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Pacht per Mausklick

Plattform mystueckle.de erleichtert Vermittlung von Streuobstwiesen

Netzwerk Streuobst, Stadt verwaltung und Arbeit in Selbsthilfe haben städtische Allmandteile bis ins kleinste Detail kartografiert. Wer pachten möchte, kann das jetzt vom Sofa aus tun.

29.10.2015

Von Moritz Siebert

Mössingen. Wer früher von der Stadt einen Allmandteil pachten wollte, musste sich auf dem Rathaus auf historischen Karten zeigen lassen, wo noch ein Stückle frei ist. Wie viele und was für Bäume in den jeweiligen Parzellen standen, darüber gab es keine klare Auskunft. Vom Zustand ganz zu schweigen, und bis der neue Pächter dann endlich sein Stück zugewiesen bekam, dauert es lange.

Das muss einfacher gehen, fanden die Engagierten von der Initiative „Netzwerk Streuobst“. Im Jahr 2014 kam die Idee auf, die städtischen Allmandteile detailliert zu kartieren. Mit Hilfe der Stadt und der „Arbeit in Selbsthilfe“ erfasste das Netzwerk sämtliche Daten der städtischen Streuobstwiesen, vom Umfang jedes einzelnen Baumes bis zum Prozentanteil an Totholz. Die Ergebnisse wurden in eine Plattform eingepflegt: Auf der Internetseite „mystueckle.de“ können Pachtwillige ihre Wünsche für Baumbestand und Zustand eines Stücks in eine Suchmaske eingeben. Das System spuckt dann eine Auswahl an Flächen aus mit allen notwendigen Informationen dazu (siehe Info-Box).

„Weltläufig bodenständig“, beschreibt Uli Eder vom Netzwerk Streuobst die Plattform, „oder auch: Streuobst 2.0“. Stadt und Netzwerk wollen mit dem Projekt Bürger zur Pacht motivieren, erklärt Eder, und deswegen sollen sie auch die notwendige Unterstützung und Information erhalten. Das Netzwerk wolle mit der Plattform gezielt auch junge Familien ansprechen. Gefördert wird das Projekt, das zwei Jahre lang läuft, mit Plenum-Geldern. Kolja Schümann, Geschäftsführer des Vereins Vielfalt, der die Fördergelder koordiniert, hofft, dass das Modell in anderen Kommunen Nachahmer findet.

„Wenn man die Landschaft erhalten will, muss man sie pflegen“, betont Oberbürgermeister Michael Bulander: „Und das ist keine einfache Aufgabe.“ Die Stadt Mössingen erhofft sich mit der Website, dass die eigenen Bestände künftig besser gepflegt werden. Eine Aufgabe, die für die Besitzerin selbst nicht zu bewältigen sei, so Bulander: „Ohne privates Engagement schaffen wir das nicht.“ Insgesamt stehen auf Mössinger Gemarkung rund 40 000 Bäume, ein Viertel davon auf städtischem Grund. Viele der Stücke auf den rund 230 Hektar Streuobstwiese sind zur Zeit nicht verpachtet und verwildern.

Lange seien die Streuobstwiesen auch nicht als landschaftsprägend aufgefasst worden, erinnert sich Bulander. Erst in den vergangenen Jahren habe ein Umdenken eingesetzt. „Nicht jede Stadt hat 10 000 Bäume. Das ist eine Hypothek, die wir haben.“ Das Streuobst-Kataster hat für die Beteiligten noch weitere Vorteile, außer dass Stücke ohne Hürden an Pächter gebracht werden können. Mit der Erfassung hat die Stadt eine Übersicht über den Zustand der städtischen Streuobstwiesen gewonnen. Auf der Datengrundlage können Initiativen auch weitere Projekte starten, erklärt Sabine Mall-Eder vom Netzwerk. Weil auch sämtliche Obstsorten erfasst sind, hilft es bei Ernteaktionen. Im Zuge der Kartierung hat auch der Nabu Nisthilfen in den jeweiligen Gebieten verteilt.

mystueckle.de

Die eigene Streuobstwiese am Fuß des Farrenbergs? Über eine neue Internet-Plattform soll jeder ein passendes Stückle finden.

Seit Donnerstag ist die Internet-Plattform mystueckle.de online. Der Auftritt ist in drei Kategorien unterteilt. Unter Wissen sind Anforderungen an den Pächter und Informationen zum Naturschutz aufgelistet. Man erfährt, wie die Pacht funktioniert und wo es Hilfe gibt. Unter Suchen können die Pachtwilligen in einer Suchmaske ihre Wünsche für ein Stückle eingeben: wie viele Bäume, welche Obstsorten, welcher Pflegezustand oder Erreichbarkeit. Unter Zeigen erfahren die Interessierten dann , wo ein Stückle liegt, das mit den angegebenen Suchkriterien übereinstimmt. Aufgelistet wird etwa Alter, Höhe und Stammdicke der Bäume, ihr Zustand und der Anteil an Totholz. Die Website ist mit Google-Maps verlinkt, um zu sehen, wo genau welcher Baum steht. Ein Beschilderungssystem an Bäumen hilft bei der Orientierung. Der Pächter muss Auflagen einhalten, zum Beispiel zwei mal im Jahr mähen. Er darf das Stück nicht einzäunen, nicht bebauen und keine Grillstelle errichten. Eine Kündigung ist jederzeit möglich. Die Pacht beträgt 6,50 Euro im Jahr für einen Allmandteil. Auf den rund 10 Ar großen Stücken stehen meist zehn Bäume. Noch ist die Website nicht mit allen Daten gefüttert. Die aktuell kartierten Stücke befinden sich alle direkt am Farrenberg.

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Erstellt:
29. Oktober 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
29. Oktober 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. Oktober 2015, 12:00 Uhr

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