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Geldinstitute

Pleitegefahr für kleine Banken

Der jüngste Stresstest zeigt, wie schwach die Rentabilität teilweise ist.

24.09.2019

Von ROLF OBERTREIS

Joachim Wuermeling: Annahmen der Banken zu optimistisch. Foto: Bernd von Jutrczenka

Frankfurt/Main. Bundesbank und Finanzaufsicht Bafin rechnen im nächsten Jahr mit einer „mittleren zweistelligen Zahl“ von Pleiten bei kleineren und mittelgroßen Banken. Grund sei eine zu schwache Kapitalausstattung, um Belastungen durch anhaltende Niedrigzinsen, die konjunkturelle Eintrübung und Auswirkungen des Handelsstreits zwischen den USA und China tragen zu können. „Ich sehe zwar keine Flut von Bankpleiten, aber für manche wird es schwer“, sagte Bafin-Exekutivdirektor Raimund Röseler bei der Vorstellung der Stresstest-Ergebnisse und der Umfrage unter mehr als 1400 Banken und Sparkassen zu ihrer Ertragslage und Widerstandsfähigkeit.

Privatkunden müssen mit Belastungen rechnen. „Banken ziehen vermehrt auch eine mögliche Weitergabe negativer Zinsen in Betracht“, betonte Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Wuermeling. Im Durchschnitt erwirtschaften kleinere und mittelgroße Geldhäuser, so die Erkenntnisse des alle zwei Jahre angesetzten Stresstests, nur niedrige Gewinne. „Die Rentabilität ist schwach“, sagt Röseler. Allerdings hätten über 90 Prozent der Institute „mit einem harten Stress kein Problem“. Zu einzelnen Instituten machen Bundesbank und Bafin keine Angaben.

Stresstest und Umfrage beziehen sich auf die Lage der Institute zum Ende vergangenen Jahres und analysieren ihre Planungen bis 2023. Das Stressszenario unterstellt einen starken Zinsanstieg, Kreditausfälle, hohe Abschläge auf Vermögenswerte und eine schwere Wirtschaftskrise. Das alles führt zu einer Einbuße beim wichtigen Eigenkapital zur Absicherung von Risiken durch Kredite und Vermögenswerte. Die dafür relevante Kapitalquote würde sich um 3,5 Punkte auf 13 Prozent reduzieren. Bei über 2023 anhaltenden niedrigen Zinsen würden die Probleme deutlich zunehmen. In ihren Planungen sind die Institute laut Wuermeling „zu optimistisch“. Die Hälfte hätte eine Zinswende zugrunde gelegt, die andere Hälfte gehe von konstanten Zinsen aus.

Die Geldhäuser müssten ihre Strategien weiterentwickeln. Negativzinsen sind eine Option. Knapp die Hälfte der Institute ist dazu bereit. Auch die Bereitschaft zu Fusionen ist gewachsen.

Während die Kreditwirtschaft die Ergebnisse als Beleg für die Widerstandsfähigkeit der Institute betrachtet, haben Kritiker Vorbehalte. Die Aussagekraft des Tests sei gleich Null, solange nur Durchschnittswerte präsentiert würden, sagt Sven Giegold, Finanzexperte und Europa-Abgeordneter der Grünen. Bafin und Bundesbank sollten wie die Europäische Bankenaufsicht, detaillierte Ergebnisse für jede Bank veröffentlichen. Rolf Obertreis

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Erstellt:
24. September 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
24. September 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. September 2019, 06:00 Uhr

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