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Vodnev hilft Kasachen auf die (Ski-)Sprünge

Pforzheimer wirbelt als Nationaltrainer an allen Fronten

Es ist die Geschichte von den dramatisch unterschiedlichen Voraussetzungen im Leistungssport. Von Dionis Vodnev, der einst den jungen Pascal Bodmer betreute und heute kasachischer Nationaltrainer ist.

02.01.2010

Von KLAUS VESTEWIG

Garmisch-Partenkirchen Dionis Vodnev ist erst 38 Jahre alt, aber was der Pforzheimer in seiner Karriere als Skispringer, Betreuer und seit Frühjahr 2008 als Cheftrainer des Skisprungteams Kasachstans durchlebt hat, reicht eigentlich für drei Sportler-Karrieren.

Beginnen wir mit dem Jahr 1995/96. Da kommt plötzlich Pascal Bodmer, der Senkrechtstarter des deutschen Teams ins Spiel. Beim SV Meßstetten wird der Fünfjährige ans Skispringen herangeführt. Seine Trainer: Uli Cläsle, der Vereinstrainer, Dionis Vodnev und dessen Schwiegervater.

"Er hat noch Pampers angehabt und konnte noch nicht auf den kleinen Kasten hochklettern", erinnert sich Vodnev halb im Ernst und halb im Spaß an den Knirps. Eineinhalb Jahre betreute Vodnev den Buben. "Er hat mir gesagt, dass er sich nicht mehr an mich erinnern kann, aber dass sein Vater und seine Mutter von mir erzählt haben", berichtet Vodnev: "Ich denke schon, dass Pascal eine gute Zukunft hat." Zu Bodmers Familie in Hossingen hat er nach wie vor Kontakt.

Was führt einen Skispringer, der sechs Jahre lang in der sowjetischen Nationalmannschaft und nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion für Kasachstan von den Schanzen segelte, nach Meßstetten auf die Schwäbische Alb? Da Vodnev erkannte, dass die Voraussetzungen, um Skispringen in Kasachstan professionell zu betreiben, nicht ausreichten, wanderte er 1994 mit seiner Familie nach Deutschland aus. Seine Referenzen: beachtliche Erfolge im Weltcup, z. B. ein fünfter Rang 1992 im schwedischen Örnsköldsvik, ein elfter Platz bei der WM in Falun oder die drittbeste Weite im zweiten Durchgang bei Olympia 1992 in Albertville. "Aber Skispringen hat eben zwei Durchgänge", sagt Vodnev und lächelt.

Er wollte für Deutschland auf Weitenjagd gehen, die angestrebte Einbürgerung aber verzögerte sich mehr und mehr. Dabei rangierte er damals in seiner neuen Heimat hinter Dieter Thoma und Christoph Duffner auf Position drei. Als Siebter war er beim Sommer-Grand-Prix 1996 in Hinterzarten der "beste Deutsche", wie er sagt.

Obwohl der Ex-Bundestrainer Reinhard Heß hinter ihm stand, klappte die Einbürgerung erst 1999. Völlig frustriert vom schleppenden Fortgang und auch von Eifersüchteleien im Verband ihm gegenüber - seine Papiere seien nicht weitergeleitet worden - hatte Vodnev schon zwei Jahre zuvor seine Karriere beendet. "Das ist nicht ganz sauber gelaufen", sagt der Mann, der in Kasachstan die Sporthochschule beendet hatte, rückblickend: "Es hat mich sehr viel gekostet, nach oben zu klettern. Aber ich konnte mit Skispringen kein Geld verdienen."

Er schulte um zum Industrie-Elektoniker und zog nach Pforzheim. Dennoch: Das Skispringen hat ihn nie losgelassen. So wurde er erst Co-Trainer der kasachischen Nationalmannschaft, vor fast zwei Jahren dann Chefcoach des siebenköpfigen Kaders. Und Vizepräsident des kasachischen Skiverbands ist er obendrein. Eigentlich ist er so ziemlich für alles zuständig: Training, Beschaffung der Visa, Reiseplanung, Finanzierung und vieles mehr - sozusagen ehrenamtlich neben seinem Job. Geld vom Verband darf er kaum erhoffen.

Fast ohne finanzielle Unterstützung tun sich seine Schützlinge schwer. In Oberstdorf scheiterten Nikolay Karpenko und Alex Korolev in der Qualifikation, gestern in Garmisch wurde Karpenko 31. Vier Kasachen dürfen bei Olympia in Vancouver starten. An Sponsoren fehlt es, überall klaffen finanzielle Löcher. Und in Kasachstan gibt es keine einzige Schanze. Mit den Asienspielen 2011 in Almaty, dem früheren Alma Ata, dürfte sich die Situation im Land freilich in dieser Hinsicht verbessern.

"Bis Ende Februar muss ich es noch durchziehen. Wie es dann weitergeht, weiß ich nicht", sagt Vodnev. Was den Skisprung-Verrückten umtreibt? "Dass die Kasachen zeigen, dass sie das auch können."

Die Einbürgerung kam zu spät: Frustriert hatte Dionis Vodnev seine Karriere beendet. Foto: Anne Kirchberg

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Erstellt:
2. Januar 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
2. Januar 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 2. Januar 2010, 12:00 Uhr

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