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Wir sind ein Gegenmodell

Pop/Rock/Jazz-Musikschule Jamclub feiert die ersten zehn Jahre

Am neunten Juli wollen sie mit einem Sudhaus-Waldbühnenauftritt gemeinsam das 10-Jährige feiern. Man kennt sich, aber so, in dieser Formation, sitzen sie nun im TAGBLATT zum ersten Mal zusammen: Ehemalige und Heutige, Schüler und Lehrer der Musikschule Jamclub.

03.07.2010

Von Peter Ertle

Tübingen. Was waren das für Zeiten, als junge Leute, die sich für Popmusik interessierten, sich von ihren Eltern anhören mussten, das sei Negermusik. Heute sind es die Eltern, die ihren Söhnen und Töchtern den Besuch des Jamclubs und den Beitritt in eine Band nahe legen. Na gut, nicht immer. Manche der jungen Musikschüler plagen sich auch heute noch zuerst auf der Blockflöte mehr der Elternwahl, bis sie dann aus eigenen Stücken das Instrument wechseln.

Und welches Instrument spielen sie? Fragen wir doch mal: Schlagzeug. Gitarre. Schlagzeug. Gesang. Schlagzeug. So viele Schlagzeuger, vor allem Schlagzeugerinnen. Es gibt sogar eine reine Mädchenband, „Hard To Handle“. Und wie ist das mit dem Lärm, beim Proben, man übt ja nicht ausschließlich im Proberaum? „Bei uns im Haus sagt niemand was“, heißt es. Oder: „Es gibt bestimmte Uhrzeiten, die sind tabu, aber sonst geht es.“ Tolerantes Tübingen. Und was hören die Eltern so? Jazz, noch mal Jazz. Klassik. Wir fassen zusammen: Alles, was nicht Mainstream ist. Sehr überraschend: Kein Pop dabei. Doch, jetzt: Johanna Sauter von den „Bikinis“ hält sich bei der Schilderung des häuslichen Musikgeschmacks an die Bandgeschichte ihrer Eltern, von den Dancingqueens über Soulfood International bis zu den Madison Belles. Natürlich sind Kinder von Jamclub-Machern, Lehrern, erwachsenen Musikern dabei. Valentin Riegger zum Beispiel. „Meine Eltern sind Musiker“, sagt auch Cosma-Sophia Leiner, an der man ein Stück Erfolgsgeschichte des Jamclubs ablesen kann: 1982 in Tübingen geboren, erste Rockband mit neun, erst spielt sie E-Gitarre, dann spezialisiert sie sich auf Gesang, wird als Song-schreibende Frontfrau der Mooncats bekannt, studiert in Freiburg Gesang, ist heute unter anderem Gesangsdozentin im Jamclub.

Manche Bands, die im Jamcklub ihren Anfang nachten, sind inzwischen gut im Geschäft: Die Zappler zum Beispiel, mit ihrer etwas anderen Volksmusik. Oder Lingua Loca. Bandmitglied Tobias Karrer wurde zum Gespräch miteingeladen.

„Als wir besser spielen konnten als er, haben wir ihn rausgeschmissen“, sagt Johanna Sauter von den Bikinis über Bandcoach Thomas Maos, der anfangs in der Gruppe mitspielte. Und wie weiß wiederum der Bandcoach, wann es Zeit ist, loszulassen? „Ganz einfach“, sagt Thomas Maos, „das erledigt meist der Schulabschluss“. Dann werden sie in alle Winde zerstreut.

Aber dort, wo sie hinkommen, nehmen sie das Erlernte mit, nicht nur die handwerklich-musikalischen Fähigkeiten, auch manches aus dem Organisationsbereich, außerdem viel Teamfähigkeit, jahrelange Band- und vor allem Auftrittserfahrung. Die Bikinis standen schon zigmal auf der Bühne. Und einige der jungen Musiker spielten durch die vielfältigen Kontakte der Schule in die Musikszene schon als Vorgruppe von Bands, die ein ganz anderes Musik- und Publikumskaliber vorweisen konnten.

Dass eine Band wie Lingua Loca, deren immerhin 12! Mitglieder heute in verschiedenen Städten arbeiten oder studieren, überhaupt noch zusammen ist, ist ein Wunder. „Wie macht ihr das?“, wollen die Jungen wissen. Man treffe sich alle zwei, drei Monate mal in Tübingen und nehme ein Intensiv-Probewochenende, wobei der Jamclub seine Proberäume sehr großzügig zur Verfügung stelle, sagt Tobias Karrer. Und warum gerade Tübingen? „Weil da die meisten von uns noch ein Zimmer haben, wo sie übernachten können.“ „Und wer entscheidet bei euch, was gemacht wird?“ „Ich. Und die anderen müssen nach meiner Pfeife tanzen“, sagt er, „nein: Das läuft bei uns basisdemokratisch ab“. „Du musst erklären, was basisdemokratisch heißt“, sagt Thomas Maos, „das wissen die nicht mehr“.

Zurück zum Ausbildungssystem: Die jungen Schüler loben vor allem, dass sie hier einerseits ältere, erfahrene Coaches haben, die da sind, wenn man sie braucht und weg sind, wenn man sie nicht braucht, weil man unter sich sein und sein eigenes Gruppending machen will. „In Serien wie ?Deutschland sucht den Superstar? werden Leute gepusht und dann genauso schnell wieder fallen gelassen, sagt Thomas Maos, „wir sind da ein Gegenmodell“.

Info 10 Jahre Jamclub, am Freitag, 9. Juli um 17 Uhr auf der Sudhaus-Waldbühne, mit Bikinis, Hard To Handle, Jamplitude, Sixteens, 007TY Two, Nachwuchssängerinnen und einem Musicalprojekt. Eintritt frei.

Hintere Reihe von links: Johanna Sauter (Bikinis), Valentin Riegger (Bikinis), Tobias Karrer (Lingua Loca), Maria Proß-Brackhage (Hard to Handle), Valentin Diegel (Hard to Handle), Ellen Sartingen (Sixteens), links im hellblauen Shirt Nick Klepper (007TY TWO), vor ihm, die zweite Reihe von links einleitend Jamclub-Geschäftsführer Jörg Honnecker, Aaron Hohberger (Jamplitude), Cosma-Sophia Leiner (Gesangsdozentin), vorne Markus Schilling (Jamplitude) und Bandcoach Thomas Maos. Bild: Sommer

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Erstellt:
3. Juli 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
3. Juli 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. Juli 2010, 12:00 Uhr

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