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Keine Seelöwen mehr in San Francisco

Plötzlich ist Pier 39 vor Fishermans Wharf leer - Mysteriöses Verschwinden hunderter Tiere

Eine laute und stinkende Touristenattraktion ist aus San Francisco verschwunden: die Seelöwen am Pier 39. Zurück bleiben leere Docks und enttäuschte Touristen. Meeresforschern ist das Verschwinden rätselhaft.

04.07.2014

Von DPA

San Francisco Gewöhnlich ist das Gebrüll in San Franciscos Fishermans Wharf weithin zu hören. Folgen Besucher dem Gestank alter Fischreste, entdecken sie normalerweise eine riesige Horde von Seelöwen, die sich auf den Bootsstegen vor Pier 39 aalen. Doch seit einer guten Woche herrscht hier Totenstille. Die rülpsenden Krachmacher sind urplötzlich untergetaucht.

"Das ist wirklich mysteriös", sagt der Veterinär Shawn Johnson vom Marine Mammal Center, einer Klinik für Meeressäuger in Sausalito. Im Frühsommer ziehen die Seelöwenweibchen in den Süden Kaliforniens, um ihren Nachwuchs zur Welt zu bringen. Dutzende Männchen bleiben auf dem Hafenpier zurück. Möglicherweise sind die Tiere diesmal einem großen Fischschwarm gefolgt, mutmaßt Johnson. Doch alle auf einen Schlag? Das ist rätselhaft.

Das Spektakel hatte mit einer Handvoll Seelöwen im Herbst 1989 begonnen, als sich San Francisco gerade von dem Schock des schweren Oktober-Erdbebens erholte. Rasch wuchs die Kolonie auf mehrere hundert an. Im Herbst 2009 drängten sich 1700 Tieren Flosse an Flosse auf den schwankenden Holzstegen. Und dann waren sie - wie jetzt - Ende November 2009 plötzlich weg. Experten glaubten, dass sie einer kalten Wasserströmung mit reichlich Futter nach Norden folgten. Wenige Monate später kehrten sie zurück und zogen seither zur Freude der Schaulustigen wieder die tägliche Show auf den Docks ab.

"Ich hoffe wirklich, dass sie zurückkommen", sagt die Französin Sanita Skribe. Mit ihren beiden Kindern schaut sie auf die leeren, abgewetzten Stege. "Vielleicht sind sie im Sommerurlaub." Auch Jolie Bondeline aus New Orleans will es nicht glauben. "Gewöhnlich sind alle Docks mit Leibern besetzt und jeder Platz ist heiß umkämpft, das ist eine herrliche Show."

Sue Muccin, die Sprecherin von Pier 39, sagt, es sei "ganz normal", dass die Zahl der Seelöwen im Sommer schrumpft. Die Geschäftsleute und Betreiber des Ausflugs-Piers hoffen natürlich, dass die kostenlose Attraktion schnell zurückkehrt.

Auch die Experten rechnen damit, dass die Seelöwen ihren langjährigen Stammplatz wieder einnehmen. "Das ist ein geschützter Platz in der Bucht, verglichen mit den Felsen und hohen Wellen entlang der Küste", meint Johnson.

Werden kranke oder verletzte Seelöwen gesichtet, so rufen die Pier-Betreiber das Marine Mammal Center zur Hilfe. Mit dem plötzlichen Verschwinden der Meeressäuger in der Bucht von San Francisco ist nun auch die Zahl der Patienten drastisch gesunken. Johnson: "Vor kurzem war es täglich noch bis zu zehn kranke Tiere, um die wir uns kümmern mussten, jetzt ist es oft nur ein neuer Patient am Tag."

Holzplanken anstatt Seelöwen-Spektakel: Pier 39 in San Francisco. Foto: dpa

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Erstellt:
4. Juli 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
4. Juli 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. Juli 2014, 12:00 Uhr

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