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Zugriff in der Gartenlaube

Polizei überwältigt mutmaßlichen Taxi-Mörder in Brandenburg

Die Polizei hat am Sonntag in Brandenburg den Mann festgenommen, der im Verdacht steht, am Bodensee eine Taxifahrerin ermordet zu haben. Der 28-Jährige sitzt in Konstanz in Untersuchungshaft.

15.06.2010

Von PETRA WALHEIM

Friedrichshafen Der Mann hat Nerven. Er saß am Sonntagabend seelenruhig in einer Gartenlaube in Senftenberg (Brandenburg) vor dem Fernseher und schaute zu, wie die deutschen Fußballer die Australier auseinandernahmen. Doch für ihn völlig unerwartet war es plötzlich vorbei mit dem Fußballabend. Spezialeinsatzkräfte stürmten die Laube, als es gerade 3:0 stand.

Der 28-Jährige wurde festgenommen. Die Polizei geht davon aus, dass er am Mittwoch vergangener Woche in Hagnau am Bodensee eine 32-jährige Taxifahrerin ermordet hat. Einen Tag zuvor soll er in Singen (Kreis Konstanz) eine 44-jährige Taxifahrerin entführt, vergewaltigt, mit einem Messer in den Hals gestochen und schwer verletzt haben. Der gebürtige Russe wurde gestern nach Konstanz gebracht und dem Haftrichter vorgeführt.

Der Mann ist bei der Polizei kein Unbekannter. Er wurde seit längerem per Haftbefehl gesucht wegen Ladendiebstählen und Einbrüchen. Er hatte keine feste Adresse. Nach Auskunft des Pressesprechers der Polizei in Friedrichshafen hielt sich der 28-Jährige seit drei Jahren immer wieder am Bodensee auf. Zuvor soll er in Brandenburg bei Verwandten gelebt haben und auch dort durch Eigentumsdelikte aufgefallen sein.

Die Vermutung, er sei als Erntehelfer an den Bodensee gekommen, bestätigte der Pressesprecher nicht. Der 28-Jährige war bislang nicht durch Gewalt- oder Sexualdelikte aufgefallen. Warum er über die zwei Taxifahrerinnen hergefallen ist, ist bislang unklar. Auch ist nicht bekannt, wie er vom Bodensee nach Brandenburg gekommen ist.

Der Mann hatte an den Tatorten deutliche Spuren hinterlassen. Durch sie fand die Polizei seine Identität heraus. "Nachdem wir wussten, wer er ist, haben wir die Leute aufgesucht, mit denen er Kontakt hatte", sagte der Pressesprecher. Aus diesen Kreisen kam auch der entscheidende Hinweis auf seinen Aufenthaltsort. Nähere Informationen wollte die Polizei dazu nicht preisgeben.

Die Nachricht, dass auf dem Parkplatz des Strandbads in Hagnau eine junge Taxifahrerin ermordet worden ist, hat die ganze Region erschüttert. Nun herrscht zwar Erleichterung, doch ein Rest von Unsicherheit bleibt. "Man denkt ja immer, sowas passiert nur in Großstädten und vor allem nachts", sagt ein Taxifahrer am Bahnhof in Friedrichshafen. "Doch jetzt ist sowas am helllichten Tag passiert und gleich zwei Mal." Er hat die 32-jährige Kollegin gekannt.

"Ich habe mein Vertrauen in die Menschheit verloren", sagt Elke Häusle, die seit sechs Jahren Taxi fährt und ebenfalls am Bahnhof in Friedrichshafen auf Fahrgäste wartet. Sie war eine Kollegin der 32-Jährigen. Beide sind für das gleiche Taxiunternehmen gefahren. "Sie war eine ganz liebe Freundin von uns", sagt Häusle und kämpft mit den Tränen. Ihr fällt es schwer, wieder zu arbeiten. Direkt nach den Überfällen konnte sie nicht fahren. Die Angst, der Schock, die Trauer waren zu stark. "Jetzt fahre ich mit gemischten Gefühlen. Ich traue niemandem mehr", sagt sie und schlägt vor, dass in jedes Taxi Kameras eingebaut werden. "Das hätte der Polizei bei der Suche nach dem Täter doch geholfen."

Ihr Chef hat direkt nach den Überfällen in die Fahrzeuge einen Alarmknopf einbauen lassen, zusätzlich zu dem "stillen Alarm", den es in jedem Taxi gibt: Der Fahrer drückt bei Gefahr einen Knopf, und das Taxi-Licht auf dem Autodach fängt an zu blinken. "Jeder, der ein blinkendes Taxi-Licht sieht, kann davon ausgehen, dass etwas nicht stimmt", sagt Gudrun Häusle, Elke Häusles Schwiegermutter.

Die 65-Jährige fährt seit 30 Jahren selbst Taxi und versucht, das schreckliche Geschehen nicht zu sehr an sich heran zu lassen. Sie fährt weiter, bleibt optimistisch, freut sich über jeden Fahrgast, mit dem sie ein nettes Gespräch führen kann. Doch auch sie wurde schon bedroht, erfuhr einmal im Nachhinein, dass sie einen wegen Mordes Gesuchten kutschiert hatte. Sie ist erleichtert, dass der mutmaßliche Mörder von Hagnau hinter Schloss und Riegel sitzt. "Auch viele Fahrgäste sind froh, dass der Täter geschnappt wurde."

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Erstellt:
15. Juni 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
15. Juni 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2010, 12:00 Uhr

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