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Platz für Kinder und Kisten
Gut behelmt und gesichert darf Mio mit seinem Vater Friedrich Haupt im Fahrrad durch Konstanz fahren. Foto: Petra Wahlheim
Konstanzer testen Miet-Transporträder – Stadt hofft auf weniger Autofahrten

Platz für Kinder und Kisten

Auch Konstanz erstickt im Autoverkehr. Um das zu ändern, wird getestet, ob die Bürger bereit sind, für Einkäufe statt des Autos Transport-Räder zu nutzen.

04.08.2016
  • PETRA WALHEIM

Konstanz. In Konstanz gibt es für Kindergeburtstage eine neue Attraktion: das Transport-Fahrrad. Friedrich Haupt hatte gerade so ein Fest. Für die Kinder sei die Fahrt im Transport-Fahrrad das Größte gewesen, erzählt er Marco Walter. Der hat die Transport-Fahrräder nach Konstanz gebracht. In Haupts Lasten-Fahrrad sitzt an diesem Nachmittag sein Sohn Mio. Gut gesichert mit Helm auf dem Kopf und angeschnallt. So wie es sein muss.

Friedrich Haupt ist einer von mehreren Konstanzern, die die neuen Transport-Fahrräder einige Tage lang testen. Sie sind Teil eines Modell- und Forschungsprojekts, bei dem es um nachhaltige Mobilität geht. Es soll herausgefunden werden, ob die Transport-Fahrräder mehr Konstanzer dazu bringen, das Auto stehen zu lassen und mit den Rädern zum Einkaufen zu fahren, mit den Kindern zum Baden zu strampeln oder Getränkekisten zu transportieren. Gerade die schweren Getränkekisten sind für viele das Argument, das Auto zu benutzen.

In Konstanz zieht das nicht mehr. In der Altstadt, im Stadtgebiet Paradies und im Stadtteil Petershausen-West, jeweils in der Nähe von großen Wohnanlagen, wurden zwölf Mietstationen für die Fahrräder errichtet, die alle eine Acht-Gang-Schaltung haben. 24 Räder stehen zur Verfügung: 16 Zweiräder mit Platz für zwei Getränkekisten oder zwei Kinder oder einen Großeinkauf. 80 Kilogramm können zugeladen werden. Die acht Dreiräder schaffen mehr. Darin haben vier Kinder Platz oder vier Getränkekisten oder vieles andere, das bis zu 100 Kilogramm wiegen darf. Jeder Sitzplatz im Lastenträger ist mit einem Sicherheitsgurt ausgestattet, so dass Kinder sicher transportiert werden können.

Die Fahrt mit den Lasten-Fahrrädern ist gewöhnungsbedürftig. Selbst wenn sie leer sind, verhalten sie sich anders als normale Fahrräder. Deshalb empfiehlt Marco Walter jedem, der das Rad zum ersten Mal benutzt, es leer anzutesten, um ein Gefühl dafür zu bekommen. „Ich habe etwa fünf Minuten gebraucht, um damit zurecht zu kommen“, sagt Friedrich Haupt. Er hat sich für ein Zweirad entschieden. „Die sind wendiger und flotter“, sagt er.

Marco Walter ist der Initiator des Projekts mit Namen TINK und auch deutschlandweiter Projektleiter. Denn das Vorhaben gibt es auch in Norderstedt bei Hamburg. TINK steht für Transportrad Initiative Nachhaltiger Kommunen. Das Ziel ist, in den zwei Städten umfassende Transportrad-Mietsysteme aufzubauen, um so den Autoverkehr in den Städten zu reduzieren. Möglicherweise wird das längerfristig gelingen. Doch eine unmittelbare Folge des Projekts ist, dass der Verkehr entschleunigt wird. Denn für Autofahrer ist es nicht leicht, diese Transporträder zu überholen. Durch die Lastenboxen gehen die Räder – vor allem die Dreiräder – ziemlich in die Breite und brauchen Platz.Friedrich Haupt, der zusammen mit anderen Konstanzern einige der Räder für ein paar Tage kostenlos im Dauergebrauch hat, hat bislang nur gute Erfahrungen damit gemacht. „Ich werde ständig darauf angesprochen, wie das mit dem Mietsystem funktioniert, was es kostet, wo es die Fahrräder zu mieten gibt – und woher die tollen Namen kommen.“ Die Räder heißen zum Beispiel Sprudel-Sprinter, Kinder-Kutsche, Party-Pick-up, Flohmarkt-Flitzer oder Schnäppchen-Schlepper. Die sollen Anregungen für die Nutzung geben.

„Das Transportrad macht glücklich.“ Diese Rückmeldung habe ihm vor zwei Tagen ein anderer Tester gegeben, sagt Marco Walter. Das Fahren mit den Rädern sei hoch kommunikativ, und es entstünden schöne Gespräche, habe der Tester berichtet. Das Interesse der Konstanzer sei groß, sagte auch er.

Das Mieten der Räder ist bislang noch ein wenig problematisch, weil die Bordcomputer, mit denen sie ausgestattet werden sollten, noch nicht geliefert wurden. Ob mit oder ohne Computer, jeder, der ein Rad fahren möchte, muss sich auf der Homepage www.tink.bike/konstanz registrieren. Sobald die Räder über die Bordcomputer vernetzt sind, sieht jeder auf einer Karte, wo welche Fahrräder frei sind. Bis dahin läuft die Buchung über SMS. Wer ein Rad mieten möchte, schickt eine SMS mit der Radnummer an eine zentrale Nummer und bekommt als Antwort den Code für das Schloss.

Abgestellt werden können die Räder an der nächstliegenden Station. Die Mitarbeiter eines Fahrradladens, der mit der Wartung und Betreuung der Räder beauftragt ist, muss auch dafür sorgen, dass die Mieträder gleichmäßig auf die Stationen in der Stadt verteilt sind. Und dass sie auch fahrbereit sind. Denn nichts verhagelt in Konstanz seit neuestem ein Fest zum Kindergeburtstag so sehr, wie wenn kein Transport-Fahrrad zur Stelle ist.

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04.08.2016, 06:00 Uhr
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