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Pioniere und Propheten
Kraftwerk zelebrieren live auch "Autobahn". Foto: Peter Boettcher
Kraftwerk nehmen die Konzertbesucher in Stuttgart mit auf eine Reise durch Raum und Zeit

Pioniere und Propheten

Zeitloser Elektro-Pop, fantastischer Sound, ikonografische 3D-Bilderwelten: Kraftwerk füllte zweimal die Stuttgarter Liederhalle.

01.12.2015
  • MAGDI ABOUL-KHEIR

Stuttgart. "Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht", zählt begrüßend die Mensch-Maschine mit der Vokoder-Stimme, und exakt um acht legen Kraftwerk im Beethovensaal der Stuttgarter Liederhalle los - Pünktlichkeit gehört eben auch zu deutscher Wertarbeit.

Wie keine andere Band made in Germany haben Kraftwerk die internationale Popkultur geprägt. Man hat weniger zu tun, wenn man die Musiker aufzählt, die in den vergangenen 40 Jahren nicht von den Düsseldorfern beeinflusst wurden, und das gilt nicht nur für die Elektro-, Synthie- und Techno-Szene. Wobei die Propheten im eigenen Land . . . Nun, längst füllen Kraftwerk ruckzuck Säle, die Liederhalle gleich an zwei Abenden mit je 3200 Fans.

Propheten? "Interpol und Deutsche Bank, FBI und Scotland Yard, Flensburg und das BKA haben unsere Daten da", schallt es alsbald in "Computer Welt" daher, nicht nur die Kälte der Worte lässt einen erschauern. Kraftwerk waren eben immer Pioniere und Propheten, klanglich, ästhetisch, inhaltlich.

Eins, zwei, drei, vier Mann stehen an den Konsolen: Nur noch Ralf Hütter ist Gründungsmitglied, mit ihm sind Fritz Hilpert, Henning Schmitz und Falk Grieffenhagen als Audio- und Video-Operatoren unterwegs. Das Visuelle ist tatsächlich gleichberechtigt, Kraftwerk standen schon immer der bildenden Kunst nahe. Man könnte von Musik-Installationen sprechen, auf dieser 3D-Konzertreihe sowieso, die im Museum of Modern Art in New York ihren Anfang genommen hat und ebenso in Kunst- wie in Musikhallen führt.

Die fabelhaften stereoskopischen Animationen, die auf enorme Leinwand projiziert werden, spielen mit den Motiven der ikonografischen Plattencover der Band von "Autobahn" über "Trans Europa Express" bis zu "Tour de France". Am Ende von "Space Lab" landet eine fliegende Untertasse vor der Liederhalle. Großartig.

Kling Klang, Boom Tschak Boing: Das meiste dieser Musik ist 30 bis 40 Jahre alt, doch kein Ton veraltet. Knackige Beats, oszillierende Sounds und dazu diese perfekten Pop-Melodien, die Kraftwerk-Songs neben den Schlag- und Reizwort-Texten so signifikant machen. Der Klang in der Liederhalle ist grandios: klare Höhen, durchdringende Bässe, perfekt ausgesteuert.

"Radio-Aktivität, wenn s um unsere Zukunft geht": Diesen Klassiker haben Kraftwerk einem Update unterzogen. "Tschernobyl, Harrisburg, Sellafield, Fukushima", geht es nun durch Mark und Bein. Ansonsten fahren sie weiterhin auf der Autobahn, das Model sieht noch immer gut aus, und natürlich sind sie die Roboter. Der Androidenauftritt ist aber nur ein Zwischenspiel, dann kommen die Operatoren aus Fleisch und Blut zurück, scherzen sogar mitunter miteinander.

Eins, zwei, drei, vier Männer verbeugen sich nach gut zwei Stunden Musik nonstop, werden begeistert gefeiert. Fürwahr: "Es wird immer weitergehen. Musik als Träger von Ideen." Mensch, Maschine!

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01.12.2015, 08:30 Uhr
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