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Kommentar

Politische Brandstiftung

Dass sich die türkische Regierung über eine Kurden-Demo in Frankfurt erregt – geschenkt.

20.03.2017

Von GERD HÖHLER

Dass der Verteidigungsminister in Ankara jetzt den Bundesnachrichtendienst als Drahtzieher des Putschversuchs vom vergangenen Juli „enttarnt“ – lächerlich. Und dass Staatschef Recep Tayyip Erdogan den inhaftierten „Welt“-Korrespondenten Deniz Yücel als „Spion“ und „Terroristen“ vorverurteilt – leider nicht überraschend.

Man ist inzwischen ja einiges gewohnt im Umgang der türkischen Regierung mit Deutschland und hat sich ein dickes Fell zugelegt. Aber wenn Erdogan jetzt der Bundeskanzlerin persönlich „Nazi-Methoden“ vorwirft und insinuiert, in Europa spiele man mit dem Gedanken an Gaskammern und Konzentrationslager, mutmaßlich um Türken hineinzustecken, sind alle Grenzen der politischen Vernunft und des menschlichen Anstandes überschritten.

Erdogans Plan ist durchsichtig: Er will den Konflikt mit den vermeintlichen „Feinden“ der Türkei im In- und Ausland schüren, um die Reihen seiner Anhänger zu schließen und bei der Volksabstimmung über seine geplante Erdokratie möglichst viele Ja-Stimmen zu mobilisieren. Das ist ein Rezept, das schon viele Despoten ausprobiert haben, vor allem, wenn sie den Verlust der Macht fürchten. Es mag eine gewisse Zeit lang funktionieren, vor allem in einer autoritätsgläubigen Gesellschaft.

Doch es ist ein sehr gefährliches Spiel. Denn es gibt in der Geschichte viele Beispiele dafür, dass diese Taktik der politischen Brandstiftung einen Feuersturm auslösen kann, der eine ganze Weltregion erfasst. Erdogan braucht sich nur in seiner Nachbarschaft umzusehen.

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Erstellt:
20. März 2017, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
20. März 2017, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 20. März 2017, 06:00 Uhr

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