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Medizin aus lebenden Zellen

Pharmakonzern Boehringer Ingelheim hofft auf neue Medikamente

Sieben neue Medikamente hat Boehringer Ingelheim in den letzten beiden Jahren auf den Markt gebracht, weitere Innovationen sollen folgen. Für dieses Jahr rechnet der Konzern mit einem Umsatzplus.

16.10.2015
  • BIANCA FRIESS

Biberach Wein ist nicht gleich Wein. Regnet es in einem Jahr mehr als in der Saison zuvor, kann am Ende ein ganz anderes Produkt herauskommen - und das schmeckt man, meint Thor Voigt, medizinischer Direktor Deutschland bei der Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG (Ingelheim/BI). Mit Biopharmazeutika verhalte es sich ähnlich, erklärt er bei einem Hintergrundgespräch.

Biopharmazeutika sind Arzneimittel, die mit Hilfe lebender Zellen hergestellt werden. Werden die Wirkstoffe nachgeahmt, spricht man von Biosimilars. Meist kommen diese Medikamente auf den Markt, wenn die Patente der Originalprodukte abgelaufen sind.

Ist aber beispielsweise die Temperatur bei der Herstellung minimal unterschiedlich, kann das großen Einfluss auf die Wirkstoffe haben - ebenso, wie das Wetter den Wein beeinflusst. "Das sind lebende Zellen, die müssen sich wohlfühlen", erklärt Voigt. Manchmal erreiche man mit den Nachahmungen sogar eine bessere Wirkung als mit dem Originalprodukt, dafür hat sich in der Branche der Begriff "Bio-Betters", eingebürgert.

Seit einigen Jahren setzt BI auf die Nachahmer-Wirkstoffe als weiteres Standbein. Doch die Forschung ist aufwendig. Im Jahr 2017 will der Konzern erste Biosimilars auf den Markt bringen, sagte Stefan Rinn, Landesleiter in Deutschland. Dabei handle es sich um Produkte im Bereich Immunologie und Onkologie.

BI sieht sich aktuell in der "innovativsten Phase der Firmengeschichte", sagte Rinn. In den letzten beiden Jahren wurden sieben neue Medikamente eingeführt. Deshalb zeigt sich der Konzern optimistisch: Für das Jahr 2015 rechnet BI mit einem Umsatz-Wachstum von etwa 2 Prozent, sagte Rinn. Damit soll die wirtschaftliche Schwächephase des Vorjahrs der Vergangenheit angehören. 2014 setzte der Pharmakonzern 13,3 Mrd. EUR um - das entspricht einem Rückgang um 5,3 Prozent im Vergleich zu Vorjahr.

20 Prozent der gesamten Umsatzerlöse wurden 2014 für Forschung und Entwicklung in verschiedenen Therapiegebieten aufgewendet. "Die Forschung und Entwicklung ist wie ein Motor für uns", sagte Rinn. Das Werk in Biberach sei in diesem Bereichen der Standort Nummer Eins. Zum 30. Juni 2015 arbeiteten dort 5375 Beschäftigte, das entspricht einer Steigerung von 2,87 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Weltweit beschäftigte der Konzern 2014 mehr als 47 700 Mitarbeiter, etwa 1 Prozent mehr als 2013.

Im Zuge eines Sparprogramms will BI in Deutschland bis Ende nächsten Jahres insgesamt 500 Stellen abbauen. Um 200 dieser Stellen wurde bereits reduziert. Gleichzeitig seien an den Standorten Biberach und Ingelheim aber 300 neue Arbeitsplätze in den Bereichen Biopharmazie und Produktion geschaffen worden, erklärte Rinn. Das biete vielen Mitarbeitern, deren Stellen abgebaut wurden, eine neue Beschäftigungsmöglichkeit.

Pharmakonzern Boehringer Ingelheim hofft auf neue Medikamente
Biberach ist ein wichtiger Entwicklungsstandort. Foto: Boehringer Ingelheim

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16.10.2015, 12:00 Uhr
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