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Pharmariesen verlangen für innovative Arznei hohe Preise - Krankenkasse Barmer GEK will gegensteuern
Tablettenpackung kostet 17 800 Euro

Pharmariesen verlangen für innovative Arznei hohe Preise - Krankenkasse Barmer GEK will gegensteuern

Die Krankenkasse Barmer GEK sucht nach einem Gegenmittel gegen explodierende Ausgaben für Medikamente. Dabei hat sie insbesondere die Preisfindung bei sehr teuren Arzneimitteln im Auge.

10.12.2015
  • DIETER KELLER

Berlin. Stolze 638 EUR kostet aktuell eine einzige Filmtablette Sovaldi. Die Packung mit 28 Stück steht mit 17 855 EUR auf der Preisliste. Dabei haben die Krankenkassen schon rund 10 Prozent Rabatt mit dem US-Hersteller Gilead Sciences ausgehandelt. Kein Wunder, dass der Chef der zweitgrößten deutschen Krankenkasse Barmer GEK, Christoph Straub, Sovaldi mit gemischten Gefühlen sieht: Einerseits ist es das erste Mittel, um eine chronische Hepatitis C dauerhaft zu heilen. Andererseits schlägt die Behandlung eines einzigen Patienten mit bis zu 150 000 EUR zu Buche. 2014 summierten sich die Behandlungskosten aller gesetzlichen Krankenkassen allein mit neu zugelassenen Hepatitis-C-Medikamente auf 600 Mio. EUR.

Für Sovaldi, das Anfang 2014 in der EU zugelassen wurde, gab die Barmer GEK im vergangenen Jahr 51 Mio. EUR aus. Damit sprang es auf Anhieb auf den fünften Platz unter den umsatzstärksten Arzneimitteln. Das Problem: Für Medikamente mit neuem Wirkstoff kann der Hersteller erst einmal verlangen, was er will. Erst nach einem Jahr auf dem Markt muss er den Zusatznutzen für Patienten nachweisen und mit den Kassen über den Preis verhandeln. Dieses Verfahren wurde im Jahr 2011 eingeführt.

Sovaldi ist ein Produkt der Molekularmedizin. Für den hohen Preis sorgt weniger der Forschungsaufwand. Vielmehr werden Hersteller, die einen solchen Wirkstoff gefunden haben, für hohe Milliardenbeträge von internationalen Pharmakonzernen gekauft, die diese Ausgaben wieder hereinholen wollen.

Straub sucht nach Wegen, um die Kostenexplosion zu bremsen. Sein Vorschlag: Bei neuen Präparaten, die schon im ersten Jahr der Einführung mehr als 80 Mio. EUR Umsatz erwarten lassen, soll schneller überprüft werden, ob sie echte Vorteile gegenüber anderen Medikamenten bieten. Diese Umsatzschwelle überschreiten aktuell nur 34 Arzneimittel. Doch diese "Blockbuster" sorgen für fast die Hälfte der Ausgaben von 12,3 Mrd. EUR, die die Kassen im vergangenen Jahr für patentgeschützte Arzneimittel aufwenden mussten. Die Hersteller sollen transparenter begründen, wie der Preis zustande kommt. Zudem sollen bei solchen Arzneimitteln nach drei bis fünf Jahren noch genauer Kosten und Nutzen bewertet werden.

Der Barmer-GEK-Chef hat bei seinen Forderungen auch die Klage im Hinterkopf, dass noch immer zu viele neue Medikamente auf den Markt kommen, die keinen echten Zusatznutzen bieten, aber teurer sind als die alten. Auch in seinem jüngsten Arzneimittelreport kommt der Pharmakologe Gerd Glaeseke von der Uni Bremen zum Schluss, dass auf sie etwa 10 Prozent der Arzneimittelausgaben entfallen.

Ähnlich viel kosten individuelle Rezepturen, die Glaeseke und Straub als weiteren Preistreiber unter Verdacht haben. Diese Mittel werden insbesondere in der Krebstherapie eingesetzt. Seit 2004 haben sich die Ausgaben mit 424 Mio. EUR fast verdreifacht, und es wird mit weiteren erheblichen Steigerungen gerechnet. Drei solche Rezepturen finden sich bei der Barmer GEK unter den 10 Medikamenten mit den höchsten Ausgaben. Bei der Suche nach den Ursachen dieser Entwicklung besteht großer Nachholbedarf.

Insgesamt stiegen die Ausgaben aller gesetzlichen Kassen für Arzneimittel 2014 um 9 Prozent auf 33,3 Mrd. EUR und damit deutlich stärker als für Krankenhausbehandlungen oder die niedergelassenen Ärzte. Ein Grund war das Auslaufen von Zwangsrabatten Ende 2013. Die Zahl der Verpackungen, die den 9,1 Mio. Versicherten der Barmer GEK verschrieben wurden, sank sogar leicht. Der Durchschnittspreis pro Verpackung nahm also deutlich zu. In weiten Teilen von Baden-Württemberg und Bayern sind die Ausgaben pro Versichertem besonders niedrig, in vielen Regionen in Ostdeutschland, aber auch Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens dagegen am höchsten.

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10.12.2015, 06:00 Uhr
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