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Kritik an Krankenkassen

Pflegespezialist Paul Hartmann mit Rekordumsatz - Neue Fabrik eröffnet

Der Medizinartikel-Hersteller Paul Hartmann hat 2014 einen Rekordumsatz erzielt. Kritik übt Vorstandschef Andreas Joehle, dass Krankenkassen auf dem Rücken von Inkontinenzpatienten sparen wollen.

27.03.2015

Von ALEXANDER BÖGELEIN

Heidenheim An seinem Stammsitz in Heidenheim hat Medizinartikel-Hersteller Paul Hartmann eine kleine, aber hochmoderne Fabrik gebaut - samt Schau-OP-Saal für Kundenschulungen. Die Investition von 15 Mio. EUR ist in mehrfacher Hinsicht Sinnbild für das börsennotierte Unternehmen, das mehrheitlich der Ulmer Unternehmerfamilie Schleicher gehört.

Zum einen ist es ein Bekenntnis zum Standort, sagt Finanzchef Stephan Schulz. Zum anderen zeigt es, wie Hartmann den vielen Herausforderungen im Gesundheitswesen begegnet, sagt Vorstandsvorsitzender Andreas Joehle. Die Reinraum-Fertigungen der OP-Sets und der Wundverbände ist nach neuesten Erkenntnissen ausgerichtet. Effizienz, Innovation und Kundenorientierung sind hier - wie im gesamten Unternehmen - oberstes Gebot. Das sind drei der Gründe, warum das 197 Jahre alte Unternehmen seinen Umsatz um 3,8 Prozent auf den Rekordwert von 1,9 Mrd. EUR gesteigert hat. Das Konzernergebnis verbesserte sich um 25 Prozent auf 78 Mio. EUR. Von den Erfahrungen im "Medical Innovation Center" sollen andere Werke profitieren.

Hartmann fertigt weltweit an 20 Standorten. In China schloss man die Produktion für sterile Mullbinden. Dort gab es einen großen Rückruf. Die hohe Fluktuation (30 Prozent) der Mitarbeiter hatte die Produktqualität beeinträchtigt.

Lediglich in einem Werk in Spanien werden noch die Produkte hergestellt, mit denen Paul Hartmann groß geworden ist: klassische Pflaster. Doch das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren längst zum Dienstleister und Lösungsanbieter für seine Kunden entwickelt.

In der kleinen Reinraum-Fabrik stellen die Mitarbeiter für 1500 deutsche Kliniken OP-Sets zusammen, etwa für Geburten oder Hüftoperationen. Genau abgestimmt auf die einzelnen Abläufe der jeweiligen Klinik - vom Verbandsstoff bis zum Einweg-Instrument. Durch diese logistische Dienstleistung sparen die OP-Teams laut Joehle bis zu 40 Prozent Zeit. Und die können sie für zusätzliche Operationen nutzen. "Wer heute als Anbieter erfolgreich sein will, muss seinen Kunden effiziente Lösungen liefern", betont Joehle.

Gewachsen ist das Unternehmen mit seinen Lösungen für schwerheilende Wunden, die auf einer speziellen Schicht beruhen. "Der Aufwand für Pflegepersonal und Ärzte ist geringer, die Wunde heilt schneller."

Größte Sparte mit einem Umsatz von 627 Mio. EUR bleiben aber die Produkte für Menschen mit Blasenschwäche. Hier gibt es nach Joehles Worten eine bedenkliche Entwicklung, von der 1,5 Mio. Menschen betroffen sind, die Windeln oder Einlagen auf Kassenrezept erhalten.

Krankenkassen wie die Barmer GEK, DAK oder KKH schreiben die Versorgung der Patienten aus und geben dem billigsten Anbieter den Zuschlag. Lagen die Erstattungspauschalen der Kassen früher bei 25 bis 30 EUR für die monatliche Belieferung eines Patienten, so sind es heute teilweise unter 13 EUR. Damit sei eine qualitativ gute Versorgung nicht möglich. Das gehe zu Lasten der Patienten, von denen viele bettlägerig seien. Viele Familien sähen sich zu Aufzahlungen von bis zu 200 EUR im Monat gezwungen. "Doch das könnten sich nicht alle leisten. Erfreulich sei, dass die Politik dieses Vorgehen stoppen wolle.

Für dieses Jahr sind Joehle und Schulz zuversichtlich - trotz der anhaltenden Wechselkursschwankungen. Ausbauen will das Unternehmen sein Geschäft in den USA. Auch über Zukäufe denkt Joehle nach. Die Finanzmittel dafür sind vorhanden. "Das Unternehmen ist komplett entschuldet", sagt Schulz.

Von den 10 216 Beschäftigten arbeiten 4350 in Deutschland. An den Standorten Heidenheim und Herbrechtingen sind es rund 2050.

Hartmann-Mitarbeiter stellen in der Reinraum-Fertigung moderne Wundauflagen her, die den Heilungsprozess beschleunigen. Foto: Paul Hartmann AG

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Erstellt:
27. März 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
27. März 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. März 2015, 12:00 Uhr

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