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Kein radikaler Schnitt

Piëch setzt seinen Favoriten Pötsch als VW-Aufsichtsratschef durch

Ein radikaler Neuanfang sieht anders aus: Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch wird VW-Aufsichtsratschef. Derweil entschuldigt sich die Staatsanwaltschaft für Irritationen um Ex-Chef Winterkorn.

02.10.2015
  • FELIX LEE UND DPA

Wolfsburg Am Nachmittag tröpfeln erste Informationen auf den Markt. Trotz vieler Vorbehalte aus dem Konzern und dem Präsidium soll der bisherige Finanzchef von Volkswagen, Hans Dieter Pötsch, das Erbe des geschassten VW-Patriarchen Ferdinand Piëch antreten.

Überraschend schlägt das VW-Kerngremium zudem dem gesamten Aufsichtsrat vor, die bisher für den 9. November vorgesehene außerordentliche Hauptversammlung nicht durchzuführen. "Einvernehmlich hielt man es weder zeitlich noch inhaltlich für realistisch, binnen weniger Wochen zu fundierten Antworten zu kommen, die den berechtigten Erwartungen der Aktionäre entsprechen", heißt es dazu in einer Erklärung.

Pötsch im Aufsichtsrat - die Personalie war für viele Beobachter gleichermaßen überraschend wie erwartbar. Denn am Mittwoch hatten sich die Hinweise verdichtet, dass die Beratungen im Präsidium für den Österreicher kein Selbstläufer werden. Am Ende aber setzten sich die Großaktionärsfamilien Piëch und Porsche gegen alle Vorbehalte durch.

Die Zweifel drehten sich unter anderem um die Frage, welche Rolle Pötsch bei der Entscheidung des Konzerns gespielt hat, die Öffentlichkeit nicht schon am 3. September über die Manipulationen bei Abgaswerten von Dieselfahrzeugen zu informieren. Nach Medienberichten hatte das Unternehmen damals nämlich gegenüber der US-Umweltbehörde EPA schon die millionenfache Täuschung eingeräumt.

Der Chefsessel im Kontrollgremium des Autobauers ist seit Ende April vakant - im Zuge der Diesel-Affäre wurde der Top-Posten zunehmend zum Riesenproblem für den gesamten Konzern, wie Insider berichten.

Unterdessen wurde der Ruf des zurückgetretenen früheren VW-Chefs Martin Winterkorn auf ungewöhnliche Weise rehabilitiert. Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft sah sich nach kritischen Berichten zu einer öffentlichen Entschuldigung wegen möglicher "Irritationen" veranlasst. Ein formelles Ermittlungsverfahren gegen Winterkorn persönlich gebe es nicht, hieß es in einer Erklärung.

Die Manipulation der Abgaswerte von Millionen von Diesel-Fahrzeugen hat keineswegs nur das Vertrauen der Volkswagen-Kunden in den USA und Europa erschüttert. Obwohl VW in China kaum Diesel-Fahrzeuge verkauft, sind auch die Chinesen über das Vorgehen des deutschen Autobauers entsetzt. Kommentatoren spekulieren in den Medien über das Ende von VW. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua schreibt von "mehr als 10 Mio. Betrugsautos". Und auch in den sozialen Netzwerken reichen die Kommentare von Häme, über Fassungslosigkeit bis hin zu Wut.

Viele Chinesen fühlen sich erinnert an das Vorgehen vor zwei Jahren bei dem Skandal um defekte Automatikbetriebe. Auch damals sah das VW-Management zunächst wenig Handlungsbedarf, versuchte das Problem herunterzuspielen und schrammte nur knapp an einem Image-Debakel vorbei. Schon damals zeigten sich die Auswirkungen des Systems Winterkorn - bloß damals weit weg von Deutschland in China.

Mit Blick auf drohende Schadenersatz-Forderungen von Aktionären in der Abgas-Affäre sieht sich der VW-Vorstand nun durch ein Rechtsgutachten entlastet. Dabei geht es um die Frage, ob Volkswagen die Kapitalmärkte zu spät über die manipulierten Messwerte bei Dieselautos informiert hat. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Konzernkreisen erfuhr, heißt es in dem Gutachten, der Vorstand habe die Märkte nicht zu spät darüber in Kenntnis gesetzt.

Als der Vorstand von den Verstößen erfahren habe, sei es um die Abwägung gegangen, zunächst im Konzerninteresse den Sachverhalt aufzuklären oder darüber zu informieren. Dabei sei es "vertretbar, wenn nicht sogar geboten" gewesen, dass der Vorstand zunächst den Sachverhalt intern habe klären wollen.

Piëch setzt seinen Favoriten Pötsch als VW-Aufsichtsratschef durch
Die Großaktionärsfamilien Piëch und Porsche setzten sich durch: Hans Dieter Pötsch wird Aufsichtsratchef. Foto: dpa

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02.10.2015, 12:00 Uhr
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