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Per Flatrate durch die Fächerstadt
Ein E-Auto auf dem Franklin-Areal: Das neue Quartier voll hinsichtlich der Mobilität Maßstäbe setzen. Foto: Jan Millenet
Mobilität

Per Flatrate durch die Fächerstadt

Auf einem früheren Areal des US-Militärs in Mannheim soll nicht nur ein neues Quartier entstehen. Auch bei der Nutzung von Autos und Rädern will die Stadt neue Wege gehen.

05.02.2018
  • JAN MILLENET

Mannheim. Aus Kasernen werden Vorzeige-Stadtteile: Das hat in Baden-Württemberg Tradition – etwa mit dem Französischen Viertel in Tübingen oder dem Quartier Vauban in Freiburg. Nun soll auch das ehemalige US-Kasernengelände Benjamin Franklin Village in Mannheim herausgeputzt werden, was die stadteigene Projektentwicklungsgesellschaft MWSP vorantreibt. Vor allem in puncto „niedriger Energieverbrauch und Emissionsausstoß“ soll „Franklin“ ein Modellstadtteil werden.

Dafür haben die Projektentwickler nun die Gesellschaft „Franklin mobil“ gegründet. Ihr Ziel: so wenig Emissionen wie möglich bei gleicher Mobilität. Bei rund 9000 Bewohnern, die in Zukunft auf Franklin leben werden, ist das keine leichte Aufgabe. Nur wenige wollen oder können auf ihr Auto verzichten. Das will man ihnen auch nicht verbieten, sagt MWSP-Geschäftsführer Achim Judt. „Aber wir wollen ein alternatives Angebot machen.“

Monatliche Pauschale

Wie das aussieht, erklärt Franklin-mobil-Chef Oliver Leicht. Ihm zufolge können die Bewohner eine Art Mobilitäts-Flatrate buchen. Sie bezahlen eine Pauschale, die sie berechtigt, für eine bestimmte Zeit im Monat ein E-Auto oder E-Lastenrad zu nutzen. Später soll die „Franklin-Flat“ um Angebote des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar sowie von Car- und Bikesharing-Anbietern erweitert werden.

Die Räder und Autos werden auf dem Gelände verteilt zu finden sein. „Per App kann man dann kontrollieren, ob und wo ein Fahrzeuge zur Verfügung steht und dieses buchen“, erklärt Leicht. Da die Verhandlungen über das Konzept noch nicht abgeschlossen seien, könne er noch keinen Preis für die Flatrate nennen. Das monatliche Zeitkontingent soll wohl 16 Stunden Nutzung ohne Aufpreis beinhaltet.

Die Initiative Franklin-mobil soll den Bewohnern den Umstieg leicht machen. Sie bündelt die Angebote und informiert die Interessenten. Im Sommer werde zudem eine „Mobilitätszentrale“ auf Franklin entstehen, bei der sich die Bewohner auch jenseits von Internet und App Infos einholen und sich beraten lassen können. Ein erstes E-Auto soll laut Oliver Leicht in rund zwei Wochen auf dem Areal verfügbar sein. Im Laufe des Jahres werde das Kontingent auf fünf Fahrzeuge aufgestockt werden. Ist das Stadtviertel einmal fertig, sollen rund 30 E-Autos verfügbar sein.

Zur Anschubfinanzierung hat sich Franklin mobil jene Investoren mit ins Boot geholt, die auf dem Gelände bauen. Die Teilnahme am Mobilitäts-Projekt ist jedoch freiwillig, nicht jeder Investor zieht mit. Am Ende soll kein Bewohner deshalb ausgeschlossen werden, so Leicht. Allerdings dürfen die, die unter dem Dach eines mitfinanzierenden Investors wohnen, auf eine günstigere Flatrate hoffen.

Modell für andere Viertel

Sollte das Modell des emissionsarmen und energiesparenden Stadtteils funktionieren, könnte es auch auf andere Konversionsflächen in Mannheim übertragen werden, sagt Projektentwickler Achim Judt. Seine Gedanken reichen sogar noch weiter: „Vielleicht ist es irgendwann auch auf die ganze Stadt oder die ganze Region übertragbar.“

Bis dahin dürfte es noch eine Weile dauern. Doch Franklin könnte ein Anfang sein, vorausgesetzt, es kommt gut an. Denn ein Leben ohne eigenes Auto – zumindest ohne gute Alternativen – sei für viele heutzutage noch schwer vorstellbar. „Mobilität ist ein erlerntes Verhalten“, sagte Oliver Leicht. Mit einem leicht zugänglichen Produkt soll sich dieses Verhalten ändern.

Allerdings fügt sich das Projekt auch in gesamtgesellschaftliche Entwicklungen ein. „Die Energiewende kommt“, betont Mannheims OB Peter Kurz (SPD). Franklin mobil solle eine praktische Antworten darauf sein.

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05.02.2018, 06:00 Uhr
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