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Vor 75 Jahren wurde Lustnau eingemeindet

Planen statt feiern

Um die Vergangenheit und um die – bauliche – Zukunft Lustnaus ging es beim Bürgerempfang am Samstag. Vor 75 Jahren wurde das Dorf am Goldersbach nach Tübingen eingemeindet.

19.10.2009

Von DOROTHEE HERMANN

Lustnau. Die Angliederung des eigenständigen Dorfs Lustnau an die Stadt Tübingen im Jahr 1934 sei für Lustnau „nicht unbedingt ein Anlass zu feiern“, sagte Tobias Glemser, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Lustnauer Vereine vor rund 230 Gästen beim Bürgerempfang am Samstag. Die Lustnauer wollten bewahren, „was Lustnau noch als Dorf ausmacht“. Deshalb feierten sie alle zwei Jahre „ein Dorffest – und kein Stadtteilfest“. Die Einheimischen bewege derzeit vor allem, „wie es weitergehen wird in Lustnau, vor allem baulich“, so Glemser. Die Lustnauer Vereine stellten sich vor und luden zum Sektempfang. Der Musikverein und der Liederkranz spielten auf.

Oberbürgermeister Boris Palmer konnte die Fest-Skepsis teilweise nachvollziehen: Lustnau sei 1934 von den Nazis zwangseingemeindet worden. Andererseits sei manche Vereinbarung von damals immer noch wirksam: etwa die Kraftomnibus-Linie von Derendingen nach Lustnau. Die Stadt Tübingen kümmere sich darum, „dass die Verkehrsverbindung stimmt“. Außerdem profitiere Lustnau von den nahen Uni-Einrichtungen in Tübingen, so Palmer.

Wäre das einst wirtschaftlich starke Lustnau eigenständig noch in der Lage, die Egeria-Flächen zu kaufen oder eine eigene Planung zur Stadtentwicklung vorzulegen?, gab der Oberbürgermeister zu bedenken. Tübingen hingegen hätte es schwer, eine städtebauliche Entwicklung „in den alten Gemarkungsgrenzen“ zu realisieren. Deshalb regte Palmer an, den Zusammenschluss als „in der Summe gelungen“ zu betrachten.

Der langjährige Tübinger Kulturamtsleiter Wilfried Setzler erinnerte an die Anfänge Lustnaus als alemannisches Dorf im siebten Jahrhundert. Die damaligen Bewohner siedelten bei der Furt am Neckar und am Platz um die heutige Kirche, wo „schon zu Römerzeiten“ Gebäude nachgewiesen waren, so Setzler. Um 1200 hatte sich Lustnau bereits zu „einem weitgehend geschlossenen Dorf“ entwickelt, mit einem burgähnlichen Herrenhaus und „meist einstöckigen Fachwerkhäusern“. Lustnau gehörte zum Einflussbereich der Pfalzgrafen von Tübingen. In deren Dienst standen die Herren von Lustnau. Ihr Wappen, ein silberner Hirschkopf mit Geweih auf blauem Grund, wurde später zum Dorfwappen.

300 Jahre später waren die Lustnauer Untertanen und Leibeigene des Klosters Bebenhausen, berichtete der Historiker. Sie mussten ein Drittel ihres Getreides an das Kloster abgeben. Zwei Tage im Jahr mussten sie Spanndienste leisten und Holz oder Getreide fahren, sagte Setzler. Acht Tage mussten sie den klösterlichen Wäldern widmen. An Fastnacht musste jeder Leibeigene in Bebenhausen ein Huhn abliefern.

Egeria-Gelände wird zu Lustnau-Süd

Der Tübinger Stadtplaner Cord Soehlke war beim Bürgerempfang ziemlich umlagert. Er rechnet mit etwa 1000 neuen Bewohnern im künftigen Lustnau-Süd. Das könnte dem Quartier wieder einen Bäcker, einen Metzger und einen kleinen Laden bringen. Ein Kinderhaus sei fest eingeplant. Auf das gesamte Egeria-Areal sowie auf das Queck-Gelände verteilt, werde viel weniger dicht gebaut als im Französischen Viertel. Als Preis für den Grundstückskostenanteil peilt Soehlke 300 Euro pro Quadratmeter an. Auf dem Herrlesberg waren es 700 Euro pro Quadratmeter. „Auf jeden Fall besser als die alte Fabrik“, kommentierte ein Lustnauer.

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Erstellt:
19. Oktober 2009, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
19. Oktober 2009, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2009, 12:00 Uhr

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