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Lustnauer Wohlfühl-Oase

Polens Nationaltrainer Mike Taylor erholt sich nach der EM bei der Familie

In Warschau geht er nicht mehr unerkannt durch die Straßen, spätestens nach den spektakulären Auftritten bei der Basketball-Europameisterschaft hat sich Nationaltrainer Mike Taylor in Polen einen Namen gemacht. Nach dem EM-Stress erholt sich der einstige Ulmer Trainer im beschaulichen Lustnau bei der Familie: Tübingen ist hinter den USA und Warschau zu Taylors dritter Heimat geworden.

24.10.2015
  • Bernhard Schmidt

Tübingen. Wo ist Luke? Das fragen sich die Star-Wars-Fans vor dem Kino-Start der siebten Episode. Mike Taylor weiß, wo er ist. Luke, gerade erst zwei Monate alt geworden, ist allgegenwärtig, hält die Großfamilie Dietl in Lustnau auf Trab und bei guter Laune. „Ich bin so dankbar für diese Zeit in Tübingen, mit der Familie, dem Baby“, sagt Taylor, verheiratet mit Alice Dietl, der Tochter von Gerry Dietl, der Center-Legende des SV 03 Tübingen. Es folgt eine Liebeserklärung an seine Frau und ihre Familie, aber auch an die Stadt am Neckar. Dabei ist es die Ironie des Schicksals, dass er jetzt ausgerechnet auch in Tübingen heimisch ist, am Standort des ewigen Bundesliga-Rivalen, dem er mit seinen Ulmern schon so viele schmerzhafte Niederlagen zugefügt hat.

Taylor, acht Jahre lang Trainer beim Erz-Rivalen, erholt sich derzeit in Lustnau vom EM-Stress. Seit 2014 trainiert der US-Amerikaner hauptverantwortlich die polnische Basketball-Nationalmannschaft – und hat Zeichen gesetzt. Für erstes Aufsehen sorgten schon die beiden Siege gegen Deutschland im Vorfeld der Europameisterschaft. In der EM-Vorrunde im südfranzösischen Montpellier brachte er die Fachwelt dann erst recht zum Staunen.

Noch mehr als der Auftaktsieg über Bosnien, wurde in Polen der unerwartete 82:79-Sieg über Russland gefeiert. Mit nur drei Punkten Unterschied unterlagen Taylors Jungs danach Frankreich. Eine Verlängerung wäre drin gewesen, erzählt Taylor – hätte nur Polens Star Marcin Gortat, früher Köln, heute bei den Washington Wizzards in der NBA, den finalen Dreier getroffen. Frankreichs NBA-Star Tony Parker, erzählt Taylor, habe ihm nach dem Spiel zur starken Leistung seines Teams gratuliert. Erst im Achtelfinale gegen Spanien und einen übermächtigen Pau Gasol war dann Endstation.

NBA-Engagement wäre die Karriere-Krönung

„Die EM war für mich eine tolle Erfahrung“, sagt der 43-Jährige, bekennender Gortat-Fan, der aber trotzdem vor allem den Teamgeist seiner Auswahl in den Vordergrund rückt. „Die Spieler haben den ganzen Sommer für die Vorbereitung geopfert. Ich bin glücklich, mit so unkomplizierten und leistungsbereiten Spielern arbeiten zu können.“

Die in den Medien allgegenwärtige Europameisterschaft mit NBA-Star Gortat hat dem Basketball in Polen einen gewaltigen Schub verpasst, einige Projekte zur Förderung der Sportart sind seither angeschoben worden. Und der bis 2017 laufende Vertrag mit dem Erfolgstrainer wird wohl demnächst verlängert. Grundsätzlich sei er sich mit dem Verband einig, bei der Rückkehr Anfang November nach Warschau werde wohl alles klar gemacht, sagt Taylor.

Es sei immer ein Traum und Teil seiner Karriereplanung gewesen, Nationaltrainer zu werden, sagt Taylor, der zuvor schon die tschechische Auswahl vier Jahre lang als Co-Trainer betreute: „Nationaltrainer, das war einfach der nächste logische Schritt.“ Wie in anderen Ländern auch, beschränkt sich die intensive Arbeit mit der polnischen Auswahl auf den Sommer, auf die Vorbereitung auf die großen Events, auf die Qualifikationen und die folgenden internationalen Turniere. Läuft in den nationalen Ligen der Betrieb auf vollen Touren, knüpft Taylor am Netzwerk, hält den Kontakt zu den Verbandsfunktionären, reist viel, beobachtet polnische Spieler in Europa und in den USA.

Trotzdem bliebe noch ausreichend Zeit, einen Erstligisten zu trainieren. Bei einem europäischen Spitzen-Verein würde er gern anheuern – oder, so Taylors großer Traum, bei einem Club in der amerikanischen Heimat, möglichst in der NBA. Wie der US-Kollege Chris Flemming, der die deutsche Nationalmannschaft trainiert und in der laufenden NBA-Saison als Assistent-Coach die Denver Nuggets betreut. Für Taylor wäre es kein Neuland: Er hat schon im Trainer-Team der Boston Celtics und mit einigen D-League-Teams reichlich Erfahrung gesammelt. Taylor: „Ich nehme jede Tür, die sich da öffnet.“ Für sein weltumspannendes Engagement zeige seine gerade Mutter gewordene Frau glücklicherweise viel Verständnis. „Den Basketball-Trubel ist sie ja schon ein bisschen von ihrem Vater gewohnt.“

Dank der Telekom-Liveübertragungen hat Taylor auch die Basketball-Bundesliga fest im Auge. Was mit Ulm passiert, mit dem Verein, mit dem er einst ins Oberhaus aufgestiegen war und der ihn nach acht erfolgreichen Jahren ziemlich kalt abservierte, interessiert Taylor weniger, Kontakte dorthin gibt es keine mehr. Mehr schon interessiert ihn das Schicksal der Tübinger Walter Tigers. Was nicht zuletzt an Schwiegervater Gerry Dietl liegt, der einst für Tübingen die Bälle vom Korb pflückte und nun mit ihm die Spiele im Sofa vor dem Fernseher verfolgt.

Zusammen mit dem Schwiegervater drückt er den Tigers die Daumen, hofft, dass sie nicht wieder in den Abstiegsstrudel geraten. Zu Heimspielen in die Paul-Horn-Arena kommt Taylor aber nur, wenn alte Bekannte wie in der vergangenen Saison Chris Flemming oder Hendrik Rödl zum Gastspiel in Tübingen sind. Denn das wäre das Allerletzte, was Taylor will: sich in kritischer Lage öffentlich als Alternative zu Tigers-Chefcoach Igor Perovic zu präsentieren. „Ich will Igor und sein Team erfolgreich sehen“, sagt Taylor, „er arbeitet sehr hart.“

Polens Nationaltrainer Mike Taylor erholt sich nach der EM bei der Familie

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24.10.2015, 12:00 Uhr
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