied Matthias Müller, sehen den Ausstieg Ferdinand Piëchs gelassen. Foto: afp

Stuttgart. Die Fakten sind rasch erzählt: Geht es dem Volkswagenkonzern gut, freut sich die Porsche SE, eine 30-Mann-Holding, in der die Familien Porsche und Piëch ihre VW-Anteile bündeln. Knapp ein Drittel des VW-Kapitals sind in dieser Gesellschaft versammelt und mit gut 52 Prozent auch die Mehrheit der Stimmrechte. VW hat, da ändert auch der Dieselskandal nichts, ganz gut verdient im vergangenen Jahr.

Deshalb erhält die Porsche-SE (PSE) rund 308 Mio. EUR Dividende, die sie ungekürzt an die Aktionärsfamilien weiterreicht: Macht pro Vorzugsaktie 1,1?EUR. Im vergangenen Jahr war das etwas anders: Damals flossen nur 17 Mio. EUR von VW zu, trotzdem genehmigten sich die Aktionäre die gleiche Ausschüttung – Vorstandschef Hans-Dieter Pötsch, im Hauptberuf Aufsichtsratsvorsitzender bei VW, nennt dies „nachhaltige Dividendenpolitik“.

Doch was wird nun aus dem Duopol Piëch/Porsche, wenn Ferdinand Piëch, der Enkel des Firmengründers, tatsächlich seine Anteile an der Holding verkauft? Vergangene Woche hieß es, der fast 80-jährige Patriarch verhandle darüber mit den Familienmitgliedern. Mehr, sagt Pötsch, wisse auch er nicht: Man sei sehr knapp informiert worden, „Elemente der Begründungslogik“ habe er dabei nicht gefunden. Wo die Gespräche derzeit stehen, „welchen Inhalt und welche Konsequenz sie haben“, wisse man nicht. Allein, „die Familie wird uns zum richtigen Zeitpunkt informieren.“

Eigentlich gibt es dafür sogar zwei Zeitpunkte: Den 17. April, denn da wird Piëch 80 Jahre alt, und große Würdigungen stehen an. Und den 30. Mai, dann tagt die Hauptversammlung der PSE. Auf der, so hieß es, könnte Piëch sein Aufsichtsratsmandat zur Verfügung stellen. Vielleicht aber auch nicht, denn einen Automatismus zwischen Aktienbesitz und Aufsichtsratsmandat gebe es nicht, und überdies weiß wohl nur er selbst, ob er nun alles, bloß einen Teil oder nichts von seinem Porsche SE-Anteilen hergeben wird – schließlich sind die ja so einträglich wie wetterfest. Pötsch: „Wir haben Kenntnis von Gesprächen, wissen aber nicht, ob es tatsächlich zu Veränderungen kommt.“

Über den großen alten Mann, der in Wolfsburg schon länger als Persona non grata gilt, ist Pötsch weiterhin voll des Lobes. In der jüngsten Aufsichtsratssitzung der PSE am 10. März sei Piëch frisch und munter gewesen, und trotz manch „atmosphärischer Eintrübungen“ wolle man seinen Geburtstag in adäquater Form feiern, denn „Piëch hat unvergessene Meilensteine im Automobilbau gesetzt“.

Der Großteil des PSE-Geschäfts macht zwar die VW-Beteiligung aus, daneben gibt es nur noch eine kleine, zehnprozentige am US-Technologieunternehmen Inrix, die nur bedingt Freude macht. Die Firma liefert Echtzeitdaten aus 300 Mio. Quellen weltweit, ein knappes Zehntel davon stammt aus Parkplatzinformationen. Rund 15 Mio. vernetzte Fahrzeuge erhalten von Inrix etwa Hinweise auf freie Parkplätze. 41 Mio. EUR hat die PSE einst für ihren Inrix-Anteil bezahlt, jetzt musste sie ihr Engagement neu bewerten: Dank der Konkurrenz von Datenlieferanten und der doch nicht ganz so raschen Fahrzeugvernetzung ist das Engagement mit 21 Mio. EUR nur noch die Hälfte wert.

Scheut die PSE deshalb angesichts dieses, wenngleich überschaubaren Verlusts vor weiteren Zukäufen zurück? Nein, sagt Pötsch, „unser Ziel ist es, die Porsche SE als Finanzinvestor im Markt zu etablieren“. Immerhin habe man in der zehnjährigen Unternehmensgeschichte mehr als 1200 mögliche Beteiligungen sondiert, davon allein 150 im vergangenen Jahr.

Bleiben die noch immer anhängigen Rechtsstreitigkeiten über die Fusion von Porsche und VW. Bislang hat Porsche alle Prozesse gewonnen, aber noch sind nicht alle erledigt: Vor dem Oberlandesgericht Stuttgart streitet man sich mit US-Anlegern über 195 Mio. Dollar (180 Mio. EUR) – ist aber auch nach fünf Jahren Verfahrensdauer noch immer nicht hinaus über die Frage gekommen, ob nicht besser in London zu verhandeln sei.

Damals mischte er noch kräftig mit: Ferdinand Piëch auf der VW-Hauptversammlung im Jahr 2011.imago stock& people Foto: imago stock& people

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Erstellt:
22. März 2017, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
22. März 2017, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. März 2017, 06:00 Uhr

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