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Sieben schlaflose Nächte

Pia Ziefle erzählt im ersten Roman „Suna“ von ihren Herkünften

Pia Ziefle hat deutsche Adoptiveltern. Ihre leiblichen Eltern kamen in den sechziger Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland. Um dieses Lebensdreieck herum schrieb sie ihren ersten Roman: „Suna“.

14.03.2012

Von Susanne Mutschler

Mössingen. Weil ihr Kind partout nicht einschlafen will, trägt die junge Mutter es nächtelang herum und erzählt ihm dabei die Geschichte seiner Familie. Die ist sehr lang und ziemlich verwickelt, denn das Baby hat nicht nur deutsche Großeltern, sondern auch noch eine serbische Oma und Tante, einen unbekannten Opa in Anatolien und neuerdings auch noch eine riesige türkische Verwandtschaft. Sieben Nächte und sieben Kapitel dauert es, bis die vielen Fäden der international besetzten Familiengeschichte entwirrt sind.

Geradlinig und unprätentiös

Erfrischend geradlinig und unprätentiös lässt Pia Ziefle ihre stellvertretende Protagonistin Luisa von ihrem und dem Leben ihrer Vorfahren berichten. Mit einem bestechend genauen Blick auf die kulturellen Unterschiede in Deutschland, Serbien und der Türkei entwickelt sie die Romangestalten der Väter, Mütter und Verwandten. Hin und wieder kommt sie dabei derart dicht an ihre eigene Herkunftsgeschichte, dass einem beim Lesen fast die Luft wegbleibt.

Neben der Ich-Erzählerin gibt es das deutsche Elternpaar, bei dem alles sehr korrekt zugehen musste. Dann ist da die serbische Mutter, die so bedrängt lebte, dass sie gezwungen war, ihre beiden Töchter abzugeben und schließlich gibt es den türkischen Vater, der insgeheim eine Familie in Anatolien hatte, weswegen er in Deutschland nicht noch einmal heiraten konnte. Von der Existenz seiner jüngsten Tochter „Suna“ erfuhr er erst, als jene so viel Türkisch gelernt hatte, dass sie ihn im Telefonbuch ausfindig machen konnte.

Pia Ziefle kam 1974 zur Welt, verbrachte ihre ersten beiden Lebensjahre in einer Pflegefamilie und wuchs dann in einer gutsituierten deutschen Familie auf. Ziefle ist von Beruf Siebdruckerin. Sie hat an einer Fernuniversität studiert und arbeitete in einer Berliner Werbeagentur, wo sie als Autorin Drehbücher schrieb – für Computerspiele, in denen der Spieler bestimmt, wie die Handlung weitergeht. Als Bloggerin übt sie sich seit Jahren im Formulieren. „Suna“ ist ihr erster Roman.

Für die Lebensgeschichten anderer Adoptivkinder, die sich fast immer um die Frage nach den Wurzeln und der eigenen Herkunft drehen, interessierte sich Pia Ziefle schon seit langer Zeit. Als ihr „das Romanhafte der eigenen Biografie“ klar geworden war, suchte und fand sie in Kai Strittmater, dem Südosteuropa-Korrespondenten der Süddeutschen Zeitung, einen Schreibpaten. Der renommierte Journalist habe die junge Autorin darin bestärkt, diese „ganzen Unglaublichkeiten“ ihrer Familiengeschichte in Buchform zu bringen, erinnert sich Ziefle.

Dorfstrukturen in Anatolien

Daraufhin hat sie sich in die Geschichte des Balkans eingelesen und sich mit den Dorfstrukturen in Anatolien befasst. Nach und nach verwandelte sie ihre eigenen Familienmitglieder in fiktive Romanfiguren – mit eigener Geschichte und eigener Sprache. Das schlaflose Baby gab der Geschichte Rahmen und Struktur.

Ihr eigenes Glück mit Mann und drei Kindern habe sie dazu gebracht, dass sie ihre Biografie inzwischen annehmen könne, „egal, wie kompliziert sie ist“, sagt sie. Das Buch sei mithin „keine Abrechnung“ – sondern ihr Weg der Verarbeitung.

Info: „Suna“ ist bei Ullstein erschienen und seit 29. Februar im Handel.

Keine Abrechnung, sondern Verarbeitung: Die Mössingerin Pia Ziefle, Jahrgang 1974, hat mit „Suna“ ihren ersten Roman vorgelegt. Bis zum Erscheinen des Buchs im Ullstein-Verlag war es ein langer und manchmal steiniger Weg.Bild: Franke

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Erstellt:
14. März 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
14. März 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. März 2012, 12:00 Uhr

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