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Bodensee

Pläne für Fischzucht

Eine Genossenschaft will bis zu vier Netzgehege in dem Gewässer installieren. Doch Grünen-Politiker, Naturschützer und auch viele Berufsfischer sind dagegen.

22.10.2019

Von Kathrin Drinkuth

Überlingen: Fischer Andreas Geiger wäscht einen ausgenommenen Fisch im Bodensee. Die Mehrheit der Berufsfischer ist gegen eine Aquakultur in dem See. Foto: Felix Kästle/dpa

Konstanz. Die Genossenschaft „Regio Bodensee Fisch“ will ihre Pläne für eine Fischzucht im Bodensee voranbringen. Ein entsprechender Antrag für eine Aquakultur liege in der Entwurfsfassung vor, sagte ein Sprecher des Landratsamtes in Konstanz. Dieser diene zunächst als Besprechungsgrundlage, um mit Vertretern der Gruppe zu klären, welche Unterlagen für den Antrag noch erforderlich seien.

„Mein Bauchgefühl sagt ,Wir schaffen das'“, sagte der Vorsitzende der Genossenschaft, Martin Meichle. Einen konkreten Zeitplan gebe es aber noch nicht. Die Genossenschaft will als Pilotprojekt bis zu vier Netzgehege mit einer Größe von 12 mal 12 Metern in einer Tiefe von 30 Metern im Bodensee installieren. Derzeit sei man in Gesprächen mit einer Firma aus der Türkei, die den Bau der geplanten Netzgehege umsetzen solle.

Hintergrund der Pläne sind die seit Jahren sinkenden Erträge der Berufsfischer am Bodensee. Dramatisch ist vor allem der Rückgang beim wichtigsten Wirtschaftsfisch, dem Felchen. 2018 wurden 127,4 Tonnen Felchen gefangen – ein Rückgang um 35 Prozent gegenüber dem ohnehin schon niedrigen Wert des Vorjahrs. Und in diesem Jahr seien die Zahlen noch einmal massiv zurückgegangen, sagte Meichle. Andreas Geiger, Berufsfischer am Bodensee, sagt: „Wenn das noch zwei oder drei Jahre so weiter geht, dann muss ich sehen, was ich mache.“

Fragt man nach dem Grund für die niedrigen Erträge, stößt man immer wieder auf ein Wort: Phosphat. Dessen niedriger Wert im Wasser gilt vor allem bei den Berufsfischern als einer der Hauptgründe für den Rückgang. Fischer Geiger sagt: Entweder der Nährstoffgehalt wird angehoben – oder es gibt bald keine Berufsfischer mehr am Bodensee. Schon jetzt arbeite keiner seiner Kollegen mehr im Haupterwerb.

Die Mehrheit der Berufsfischer am Bodensee lehnt trotz dieser Misere eine Aquakultur ab, ebenso wie mehrere Umwelt- und Naturschutzverbände. Auch der Agrarexperte der Landtags-Grünen, Reinhold Pix, äußert sich sehr kritisch. „Wir werden keinen offenen Netzgehegen zustimmen, bei denen Futtermittel und Kot unkontrolliert in den See eingetragen werden“, teilte er mit. „Es ist völlig ungeklärt, welche Auswirkungen dies auf die Gewässerökologie, das Trinkwasser und den Tourismus haben kann.“ Zudem schließe die Richtlinie der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee Netzgehege im See aus.

„Die Genossenschaft hat selbstverständlich das Recht, einen Genehmigungsantrag zu stellen“, sagte Pix. „Ebenso selbstverständlich gehen wir aber von einem ablehnenden Bescheid des Landratsamts aus.“

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Erstellt:
22. Oktober 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
22. Oktober 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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