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Den nach ihm benannten Preis gibt es nicht mehr

Politologen distanzieren sich von Eschenburg

Der größte deutsche Politologenverband geht auf Distanz zu seinem Gründervater Eschenburg. Den nach ihm benannten Preis gibt es nicht mehr.

29.10.2013

Von RAIMUND WEIBLE

Ein Jahr lang haben die Mitglieder der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW) heftig diskutiert über ihren Altvorderen Theodor Eschenburg. Am Wochenende traf nun der Vorstand die Entscheidung. Er schaffte den nach Eschenburg benannten Preis ab, der seit 2003 alle drei Jahre an einen Politologen für sein Lebenswerk verliehen worden war, zuletzt an den Berliner Claus Offe. Die DVPW-Oberen ließen sich auch nicht von dem Appell der 108 deutschen Wissenschaftler beirren. In einem offenen Brief Mitte Oktober warnten sie davor, den Preis umzubenennen. Das, so schrieben sie, würde ein "weithin sichtbares und unhaltbares Unwerturteil" über einen Mitbegründer der DVPW bedeuten. Man kann davon ausgehen, dass diese Bewertung auch für die Abschaffung des Preises gilt.

Eine Verurteilung will der DVPW-Vorstand gleichwohl nicht ausgesprochen haben. Wie Eschenburg insgesamt zu bewerten sei, bleibe noch offen. Aber der Vorstand fürchtete, die seit mehr als zwei Jahren geführte Kontroverse innerhalb des Verbands könnte die Vereinigung spalten. Die Ehrung mit dem Eschenburg-Preis sollte aber eine integrierende Funktion haben. Und die sei durch den Streit nicht mehr gegeben. Auch so kann man auf Distanz gehen.

Eschenburg, der 1999 im Alter von 94 Jahren gestorben ist, galt lange Zeit als ein Lehrmeister der Demokratie, als eine Lichtgestalt. Der hoch gewachsene Mann mit der Bassstimme gehörte zu den Männern, die der Republik aus dem Chaos halfen, das Adolf Hitler angerichtet hatte. Ohne Eschenburg wäre wohl nie der Südweststaat entstanden. Als Hochschullehrer war er einer von wenigen Politik-Professoren mit großer Wirkungskraft in schwierigen Debatten.

Doch seine Kritiker, und das sind die eher jüngeren Wissenschaftler, kreiden ihm an, dass er sich nicht näher mit seinem Verhalten während der Nazi-Zeit auseinandergesetzt habe. Der Osnabrücker Politologe Rainer Eisold warf Eschenburg vor, bei der Enteignung eines jüdischen Politikers eine Rolle gespielt zu haben. Zudem habe Eschenburg befürwortet, dass belastete Männer wie Hans Globke, der Kommentator der Nürnberger Rassegesetze, in die Regierung von Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) installiert wurden.

14 Jahre nach seinem Tod gibt es eine Debatte über den Tübinger Politologen Theodor Eschenburg. Foto: dpa

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Erstellt:
29. Oktober 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
29. Oktober 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. Oktober 2013, 12:00 Uhr

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