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Städtebau

Platz für Wohnungen und frische Luft

Die Konzerne Allianz sowie „Wüstenrot und Württembergische“ verlassen ihre Standorte im Kessel. Die Areale im Westen sollen neu gestaltet werden.

15.08.2019

Von JÜRGEN SCHMIDT

Die beiden Allianz-Hochhäuser bei der Karlshöhe bremsen die Frischluftzufuhr in den Stuttgarter Westen. Foto: Jürgen Schmidt

Große Veränderungen bahnen sich in den kommenden Jahren im Stuttgarter Westen an. Weil die Versicherungskonzerne Allianz und „Wüstenrot und Württembergische“ (W&W) ihre Standorte im Kessel aufgeben, können deren Gewerbeareale neu genutzt werden. Die Stadtverwaltung strebt an, dass dort vor allem neue Wohnungen entstehen.

Das Ziel ist klar. Die Allianz will für ihre rund 4500 Mitarbeiter in Stuttgart, die derzeit vor allem an zwei Standorten – rund um die Reinsburgstraße und in der Nähe des Charlottenplatzes – arbeiten, einen neuen Bürocampus bauen. Der soll in Vaihingen am Rande des sogenannten Synergieparks auf den heutigen Sportplätzen des TSV Georgii Allianz entstehen. Das Gelände gehört dem Münchner Versicherungskonzern. Mit dem Bau eines neuen Kunstrasenplatzes als Ersatz für die Fußballer des Vereins hat die Allianz vor kurzem begonnen.

Wann dann der Bau des neuen Bürokomplexes startet, ist offen. Da hält man sich bei der Allianz derzeit noch bedeckt. Man wolle der Stadt da nicht vorgreifen, sagt eine Unternehmenssprecherin. Denn die muss für das Gelände zunächst einen Bebauungsplan aufstellen. Da es gegen das Allianz-Projekt in Vaihingen durchaus Widerstände gibt, wird es noch einige Monate dauern, bis alle Einwendungen abgearbeitet sind. „Wir sind optimistisch, dass wir den Bebauungsplan Anfang nächsten Jahres beschließen können“, sagt der Leiter des Stadtplanungsamtes, Detlef Kron.

Der Umzug der Allianz könnte dann bis 2023 über die Bühne sein und im gleichen Jahr die Neugestaltung in der Weststadt beginnen. Vorstellungen, was dort möglich und wünschenswert ist, haben die Stadtplaner formuliert, als sie kurz vor der Sommerpause den Antrag zur Aufstellung eines Bebauungsplanes für das Gebiet im Stuttgarter Westen in den Ausschuss für Umwelt und Technik eingebracht haben. Angestrebt sei, dass rund die Hälfte der zur Verfügung stehenden Fläche für Wohnungen genutzt werde, sagt Kron.

Darüber hinaus will die Kommune deutlich mehr Grün in das Stadtviertel bringen und das Stadtklima verbessern. Dem stehen allerdings die beiden 11- und 15-stöckigen Allianz-Hochhäuser am Fuß der Karlshöhe im Weg. Sie blockieren nicht nur die Frischluftzufuhr für den Talkessel entlang des Nesenbachs, sondern werden auch als „höchst problematisch“ für das Stadtbild eingestuft.

Das Aus für den über 50 Meter hohen Gebäudekomplex aus den 1970er Jahren bedeutet dies aber keineswegs. Die Hochhäuser genössen Bestandsschutz, erklärt Kron. Wenn sich der Eigentümer allerdings zum Abriss entscheiden würde, würde ein Neubau keinesfalls in der gleichen Höhe genehmigt werden.

Eigentümer der frei werdenden Flächen im Stuttgarter Kessel ist nicht die Allianz. Die Flächen und Gebäude gehören verschiedenen Immobilienentwicklern und sind derzeit nur angemietet. Man habe mit den Investoren erste Gespräche geführt, sagt der oberste Stadtplaner der Landeshauptstadt. Was diese selbst planen, sei aber derzeit noch offen. Es seien aber für die künftige Nutzung und Entwicklung der Areale Machbarkeitsstudien geplant.

Anders als die Allianz ist Wüstenrot und Württembergische Eigentümerin des bisherigen Unternehmenszentrale. Der Versicherungs- und Bausparkonzern will das Areal am Feuersee auch selbst entwickeln, wenn der Umzug auf den neuen Campus in Kornwestheim vollzogen ist. Die letzten Gebäude sollen dort in unmittelbarer Nachbarschaft des Wüstenrot-Hochhauses bis 2023 bezugsfertig sein. Ein Teil der Mitarbeiter ist schon umgezogen. Schon vor drei Jahren hatte W&W angekündigt, dass dann auf dem Areal am Feuersee rund 200 neue Wohnungen entstehen könnten.

Wie viele Wohnungen dank des Umzugs der beiden Versicherungen im Stuttgarter Westen insgesamt geschaffen werden können, da will sich Detlef Kron noch nicht festlegen. „Es wird eine namhafte Zahl“, so der Stadtplaner.

Neue Wohnungen auf großen Flächen

Der Westen Stuttgarts gewinnt nicht erst durch den Umzug von Allianz und Wüstenrot und Württembergische als Wohnquartier an Bedeutung. In den vergangenen Jahren sind dort laut Stadtplanungsamt bereits etwa 1000 neue Wohnungen entstanden.

Alleine auf dem Gelände des ehemaligen Kinderkrankenhauses, dem Olgäle, sind es 224, mehr als die Hälfte davon als geförderte Sozialwohnungen. Und auf dem früheren AOK-Gelände neben dem Bosch-Areal entstanden 179 Wohnungen, allerdings ausschließlich im gehobenen Preissegment. ⇥jüs

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Erstellt:
15. August 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
15. August 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. August 2019, 06:00 Uhr

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