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Jubel bei der Premiere

Politische Oper am Badischen Staatstheater

"Von Helden" heißt das SaisonThema in Karlsruhe. Die Oper "Wallenberg" erzählt von einem, der 100.000 Juden rettete. Viel Jubel bei der Premiere.

09.07.2012

Von OTTO PAUL BURKHARDT

Karlsruhe "Schindlers Liste" kennt jeder. Kaum jemand die Oper "Wallenberg" (2001). Doch auch deren Titelheld, der schwedische Diplomat Raoul Wallenberg, ermöglichte 1944/45 Zehntausenden von Budapester Juden das Überleben, indem er sie mit Schutzpässen vor der Deportation bewahrte. Die Sowjets brachten ihn 1945 nach Moskau, wo er 1947 im Lubjanka-Gefängnis zu Tode gekommen sein soll. Am 4. August jährt sich sein Geburtstag zum 100. Mal.

Die Oper "Wallenberg" des estnischen Komponisten Erkki-Sven Tüür macht es einem nicht leicht. Vor allem, weil Lutz Hübners Libretto sich als Groteske begreift: Er erfindet ein surreales Treffen Wallenbergs mit Eichmann und wirft satirische Schlaglichter auf den Heldenkult, auf den "Wallenbergzirkus". Regisseur Tobias Kratzer bebildert die Geschichte am Badischen Staatstheater als Tierfabel. Die drei Diplomaten, die Wallenbergs Mission einfädeln, agieren im (Angst-)Häschen-Kostüm - mit Blick auf die zögerliche Politik der Alliierten. US-Präsident Ronald Reagan, der Wallenberg 1981 als Ehrenbürger vereinnahmt, tritt im Cowboyhut mit (Platz-)Hirschgeweih auf. Die schutzlosen Juden tragen Küken-Masken, die Nazi-Schergen Schweinsohren: scheinbar plakativ, doch die Regie spielt hier auch auf die Schändung des Budapester Wallenberg-Denkmals durch Rechtsradikale im Mai 2012 an.

Das Ensemble? Famos. Allen voran Tobias Schabels Wallenberg, der mit schönen, dunklen Kantilenen fesselt und am Ende ungläubig eben dieses eigene Denkmal in einer goldglänzenden Jeff-Koons-Version betrachtet, das ihn als Kraftriesen im Kampf mit einer Schlange zeigt. Erst recht die Musik: Die Badische Staatskapelle unter Johannes Willig holt aus der Partitur des Ex-Rockmusikers Erkki-Sven Tüür enorm viel Dramatik heraus - perkussive Rhythmen, Rap-Passagen, grelle Blech-Attacken, magische Streicher- und schwebende Vibraphon-Klänge. Regie, Sänger, Musik - im doppelten Wortsinn fabelhaft. Lang anhaltender Premierenjubel.

Tobias Schabel (oben) spielt "Wallenberg" in Karlsruhe.

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Erstellt:
9. Juli 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
9. Juli 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2012, 12:00 Uhr

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