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Stolze Sammlung

"Poesie der Farbe" in der Staatsgalerie Stuttgart

Ein öffentliches Museum kann ruhig zeigen, was es hat, findet die Chefin der Staatsgalerie Stuttgart. Und handelt danach: Die Ausstellung "Poesie der Farbe" präsentiert Klassische Moderne aus dem Bestand.

22.10.2015
  • LENA GRUNDHUBER

Stuttgart Tausendmal gesehen, denkt man. Und dann schaut man, und schon haben sie einen wieder: Wassily Kandinskys leuchtende Abstraktionen, Emil Noldes lodernde Meere, Marcs gelb verknäulte Pferde. Hat man eigentlich jemals seine zart hellrot kolorierten "spielenden Füchse" gesehen?

Zumindest lange nicht mehr, und wenn dann nicht so! Würde Christiane Lange, Chefin der Stuttgarter Staatsgalerie, an dieser Stelle wohl triumphierend ausrufen. Jetzt aber flitzen sie direkt am Eingang übers Blatt, so lebendig wie gerade erst gezeichnet. So lebendig wie eine Museumssammlung, wenn man ihr Aufmerksamkeit schenkt.

Würde Christiane Lange sagen. Denn die aktuelle Ausstellung in der Stirling-Halle ist auch als kulturpolitisches Statement zu verstehen, als Bekenntnis zum eigenen Bestand. 26 Gemälde und 160 Zeichnungen und Druckgrafiken der Klassischen Moderne - Dauerleihgaben inklusive - hat man aus der ständigen Sammlung und den Depots zu einer Schau unter dem Titel "Poesie der Farbe" komponiert; zwei Drittel der Werke wurden selten oder noch nie in Stuttgart gezeigt, sagt Kuratorin Corinna Höper.

Bilder, die überall auf der Welt "bella figura" machen, betont Christiane Lange. Warum sie nicht zuhause herzeigen? Ihr Anliegen ist klar formuliert: "Bürgerstolz" auf die Sammlung will sie wecken. Das kapitalistische Modell vom ständigen Wachstum gefährde auch die Museen, hat sie jüngst in einem Interview mit der "FAZ" erklärt, und sie sagt es gern noch einmal: Eine exponentiell ansteigende Zahl von Museen kämpfe um das Publikum, im Wettstreit um Besucherzahlen. Im Wettrüsten mit teuren Blockbuster-Ausstellungen aber gerieten die eigentlichen Aufgaben - Sammeln, Forschen, Bewahren - in Vergessenheit: "Ein öffentliches Museum hat eine Sammlung und ist nicht nur für Wechselausstellungen da." Auf einfache Lösungen will Lange sich nicht festlegen, aber den Diskurs will sie anstoßen. Ausdiskutiert werden soll das Thema bei einem Symposium Ende November über die "Grenzen des Wachstums".

Dass sie mit der aktuellen Ausstellung selbst den breiten Publikumsgeschmack bedient, will Lange gar nicht bestreiten. Auch die Staatsgalerie muss schließlich Besucherzahlen generieren, und das geht über ein emotionales Thema wie die Farbe besonders gut.

Die Primärfarben Blau, Gelb und Rot leiten durch die Schau, die auch reichlich Grafik enthält. "Blau ist das männliche Prinzip, herb und geistig. Gelb das weibliche Prinzip, sanft, heiter und sinnlich. Rot die Materie, brutal und schwer", schrieb Franz Marc. Entsprechend macht der "Blaue Reiter" den Anfang, führt von Kandinsky, Marc und Macke zu Jawlensky, dessen Porträt des Tänzers Alexander Sacharoff auch als Studie auf der Rückseite zu sehen ist; seine Leihgaben-Karriere kann man anhand der Aufkleber nachvollziehen.

Über Noldes Farblandschaften geht es zum aggressiven "Rot" der aufgewühlten Zwischenkriegszeit in den provokanten Blättern von Grosz und geradewegs in Desaster Nummer zwei, das Max Beckmann 1942 mit seiner "Apokalypse" zu bewältigen suchte. Manchmal beginnt die Farbe erst vor schwarz-weißen Linien zu schweben, wie bei Paul Klee, der 1916 blauen Stern und grünen Mond als Hoffnung über die Zerstörung setzt. Im grotesken "Gelb" dürfen dann alle nochmal spinnen: selbstmörderische Stubenmädchen, schwüle Liebesszenen, wacklige Drahtseilakte und ein rätselhafter rosa Karpfen beschließen den Rundgang. Und da sind sie wieder, die flitzenden Füchslein - gerne auf ein nächstes Mal.

"Poesie der Farbe" in der Staatsgalerie Stuttgart
Auch von der Rückseite zu sehen ist Jawlenskys Porträt des Tänzers Sacharoff.

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22.10.2015, 12:00 Uhr
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