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Pharaonische Sensation
Ein ägyptischer Archäologe arbeitet in einer über 2500 Jahre alten Nekropole an einem der gefundenen Sarkophage. Foto: Samer Abdallah/dpa
Ägypten

Pharaonische Sensation

Archäologen haben am Nil eine antike Totenstadt mit Dutzenden Sarkophagen und Kunstschätzen entdeckt. Das Land hofft auf mehr Touristen.

26.02.2018
  • MARTIN GEHLEN

Kairo. Stolz und Freude standen Ägyptens Antikenminister Kaled El-Enany ins Gesicht geschrieben. Eigens ein halbes Dutzend ehrwürdiger Glasvitrinen hatte er mitten in der Wüste aufstellen lassen, um seine frisch entdeckten Schätze in voller Pracht präsentieren zu können. „Wir werden dem Nahen Osten eine neue archäologische Attraktion hinzufügen“, versprach er den Hunderten von Gästen, die nach Oberägypten gekommen waren, um unter dem Schutz bunter Sonnentücher ihre antiken Vorfahren zu bestaunen. Im Dezember 2017 entdeckten Ägyptens Ausgräber nahe der Stadt Minia eine über 2500 Jahre alte Totenstadt, die Grablegen zahlreicher Priesterfamilien enthält. Vierzig mit Namen beschriftete Sarkophage aus Stein legten die Wissenschaftler frei, hinzu kamen 1000 Statuetten und Alabaster-Gefäße, Keramik und Schmuck. „Das ist erst der Anfang. Wir brauchen mindestens fünf Jahre, um sämtliche Nekropolen dieses Friedhofs zu erforschen“, erklärte Kaled Al-Enany. Acht weitere Gräberfelder sind schon ausgemacht, wahrscheinlich aber gibt es noch wesentlich mehr.

Gruß aus dem Jenseits

Oberhaupt einer der Familien war der Hohepriester Djehuty-Irdy-Es, der für den Gott Thot zuständig war. Seine noch vorhandene Mumie ist dekoriert mit blauen und roten Perlen sowie vergoldeten Bronzeplatten, die die geflügelte Himmelsgöttin Nut zeigen. Kurz vor Neujahr stießen die Forscher auf ein Amulett mit der Inschrift „Frohes Neues Jahr“ – „ein wunderbarer Zufall und eine Botschaft für uns aus dem Jenseits“, freute sich Chefausgräber und Kairos Antikendirektor Mostafa Waziri.

Zwei Drittel des historischen Erbes, so schätzte einmal Waziris Vorgänger Zahi Hawass, liegen noch unangetastet in ägyptischer Erde. Und so setzen die Ausgräber nicht nur in Minia, auch in Luxor und Kairo auf weitere spektakuläre Erfolge. Denn zum einen möchte die reich gesegnete Nation am Nil endlich wieder mehr Touristen anlocken. Zum anderen lenkt das Entdeckerglück ab von der beispiellosen Repression durch das Regime von Abdel Fattah al-Sisi. 8,3 Millionen Besucher kamen 2017, und die ersten Buchungszahlen für 2018 zeigen weiter nach oben – auch für das Tal der Könige in Luxor, wo die ägyptischen Altertum-Gewaltigen ebenfalls auf eine Sensation hoffen. Hatte doch der britische Ägyptologe Nicholas Reeves 2015 die Fachwelt in helle Aufregung versetzt mit der These, hinter der Nordwand der Tutanchamun-Kammer könne sich das „ungeplünderte Grab“ der Nofretete befinden (siehe Kasten). Die 1912 gefundene Büste der weltberühmten Schönheit steht im Ägyptischen Museum in Berlin.

Bei Kairo, wo mit den Pyramiden das einzige noch verbliebene Weltwunder der Antike steht, wird das ganze Areal derzeit umgestaltet. Keine zwei Kilometer Luftlinie entfernt entsteht das Große Ägyptische Museum, ein Eine-Milliarde-Euro Gigant, der zu einem Touristenmagnet mit Weltgeltung werden soll. Ende 2018 wird er nach 15 Jahren Bauzeit endlich seine Tore öffnen. Selbst ein eigener Flughafen, der „Sphinx International Airport“, ist im Bau. Ab Sommer 2018 können hier die ersten Touristen landen – direkt vor den Toren der neuen Pyramiden-Welt.

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26.02.2018, 06:00 Uhr
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