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Pep lebt
Mit eindringlichen Worten bereitete Pep Guardiola seine Spieler auf die Verlängerung gegen Juventus vor. Foto: Imago
Guardiola muss um den würdevollen Abschied von den Bayern kämpfen

Pep lebt

Erst wie versteinert, dann völlig losgelöst: Der auf dramatische Weise errungene Erfolg gegen Juventus hat gezeigt, dass die Spielphilosophie von Bayerns Trainer auch in dieser Saison kein Selbstläufer ist.

18.03.2016
  • ARMIN GRASMUCK

München. Nach gut einer Stunde sah es aus, als sei Pep Guardiola erstarrt. Wie versteinert stand der Trainer der Bayern in der für ihn vorgesehenen Zone am Rand des Spielfelds. Er stand da und zeigte keine Regung, der Atem schien ihm an die Lippen gefroren. Seine Spieler versuchten aufrichtig und mit kämpferischen Attributen, die Partie zu ihren Gunsten zu drehen. Aber war es das, was der Trainer sehen wollte? Ellenbogen statt Finesse, derbe Grätschen anstelle des von ihm geschätzten Kurzpasses. Es stand 0:2 und Guardiola wusste genau: Das Aus im Achtelfinale würde allein auf ihn und seine Art des Fußballs zurückfallen. Mission Triple gescheitert. Danke, Pep, das war s.

Nur die späten Tore durch Robert Lewandowski und Thomas Müller, die Bayern in die Verlängerung retteten, und das furiose Finale mit den siegbringenden Volltreffern von Thiago und Kingsley Coman verhinderten den Totalschaden, der Guardiola alles andere als fröhliche Ostern beschert hätte.

Es war eklatant zu erkennen, mit welch einfachen Mitteln Bayerns Trainer von dem Turiner Kollegen Massimiliano Allegri über weite Strecken der Partie überrascht und überwältigt wurde. Das aggressive Pressing, mit dem Juventus die Münchner von der ersten Minute an schwer unter Druck setzte, hatte Guardiola offensichtlich nicht auf dem Zettel. Ungewohnt wackelig wirkten die Gastgeber, die in der Konsequenz auch keinen richtigen Schwung im Spiel nach vorne fanden. "Wir waren nicht intensiv genug, schienen verängstigt zu sein, die Körpersprache war nicht gut", so lautete Guardiolas Analyse nach der Partie. Nach den mehr oder weniger derben Pleiten in den Halbfinals der beiden vergangenen Spielzeiten gegen Real Madrid und den FC Barcelona drohte ihm und den Bayern der nächste Tiefschlag. Und eine ganze Weile lang schien es, als habe der Trainer erneut keinen Plan B, der seiner Mannschaft die dringend benötigten Impulse geben konnte. Ratlos, machtlos, fast hilflos musste Guardiola mit ansehen, wie die Italiener immer wieder völlig frei vor seinem Torwart Manuel Neuer auftauchten, die besten Möglichkeiten, das Spiel zu ihren Gunsten zu entscheiden, aber ausließen.

War es ein Bauchgefühl? Der Mut der Verzweiflung? Oder einfach die außergewöhnliche Qualität, die in dem exquisit besetzten Kader der Bayern steckt? Mit den zur Halbzeit und in der Schlussphase vollzogenen Wechseln seiner Strategie lag Guardiola an diesem denkwürdigen Abend goldrichtig. Er nahm Mehdi Benatia, den wankenden Innenverteidiger, und den ungeheuer langsam erscheinenden Routinier Xabi Alonso vom Feld und schickte die frischen wie begabten Hoffnungsträger Thiago und Coman auf den Platz, die den am Ende müde wirkenden Abwehrrecken mit ihren atemberaubenden Sprints und frechen Haken zusetzten.

Als sich die Bayern nach dem Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit und dem Ende der regulären Spielzeit auf die Verlängerung vorbereiteten, war auch Guardiola wieder aufgetaut. Er kickte eine Wasserflasche durch die Luft, schüttelte den bemerkenswert abgeklärten Jungstar Joshua Kimmich kräftig durch und fuchtelte, mit großen Augen, wild und energiegeladen, wie nur Pep Guardiola fuchteln kann.

Den größten anzunehmenden Unfall, das abrupte Ende in der Champions League, konnten die Bayern allein aufgrund ihrer Kampfkraft und der individuellen Klasse der Angreifer verhindern. Im Viertelfinale werden sie, egal welcher Gegner ihnen heute zugelost wird, noch einmal zulegen müssen. Es liegt an Guardiola, frei von aller Eitelkeit die richtigen Schlüsse zu ziehen.

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18.03.2016, 08:30 Uhr
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