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Beim "Jewrovision" in Mannheim machen 1200 jüdische Jugendliche Musik

Pop mit Kippa

Mehr als tausend jüdische Jugendliche feiern einen Abend lang gemeinsam: Beim "Jewrovision"-Contest in Mannheim zeigten sie mit Gesang und Tanz, wie lebendig jüdische Kultur in Deutschland ist.

08.02.2016
  • LEONIE L. MASCHKE

Mannheim. "12 Punkte gehen an: Or Chadasch Mannheim featuring Jujuba!" Tosender Jubel brandet in einer Ecke des Saales auf, Hände werden in die Luft gereckt, Schals geschwungen. Anderswo im Raum lange Gesichter, die selbstgemalten Plakate sind schon wieder unter den Sitzen verstaut. "Wir haben auch gut gesungen!", sagt ein kleines Mädchen trotzig.

Tatsächlich war das, was die jüdischen Jugendlichen aus allen Teilen der Republik beim Jewrovision 2016 in Mannheim gezeigt haben, eine Nummer für sich: Aufwändige Choreografien, selbstgedichtete Texte und das ein oder andere Gesangstalent waren dabei. Jedes Team präsentierte mit einem Videobeitrag und einem Bühnenauftritt seine Version des diesjährigen Mottos "Ledor Wador - Von Generation zu Generation" des größten jüdischen Gesangs- und Tanzwettbewerbs Deutschlands.

"Die jüdischen Jugendlichen erhalten beim Jewrovision die Möglichkeit, andere jüdische Jugendliche zu treffen", erklärt Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Der Zentralrat richtet seit 2013 den Jewrovision aus. Der Wettbewerb ist in eine Jugendfreizeit eingegliedert, auf der die Jugendlichen gemeinsam jüdische Traditionen kennenlernen. "Es zeigt ihnen, dass es jüdisches Leben in Deutschland gibt."

"Ihr seid nicht allein, ihr seid nicht die einzigen, die eine Kippa tragen!", ruft ein junger Mann. Es ist die Ruhe vor dem Wettbewerb, hunderte Jugendliche haben sich im Foyer des Congress Centrum Rosengarten in Mannheim versammelt. "Ihr seid die Zukunft, ihr gestaltet die Gemeinde mit, in der ihr aufwachst", sagt er. Eine Gruppe junger Männer stimmt ein Lied an, die Jugendlichen singen nach und nach mit. Zuerst andächtig, dann heiter, es wird geklatscht, ein paar Leute tanzen. Das Ende des Schabbats wird am Samstagabend gefeiert.

"Für die Kinder ist der Wettbewerb das Highlight des Jahres", sagt Jutta Wagemann, Pressesprecherin des Zentralrats der Juden. Außerhalb der jüdischen Gemeinden sei der Jewrovision freilich weniger bekannt. "Es kommen aber jedes Jahr immer mehr jüdische Gemeinden dazu. Der Jewrovision ist über die Jahre hinweg immer größer geworden." Was 2002 im rheinland-pfälzischen Bad Sobernheim mit 120 Kindern und sechs Gemeinden begonnen hat, ist heute eine Großveranstaltung mit 1200 Kindern aus 60 Gemeinden.

Allein 400 von ihnen wirbeln an diesem Abend über die Bühne. Es wird gerappt, gesungen, eine Geige und ein Schlagzeug kommen zum Einsatz. Manche Kostüme sind grellbunt, andere elegant oder zurückhaltend cool. Ein bisschen von all dem, was man beim Eurovision sieht. Nur, dass eigene deutsche und englische Texte auf Melodien von Lady Gaga oder Jan Delay gesungen werden. Das würde beim großen Vorbild nicht gehen.

"Wir machen mit, weils Spaß macht, man seine Freunde sieht und man neue Leute kennenlernt", erklärt eine Jugendliche, während die Gemeinde Amichai Frankfurt eine Version von Miley Cyrus "Wreckingball" zum Besten gibt. Inklusive einer Abrissbirne, die über die Bühne schwingt. Begeistertes Geschrei von Freunden und stolzen Eltern der Sänger und Tänzer. "Chai Hannover!" schallt es aus den mittleren Rängen, während weiter hinten "Berlin! Berlin!" gerufen wird. Fahnen mit den Logos der jeweiligen jüdischen Gemeindezentren werden geschwenkt, die ausgelassene Stimmung im Saal hat etwas von einem Fußballstadion.

"Es hat eine unglaubliche Bedeutung, sich und seine Gemeinschaft hier zu zeigen", sagt Rebecca Siemoneit-Barum. Die Schauspielerin ist Teil der achtköpfigen Jury, die am Ende - ganz im Stil des Eurovisions - einen bis zwölf Punkte vergeben kann. Siemoneit-Barum ist zum zweiten Mal dabei. "In Deutschland kann man sich nach wie vor nicht unbeschwert offen zum Judentum bekennen. Der Jewrovision ist da anders, hier feiern junge deutsche Juden Deutsche offen ihre gemeinsame kulturelle Identität."

Nach dreieinhalb Stunden hat auch die letzte Gemeinde ihren Auftritt absolviert, die Punktevergabe beginnt. Die Hamburger Chasak-Gemeinde gewinnt den Videopreis, während Titelverteidiger Or Chadasch Mannheim featuring Jujuba sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Chai Hannover um den besten Bühnenauftritt liefert. Schließlich ist klar: Die Mannheimer gewinnen zum zweiten Mal in Folge. Bei ihnen gibt es kein Halten, sie jubeln "Jujuba! Jujuba!", umarmen sich. Auch das kleine Mädchen kann wieder lächeln: Sie hat es mit ihrem Team auf den dritten Platz geschafft.

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08.02.2016, 08:35 Uhr
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